Er ist deutlich grösser als unsere heimischen Frösche, frisst fast alles, was er überwältigen kann, und vermehrt sich unter günstigen Bedingungen rasant: Der nordamerikanische Ochsenfrosch (Lithobates catesbeianus) breitet sich in Teilen Deutschlands aus. Besonders betroffen sind laut dem deutschen Bericht Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz. Dort versuchen Fachleute, die weitere Ausbreitung der invasiven Amphibie zu verhindern.
Der Ochsenfrosch stammt ursprünglich aus Nordamerika. In Europa wurde er unter anderem als Zootier, zur Zucht oder als Lebendfutter eingeführt und gelangte teilweise in die freie Natur.
Warum ist der grosse Frosch problematisch?
Das Problem ist weniger seine Grösse als sein Verhalten. Ochsenfrösche sind wenig wählerisch bei ihrer Nahrung. Auf ihrem Speiseplan stehen neben Insekten auch andere Amphibien, Reptilien, kleine Säugetiere und Vögel. Damit kann die Art heimische Tiere direkt fressen oder ihnen Nahrung wegnehmen.
Hinzu kommt ein weiterer möglicher Risikofaktor: Der Ochsenfrosch kann den für Amphibien gefährlichen Chytridpilz Batrachochytrium dendrobatidis übertragen. Der Pilz kann bei verschiedenen Amphibienarten schwere Erkrankungen auslösen.
Und gibt es den Ochsenfrosch auch in der Schweiz?
Hier ist die Lage deutlich weniger dramatisch. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) führt den nordamerikanischen Ochsenfrosch als gebietsfremde Art. Einen etablierten Bestand, wie er aus Teilen Deutschlands bekannt ist, weist das BAFU für die Schweiz jedoch nicht aus. Die Art gilt damit hier nicht als vergleichbares Massenproblem. Das bedeutet allerdings nicht, dass invasive Amphibien für die Schweiz keine Rolle spielen.
Invasive Arten sind auch in der Schweiz ein Thema
Das BAFU zählt aktuell 1305 etablierte gebietsfremde Arten in der Schweiz. 197 davon werden als invasiv eingestuft. Dazu gehören 85 Tier-, 89 Pflanzen- und 23 Pilzarten.
Die Behörden beobachten deshalb auch Arten, die bisher noch nicht dauerhaft in der Schweiz Fuss gefasst haben. Gerade bei gebietsfremden Arten gilt: Je früher eine mögliche Ausbreitung erkannt wird, desto besser lassen sich Probleme verhindern.
Schweizer Frösche haben ohnehin einen schweren Stand
Unabhängig vom Ochsenfrosch gibt es für die heimischen Amphibien genügend andere Probleme: Die Schweizer Amphibienbestände sind rückläufig. Das BAFU schreibt, dass in den vergangenen zehn Jahren aus jedem Amphibienlaichgebiet von nationaler Bedeutung im Durchschnitt eine stark gefährdete Amphibienart verschwunden ist. Gleichzeitig nimmt die Qualität der Laichgewässer und Landlebensräume ab. Auch der allgemeine Zustand der Artenvielfalt ist angespannt: Von den in der Schweiz bewerteten Arten gelten 35 Prozent als gefährdet oder ausgestorben.
Für Frösche, Kröten und Molche sind deshalb vor allem genügend geeignete und miteinander verbundene Lebensräume wichtig.
Muss die Schweiz nun Angst vor dem Riesenfrosch haben?
Nein. Zumindest gibt es dafür derzeit keinen Anlass. Der Ochsenfrosch ist in der Schweiz kein vergleichbares Problem wie in den betroffenen Regionen Deutschlands. Trotzdem ist die Art für den Naturschutz relevant, weil gebietsfremde Tiere grundsätzlich neue Lebensräume besiedeln können. Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) stuft das Tier offiziell als erhebliche zukünftige Bedrohung für die einheimische Biodiversität ein.
Das BAFU weist zudem darauf hin, dass Klimawandel sowie zunehmender Handel und Reiseverkehr dazu beitragen, dass immer mehr gebietsfremde Arten neue Lebensräume erreichen können.
Was tun, wenn man einen Ochsenfrosch entdeckt?
Wer glaubt, einen nordamerikanischen Ochsenfrosch entdeckt zu haben, sollte das Tier nicht selbst einfangen oder aussetzen. Sinnvoller ist es, die Beobachtung einer zuständigen kantonalen Stelle beziehungsweise den zuständigen Fachstellen für Amphibien zu melden.
Denn bei gebietsfremden Arten ist eine möglichst genaue Bestimmung entscheidend. Nicht jeder grosse Frosch ist schliesslich ein Ochsenfrosch.
Für die Schweiz gilt deshalb derzeit eher: beobachten statt fürchten. Der Riesenfrosch ist hier kein akutes Problem, die Behörden haben die mögliche invasive Art aber durchaus auf dem Radar.