Darum gehts
- Babyboomer prägten 1995 mit 46 % den Schweizer Arbeitsmarkt stark
- Erwerbsquote von Müttern stieg von 57 % (Babyboomer) auf 77 % (Millennials)
- Seit 2021 verlassen mehr Menschen den Arbeitsmarkt, als neue dazukommen
Sie waren die Generation, die früh lernte: Arbeit muss gemacht werden. Durchhalten gehört dazu. Und über Probleme spricht man nicht unbedingt: Die Babyboomer, also die zwischen 1946 und 1964 Geborenen, wuchsen in einer anderen Arbeitswelt auf als die Generationen nach ihnen. Die Schweiz erlebte einen wirtschaftlichen Aufschwung, klassische Berufswege waren verbreitet und viele Menschen blieben jahrzehntelang beim gleichen Arbeitgeber.
Heute steht diese Generation am Ende ihres Berufslebens. Und damit verändert sich auch ein Verständnis davon, was Arbeit leisten soll.
Einst stellte die Generation fast die Hälfte der Arbeitskräfte
Wie stark die Babyboomer den Schweizer Arbeitsmarkt prägten, zeigen Zahlen des Bundesamts für Statistik (BFS). 1995 erreichte ihr Anteil an der Erwerbsbevölkerung mit 46 Prozent seinen Höchststand. Fast jede zweite erwerbstätige Person gehörte damals also dieser Generation an. Danach begann sich das Bild zu verändern. 2010 wurde die Generation von der Generation X überholt, 2014 folgten die Millennials. 2018 machten die Babyboomer noch gut ein Fünftel der Erwerbsbevölkerung aus. Heute sind die meisten pensioniert.
Eine andere Vorstellung von Arbeit
Natürlich sind die Babyboomer keine homogene Gruppe. Besonders Frauen machten andere Erfahrungen als Männer. Für viele war Arbeit aber vor allem mit Einkommen, Sicherheit und Verantwortung verbunden, aber weniger mit Selbstverwirklichung. Eine Stelle zu haben, bedeutete oft, sich darin einzurichten und auch schwierige Phasen auszuhalten. Den Arbeitgeber zu wechseln, weil der Job nicht mehr erfüllend war? Für viele weniger selbstverständlich als heute. Durchhalten war keine Schwäche, sondern eine wichtige Fähigkeit.
Für Frauen hat sich besonders viel verändert
Wie gross der Wandel ist, zeigt sich bei den Müttern. Laut BFS lag die Erwerbsquote von 27- bis 37-jährigen Müttern der Babyboomer-Generation bei 57 Prozent. Bei den Müttern der Generation X waren es bereits 68 Prozent, bei den Millennials 77 Prozent. Beruf und Familie liessen sich für jüngere Generationen damit zunehmend anders und besser verbinden als für ihre Vorgängerinnen.
Die Arbeitswelt ist heute flexibler. Aber nicht unbedingt entspannter
Wer daraus schliesst, dass es die Jungen heute leichter haben, liegt allerdings falsch: Laut BFS fühlten sich 2022 23 Prozent der Erwerbstätigen bei der Arbeit meistens oder immer gestresst. Zehn Jahre zuvor waren es noch 18 Prozent. Bei Frauen lag der Anteil 2022 bei 25 Prozent, bei Männern bei 21 Prozent. Besonders deutlich wird der Zusammenhang zwischen Stress und Erschöpfung: Von den Erwerbstätigen, die regelmässig unter Stress standen, fühlten sich 53 Prozent emotional erschöpft. Bei denjenigen ohne solchen Stress waren es 13 Prozent. Das zeigt: Stress ist längst kein reines Generationenproblem.
Haben die Jungen einfach weniger Durchhaltevermögen?
Der Vorwurf ist schnell gemacht: Die Jungen wollten weniger arbeiten, seien schneller überfordert und würden früher auf ihre Bedürfnisse achten. Vielleicht ist der Unterschied aber ein anderer:
Die Babyboomer lernten stärker, Belastung auszuhalten. Jüngere Generationen haben eher gelernt, darüber zu sprechen. Teilzeit, Homeoffice, flexible Arbeitszeiten oder ein Jobwechsel gelten heute weniger als Zeichen mangelnder Loyalität. Gleichzeitig bleiben Eigenschaften, die viele Babyboomer mitbringen, wertvoll: Erfahrung, Verlässlichkeit und die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen.
Eine Generation geht und hinterlässt eine Lücke
Die Pensionierung der Babyboomer hat für die Schweiz auch eine wirtschaftliche Bedeutung. Seit 2021 verlassen mehr Menschen den Arbeitsmarkt, als neu hinzukommen. Das BFS führt diese Entwicklung unter anderem auf die Pensionierung der Babyboomer zurück. Damit stellt sich für Unternehmen nicht nur die Frage, wie sie genügend Arbeitskräfte finden. Es geht auch darum, was von der Erfahrung dieser Generation erhalten bleibt.
Voneinander lernen ist Trumpf
Vielleicht müssen die Generationen gar nicht gegeneinander antreten. Denn beide haben Wertvolles zu bieten: Die Babyboomer zeigen, wie wichtig Verantwortung und Durchhaltevermögen sind. Die Jüngeren zeigen, dass man dafür nicht jede Grenze überschreiten muss. Denn entscheidend ist nicht, wer härter arbeitet. Sondern wer rechtzeitig erkennt, wann Durchhalten Stärke ist und wann es Zeit ist, etwas zu verändern.