Liebe und Anziehung
Macht Herzrasen verliebt? Eine Studie liefert Hinweise

Herzrasen, feuchte Hände und ein flaues Gefühl im Magen: Wer aufgeregt ist, hält diese Signale womöglich für Verliebtheit. Eine neue Studie zeigt, dass dieser Effekt vor allem bei Männern auftreten kann.
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Nicht jedes Kribbeln muss etwas mit dem Gegenüber zu tun haben. Manchmal ist es schlicht die Situation, die unseren Körper in Alarmbereitschaft versetzt.
Foto: Pixabay
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Gunda BosselSEO-Redaktorin

Ein erstes Date, eine Achterbahnfahrt oder eine knifflige Situation: Manchmal schlägt das Herz schneller, die Hände werden feucht und im Bauch macht sich ein Kribbeln bemerkbar. Doch woher kommt dieses Gefühl eigentlich? Und kann es sein, dass wir unser Herzklopfen mit romantischer Anziehung verwechseln?

Tatsächlich könnte genau das passieren. Forschende der Leuphana-Universität Lüneburg haben untersucht, wie sich körperliche Aufregung auf die Partnersuche auswirkt. Ihr Ergebnis: Männer, die zuvor eine aufregende Situation erlebt hatten, bewerteten potenzielle Partnerinnen attraktiver als Männer, die sich in einer entspannten Umgebung befanden.

Was eine wacklige Brücke mit der Liebe zu tun hat

Die Idee hinter dem Experiment ist nicht neu. Bereits 1974 untersuchten Psychologen, ob Menschen körperliche Aufregung mit romantischer Anziehung verwechseln können.

Dafür liessen sie Männer eine schmale, stark schwankende Hängebrücke in rund 70 Metern Höhe über einer Schlucht überqueren. Unterwegs trafen die Teilnehmer auf eine Frau, die sie bat, einen Fragebogen auszufüllen. Anschliessend gab sie ihnen ihre Telefonnummer und bot an, ihnen die Ergebnisse der Befragung zu erklären.

Das Auffällige: Männer, die der Frau auf der wackligen Brücke begegnet waren, meldeten sich häufiger bei ihr als jene aus einer Vergleichsgruppe, die sie in einer sicheren Umgebung kennengelernt hatten.

Die Erklärung der Forschenden: Die Männer könnten ihre körperliche Anspannung durch die gefährliche Überquerung unbewusst als Anziehung interpretiert haben. Ihr Herz schlug schneller, sie waren aufgeregt und brachten diese Gefühle möglicherweise mit der Frau in Verbindung.

Auch virtuelle Aufregung kann die Wahrnehmung verändern

Für ihre neue Untersuchung griffen Bahar Gürer und Yannik Escher von der Leuphana-Universität Lüneburg diese Idee auf. Diesmal fand das Experiment nicht auf einer echten Brücke, sondern in einer virtuellen Welt statt.

Ein Teil der männlichen Versuchspersonen setzte eine VR-Brille auf und spielte «Beat Saber». In diesem Spiel müssen sie heranfliegende Objekte mit virtuellen Lichtschwertern zerschneiden. Die Aufgabe sorgte für Aufregung. Die Vergleichsgruppe betrachtete dagegen lediglich virtuelle Waldlandschaften.

Anschliessend bewerteten die Teilnehmenden Dating-Profile. Dabei zeigte sich ein Unterschied: Die Männer aus der aufgeregten Gruppe fanden die abgebildeten Personen attraktiver. Ausserdem gingen sie eher davon aus, dass die andere Person ebenfalls Interesse an ihnen haben könnte und beide gut zusammenpassen würden.

Auch die Bereitschaft, selbst Interesse zu signalisieren, war erhöht. Sie lag in der aufgeregten Gruppe um 57,5 Prozent höher als bei den entspannten Teilnehmern.

Allerdings gilt es, das Ergebnis richtig einzuordnen: Die Untersuchung zeigt einen Effekt in einer konkreten Versuchssituation. Sie beweist nicht, dass sich Menschen grundsätzlich wegen ihres erhöhten Pulses verlieben oder dass Aufregung bei jedem Date die Anziehung verstärkt.

Frauen liessen sich weniger beeinflussen

Besonders interessant war ein weiterer Befund: Bei den Frauen zeigte sich dieser Effekt nicht. Während die aufgeregten Männer die Dating-Profile positiver einschätzten, führte die körperliche Anspannung bei den weiblichen Versuchspersonen nicht zu vergleichbaren Veränderungen.

Warum sich die Geschlechter in diesem Experiment unterschieden, lässt sich daraus allein nicht abschliessend erklären. Die Ergebnisse bedeuten auch nicht, dass Frauen grundsätzlich unempfindlicher auf Aufregung reagieren oder ihre Gefühle besser einschätzen können.

Für die Partnersuche bleibt dennoch eine spannende Erkenntnis: Nicht jedes Kribbeln muss etwas mit dem Gegenüber zu tun haben. Manchmal ist es schlicht die Situation, die unseren Körper in Alarmbereitschaft versetzt. Und unser Gehirn versucht anschliessend, eine Erklärung für das Herzklopfen zu finden.

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