Die letzten Ferientage fühlen sich manchmal wie ein Countdown an. Noch einmal ausschlafen, noch einen Kaffee am Strand oder einen Ausflug machen – und plötzlich steht der erste Arbeitstag vor der Tür. Statt Erholung bleibt ein mulmiges Gefühl: Wie soll man all die Mails, Termine und Aufgaben bewältigen?
Dass der Wiedereinstieg nach den Ferien schwerfallen kann, ist nicht ungewöhnlich. Müdigkeit, Gereiztheit, Konzentrationsprobleme oder fehlende Motivation können auftreten. Von einem «Post-Holiday-Syndrom» wird zwar häufig gesprochen, es handelt sich dabei aber nicht um eine klar definierte medizinische Diagnose.
Viel wichtiger ist deshalb die Frage: Wie gelingt der Wechsel von Erholung zurück zu Arbeit, ohne direkt wieder im Stress zu landen?
Schalte in den Ferien wirklich ab
Der erste Schritt beginnt eigentlich schon vor der Abreise. Wer während der Ferien ständig berufliche E-Mails liest oder Anrufe entgegennimmt, bleibt gedanklich im Arbeitsmodus. Die Erholung fällt entsprechend schwerer. Wenn möglich, sollte man deshalb vor den Ferien klar regeln, wer die wichtigsten Aufgaben übernimmt. Eine Abwesenheitsmeldung informiert zudem darüber, wann man wieder erreichbar ist.
Das bedeutet auch: Nicht jede berufliche Nachricht muss während der Ferien kontrolliert werden. Wer sich bewusst ausklinkt, macht den späteren Wiedereinstieg nicht schwieriger, sondern schafft erst die Voraussetzung dafür, erholt zurückzukehren.
Plane einen Puffer-Tag ein
Besonders unangenehm ist der Wechsel, wenn man am Sonntagabend aus den Ferien zurückkommt und am Montagmorgen bereits wieder im Büro sitzen muss. Wenn es sich einrichten lässt, ist ein zusätzlicher Tag zu Hause deshalb Gold wert. Koffer auspacken, Wäsche waschen, einkaufen, ausschlafen und sich wieder an den normalen Schlafrhythmus gewöhnen: Ein solcher Puffer nimmt Druck aus dem ersten Arbeitstag.
Auch bei längeren Reisen kann es helfen, nicht bis zur letzten Minute zu planen. So bleibt etwas Zeit, um wieder im Alltag anzukommen.
Starte nicht mit Vollgas
Der erste Arbeitstag muss nicht zum Aufhol-Marathon werden. Wer zwei Wochen abwesend war, findet nach der Rückkehr schnell einen übervollen Posteingang vor. Die Versuchung ist gross, jede Mail sofort zu beantworten und sämtliche liegengebliebenen Aufgaben gleichzeitig anzugehen. Besser ist eine kurze Bestandsaufnahme: Was ist wirklich dringend? Was kann warten und was muss ich sofort erledigen?
Ein Blick in den Kalender und auf die wichtigsten Projekte hilft, Prioritäten zu setzen. Wer am ersten Tag versucht, alles gleichzeitig abzuarbeiten, produziert vor allem eines: zusätzlichen Stress.
Lass den Ferienmodus langsam ausklingen
Auch der Körper braucht Zeit, um wieder in seinen gewohnten Rhythmus zu finden. Späte Abende, langes Ausschlafen oder unregelmässige Mahlzeiten gehören für viele zu den Ferien. Zurück im Alltag müssen sich Schlaf- und Essenszeiten wieder einpendeln. Dabei hilft es, bereits in den letzten Ferientagen etwas früher aufzustehen und abends wieder zu einer normalen Zeit ins Bett zu gehen. Tageslicht und Bewegung können zusätzlich dabei helfen, den Tag-Nacht-Rhythmus zu stabilisieren.
Und auch wenn die Ferienküche üppiger ausgefallen ist: Eine radikale Diät nach der Rückkehr ist nicht nötig.
Kein Ferien-Detox nötig
Nach Restaurantbesuchen, Glace und Apéro kommt bei manchen das schlechte Gewissen. Dann soll plötzlich eine strenge Diät die Ferien-Sünden «ausgleichen». Davon ist wenig zu halten. Besser ist es, einfach wieder zu einem normalen Essrhythmus zurückzukehren. Regelmässige Mahlzeiten, genügend Flüssigkeit und eine ausgewogene Ernährung reichen völlig aus.
Dasselbe gilt für Sport. Wer während der Ferien weniger trainiert hat, muss nicht gleich ein besonders hartes Work-out absolvieren. Ein Spaziergang, eine Velofahrt oder eine moderate Trainingseinheit sind ein guter Anfang.
Nimm etwas Feriengefühl mit
Der Gedanke «Jetzt ist alles wieder vorbei» kann die Rückkehr zusätzlich vermiesen. Dabei muss mit dem ersten Arbeitstag nicht alles verschwinden, was die Ferien angenehm gemacht hat. Vielleicht bleibt ein Spaziergang am Abend, ein Essen mit Freunden, ein Ausflug am Wochenende oder einfach die Gewohnheit, zwischendurch bewusst eine Pause zu machen.
Die Ferien müssen auch nicht als einzige Erholungsphase des Jahres funktionieren. Wer erst nach Monaten wieder richtig abschaltet, hat entsprechend viel aufzuholen. Kleine Pausen und freie Tage über das Jahr verteilt können helfen, dass die nächste Auszeit nicht wie eine Notfall-Reparatur wirkt.
Nimm dir für die erste Woche nicht zu viel vor
Die Rückkehr fällt leichter, wenn nicht gleich am ersten Tag alle grossen Projekte abgeschlossen werden müssen. Gerade nach längerer Abwesenheit lohnt es sich, realistisch zu planen, denn ein paar erreichbare Ziele für die erste Woche können mehr bringen als eine ellenlange To-do-Liste. Gleichzeitig darf man akzeptieren, dass die volle Leistungsfähigkeit nicht zwingend nach einer Stunde wieder da ist.
Und falls die Erschöpfung, Schlafprobleme oder Niedergeschlagenheit nicht nur ein paar Tage dauern, sondern über längere Zeit anhalten, sollte man genauer hinschauen. Dann ist es möglicherweise nicht einfach die Rückkehr aus den Ferien, sondern eine andere Belastung, die Aufmerksamkeit verdient.
Der beste Wiedereinstieg ist deshalb kein Sprint. Wer sich Zeit zum Ankommen lässt, Prioritäten setzt und die Erholung nicht komplett auf die nächsten Ferien verschiebt, nimmt deutlich weniger Stress mit zurück ins Büro.
Dieser Artikel erschien erstmals auf Onet.pl.