Geschwisterstreit lösen
«Die erste Aufmerksamkeit sollte immer dem älteren Kind gehören»

Wenn sich zwei Geschwisterkinder streiten, trösten die meisten Eltern jenes Kind, das grad aufs Dach bekommen hat – also oft das kleinere. Falsch, findet eine erfahrene Psychologin. Sie erklärt und gibt Tipps, wie wir Rivalität unter Geschwisterkindern besser begegnen.
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Ein Moment, den man nicht unterschätzen sollte: Zuerst das ältere Kind zu begrüssen, wirkt sich positiv auf die Geschwisterbeziehung aus.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Psychologin: Stärkung des Erstgeborenen mindert Geschwisterkonflikte und Aggressionen
  • Ältere Kinder oft aggressiv, darunter liegt meist Trauer, sagt Expertin
  • Sechs präventive Tipps: Mehr Verantwortung, Aufmerksamkeit und Schutz des Persönlichkeitsraums
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Schweizer Illustrierte

Das Problem daran, wenn wir eben nur jenes Kind trösten, das gerade Saures bekommen hat: Es nährt die Eifersucht des anderen Kindes exponentiell. Und: Es hat mit seinem «Fehlverhalten» keine Aufmerksamkeit erreicht, oder zumindest nicht die gewollte, und kann sich entsprechend nicht beruhigen. «Ist ein Kind traurig, bieten wir immer sofort Trost und Hilfe an», erklärt die Psychologin und Psychotherapeutin Csilla Kenessey Landös.

Verhält sich ein Kind jedoch aggressiv, reagieren wir meistens eher harsch. Bemerkenswert: «In den meisten Fällen liegt unter Aggression Trauer», erklärt die Psychologin und Psychotherapeutin. Und in den allermeisten Fällen von Geschwisterstreit ist es ein älteres Kind, das sich aggressiv verhält gegenüber einem jüngeren Bruder oder einer jüngeren Schwester. «Um dem zuvorzukommen, gilt es darum, präventiv die Rolle des Erstgeborenen zu stärken».

Wir präsentieren sechs präventive Faktoren, wie Eltern die Rolle des Erstgeborenen stärken können.

Die erste Aufmerksamkeit immer dem grösseren Kind geben

Die erste Aufmerksamkeit immer dem grösseren Kind geben. Wenn das grössere Kind in die Schule gehe und das kleinere mit Mama oder Papa oder sonst einer Betreuungsperson daheim sei, habe es ja deren ungeteilte Aufmerksamkeit. Also könne man dem kleineren Kind auch mal sagen, «du hast jetzt Pause», wenn das Grössere heimkommt, mit der Aussicht, dass das Kleinere ja später wieder seine Zeit bekomme. «Das jüngere Kind ist dann vielleicht frustriert, aber das darf man ihm zutrauen», sagt Csilla Kenessey Landös. «Und wichtig: Auch das Umfeld sollte so vorgehen, zum Beispiel wenn Gäste kommen: zuerst das erstgeborene Kind begrüssen, erst danach die jüngeren Geschwister.»

Das abwesende Kind immer miteinbeziehen

Meistens geniesst ja das kleinere Kind mehr Solozeit mit Mama oder Papa, weil das grössere irgendwann in den Kindergarten kommt. «Dann könnten sie auch mal zusammen etwas für das grosse Kind bauen, um zu zeigen: Wer nicht anwesend ist, ist nicht abwesend.»

Den Persönlichkeitsraum des älteren Kindes schützen

«Zum Beispiel, wenn das grössere Geschwisterkind etwas gebaut hat, sein Werk vor dem kleineren Kind schützen. Oder wenn das Kleinere die Spielsachen des Grösseren möchte, sobald dieses im Kindergarten oder in der Schule ist, sagen: ‹Da müssen wir zuerst fragen.› Oder sein ewiges Nachahmen im Zaum halten, etwa wenn es am Tisch die Aufmerksamkeit auf sich zieht, obwohl das grössere Kind gerade das Thema eingebracht hat», sagt die Expertin «Sonst kriegt dieses kaum Gelegenheit, um seine Individualität zu leben.»

Mitanpacken macht stolz: Einem Kind Verantwortung zu übergeben, stärkt sein Selbstbewusstsein.
Foto: Getty Images/Westend61

Dem älteren Geschwisterkind altersgerecht Verantwortung übergeben

«Und dabei gerne betonen: ‹Du kannst das, die kleineren Geschwister noch nicht.› Je nach Alter kann man sie zum Beispiel den Tisch decken oder im Coop die Butter besorgen lassen», empfiehlt die Fachfrau. Das zeige dem Erstgeborenen: «Ich bin ein wichtiger Teil der Familie.» Weitere Tipps für altersgerechte Ämtli gibts hier. Solozeit mit Mama oder Papa ermöglichen «Und zwar täglich», betont die Expertin. Eltern bräuchten auch mal Feierabend, trotzdem sollten sie abends dem älteren Kind bewusst eine Viertelstunde mehr Zeit geben und sich dann emotional mit ihm verbinden, und dies so kommunizieren: «Du bist das älteste Kind, darum darfst du eine Viertelstunde später ins Bett

Den Entwicklungsstand des Erstgeborenen nie als Nachteil interpretieren

Gemeint sind solche Sätze: «Du bist doch schon gross, du solltest das schon können.»

Dem älteren Kind seine Besonderheit aufzeigen

«Durch das Erstgeborene wurde aus einem Mann ein Vater, aus einer Frau eine Mutter. Die neue Rolle entsteht nur durch das Erstgeborene, es macht den grössten Unterschied für das Elternpaar, den Wechsel aus der Diade in die Triade», erklärt Csilla Kenessey Landös. «Das kann man ihm zum Beispiel anhand von Fotos aus dieser Zeit zeigen.»

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