Ein paar Sticker auf der Heckscheibe, ein Spruch auf der Stossstange oder die Namen der Kinder am Kofferraum: Für viele Autofahrerinnen und Autofahrer sind Aufkleber eine Möglichkeit, das eigene Fahrzeug persönlicher zu gestalten. Doch nicht jedes Motiv ist so harmlos, wie es auf den ersten Blick scheint.
Denn manche Aufkleber geben Hinweise darauf, wer zur Familie gehört, wo die Kinder ihre Freizeit verbringen oder welche Interessen die Besitzer haben. Das kann unerwünschte Aufmerksamkeit auf sich ziehen. Fachleute empfehlen deshalb, vor dem Aufkleben kurz darüber nachzudenken, welche Informationen man damit öffentlich macht.
Was Familienaufkleber über dich verraten können
Besonders beliebt sind Sticker, die Familienmitglieder als kleine Figuren darstellen. Oft zeigen sie, wie viele Kinder im Haushalt leben, manchmal ergänzt durch Namen oder weitere persönliche Details.
Was für die Besitzer eine liebevolle Dekoration ist, kann Fremden Hinweise auf die familiäre Situation geben. Sind auf dem Auto beispielsweise die Namen der Kinder und die Logos ihrer Sportvereine zu sehen, lassen sich daraus unter Umständen Rückschlüsse auf deren Freizeitaktivitäten ziehen.
Auch Hinweise auf Schulen, Kindergärten oder regelmässige Aktivitäten können unnötige Informationen preisgeben. Das bedeutet nicht, dass solche Aufkleber automatisch ein Sicherheitsrisiko darstellen. Es lohnt sich aber, persönliche Angaben nicht ohne Not öffentlich sichtbar zu machen.
Verraten Ferienaufkleber, wann du nicht zu Hause bist?
Auch Aufkleber mit Motiven aus bestimmten Ferienregionen oder von beliebten Reisezielen können mehr über ihre Besitzer erzählen, als diese beabsichtigen. Wer seine Lieblingsdestination auf dem Auto verewigt, gibt damit zwar nicht automatisch seine nächsten Reisepläne preis. In Kombination mit weiteren Informationen können solche Hinweise jedoch ein Bild der persönlichen Gewohnheiten ergeben.
Ähnliches gilt für Sticker, die den Arbeitgeber, den Beruf oder die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Organisation erkennen lassen. Je nach Motiv können Aussenstehende daraus Vermutungen über den Alltag oder mögliche Wertgegenstände im Fahrzeug ableiten.
Die Kriminalprävention empfiehlt deshalb grundsätzlich, mit persönlichen Informationen zurückhaltend umzugehen. Entscheidend ist dabei das Gesamtbild: Ein einzelner Aufkleber verrät meist wenig, mehrere Hinweise können zusammen aber aussagekräftiger werden.
Wenn aus einem Sticker ein Streit entsteht
Nicht nur die Privatsphäre kann eine Rolle spielen. Aufkleber mit politischen, religiösen oder anderen polarisierenden Botschaften können bei manchen Menschen starke Reaktionen auslösen.
Das kann zu unangenehmen Diskussionen, Provokationen oder im ungünstigsten Fall zu Konflikten im Strassenverkehr führen. Wer sein Auto mit einer persönlichen Botschaft versehen möchte, sollte sich deshalb überlegen, ob er diese Diskussionen tatsächlich provozieren will.
Das heisst nicht, dass politische oder religiöse Aufkleber grundsätzlich gefährlich sind. Es zeigt vielmehr, dass ein Auto im öffentlichen Raum sichtbar ist und persönliche Botschaften dort auf ein sehr unterschiedliches Publikum treffen.
Ist die Gefahr wirklich so gross?
Trotz aller Vorsicht gilt: Es gibt keinen Grund zur Panik. Ein Aufkleber macht ein Auto nicht automatisch zum Ziel von Einbrechern oder Dieben. Auch lässt sich aus einem Ferienmotiv allein nicht ableiten, wann jemand verreist.
Sinnvoller ist es, Aufkleber als einen möglichen Baustein beim Schutz der eigenen Privatsphäre zu betrachten. Wer persönliche Angaben auf dem Auto vermeidet, reduziert die Menge an Informationen, die Fremde beiläufig sammeln können.
Noch wichtiger ist es, keine weiteren sensiblen Informationen öffentlich zu teilen und bei der Veröffentlichung von Ferienplänen in sozialen Medien vorsichtig zu sein.
Auch der Autolack kann leiden
Neben möglichen Datenschutz- und Sicherheitsfragen gibt es einen ganz praktischen Grund, Aufkleber mit Bedacht anzubringen: ihre Entfernung.
Je nach Qualität des Aufklebers, Zustand des Lacks und Dauer der Sonneneinstrahlung kann sich das Material mit der Zeit verhärten. Klebstoffreste lassen sich dann unter Umständen nur mühsam entfernen. Bei unsachgemässer Behandlung können Kratzer oder Lackschäden entstehen.
Wer einen Sticker entfernen möchte, sollte deshalb auf geeignete Hilfsmittel und Reinigungsmittel achten. Scharfe Gegenstände oder aggressive Lösungsmittel können die Oberfläche beschädigen.
Die einfache Faustregel: Wer sein Auto individuell gestalten möchte, muss nicht auf Aufkleber verzichten. Neutrale Motive sind aber die bessere Wahl, wenn es darum geht, persönliche Informationen nicht unnötig preiszugeben. Denn was für einen selbst nur eine kleine Dekoration ist, kann anderen einen Einblick in den eigenen Alltag geben.
Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Das serbische Newsportal gehört wie Blick zu Ringier.