Ein Mann mit einer jüngeren Frau? Gesellschaftlich lange völlig normal. Eine Frau mit einem deutlich jüngeren Mann? Das sorgte dagegen häufiger für Kommentare und hochgezogene Augenbrauen.
Dieses Bild verändert sich. Altersunterschiede werden heute vielfach entspannter gesehen – und Frauen lassen sich bei der Partnerwahl offenbar weniger von klassischen Vorstellungen leiten.
Das Alter entscheidet nicht allein
Wie wichtig ist das Alter des Gegenübers tatsächlich für die Anziehung? Dieser Frage gingen Forschende in einer 2025 veröffentlichten Studie im Fachjournal «Proceedings of the National Academy of Sciences» nach. Dafür werteten sie Daten von 6262 Menschen aus, die an Blind Dates teilgenommen hatten. Insgesamt flossen 9084 Bewertungen von potenziellen Partnerinnen und Partnern in die Untersuchung ein. Die Teilnehmenden waren zwischen 22 und 85 Jahre alt.
Das überraschende Ergebnis: Nach den Blind Dates fühlten sich Frauen und Männer im Durchschnitt leicht stärker zu jüngeren Partnern hingezogen. Einen Unterschied zwischen den Geschlechtern fanden die Forschenden dabei nicht. Das stellt ein verbreitetes Klischee infrage: dass Männer grundsätzlich jüngere Frauen bevorzugen, während Frauen eher ältere Männer attraktiv finden.
Was bei der Partnerwahl wirklich zählt
Die Studie sagt allerdings nicht, dass Frauen generell jüngere Männer bevorzugen. Sie untersuchte vielmehr die anfängliche romantische Anziehung nach Blind Dates. Auch die von den Teilnehmenden selbst angegebenen Altersgrenzen spielten bei der tatsächlichen Bewertung der Dates keine entscheidende Rolle. Die Forschenden fanden zudem keinen wesentlichen Unterschied zwischen Männern und Frauen. Das Alter allein scheint bei der ersten Begegnung also weniger eindeutig zu sein, als es gesellschaftliche Vorstellungen vermuten lassen.
Zehn Jahre Altersunterschied sind nicht immer gleich
Ob ein Altersunterschied von zehn Jahren gross wirkt, hängt zudem stark vom Lebensabschnitt ab: Eine Beziehung zwischen einer 21-Jährigen und einem 31-Jährigen kann andere Fragen aufwerfen als eine Partnerschaft zwischen einer 41-Jährigen und einem 51-Jährigen. Mit zunehmendem Alter werden häufig gemeinsame Lebensziele, Interessen, Alltag und Zukunftspläne wichtiger als die reine Zahl auf dem Papier.
Für zwei Menschen, die ähnliche Vorstellungen vom Leben haben, kann der Altersunterschied deshalb nebensächlich sein.
Alte Rollenbilder verlieren an Kraft
Dass ältere Frauen mit jüngeren Männern heute sichtbarer sind, hat auch mit veränderten gesellschaftlichen Rollen zu tun. Frauen sind wirtschaftlich und sozial unabhängiger als frühere Generationen. Eine Partnerschaft muss deshalb weniger einem klassischen Modell folgen, bei dem der Mann automatisch älter und finanziell überlegen ist.
Gleichzeitig werden Frauen heute stärker dafür sensibilisiert, ihre Partnerwahl nach den eigenen Vorstellungen auszurichten – und nicht danach, was gesellschaftlich als «passend» gilt. Das bedeutet allerdings nicht, dass jüngere Männer für Frauen plötzlich generell attraktiver wären. Vielmehr scheint die alte Vorstellung, welches Alter ein Partner «haben sollte», an Bedeutung zu verlieren.
Entscheidend ist nicht die Zahl im Pass
Am Ende bleibt ohnehin eine einfache Frage: Passen zwei Menschen zusammen?
Alter kann dabei eine Rolle spielen – etwa wenn es um Kinderwunsch, Lebensplanung oder unterschiedliche Lebensphasen geht. Es ist aber nur eines von vielen Kriterien. Die aktuelle Forschung liefert zumindest einen Hinweis darauf, dass die Realität bei der Partnerwahl komplexer ist als das klassische Bild vom älteren Mann und der jüngeren Frau. Vielleicht ist die wichtigste Veränderung deshalb nicht, dass Frauen plötzlich jüngere Männer wollen. Sondern dass die Zahl im Pass immer weniger darüber entscheidet, wer zueinanderpasst.
Dieser Artikel erschien erstmals auf Onet.pl.