Darum gehts
- Ältere Matratzen können PBDE und PFAS enthalten, potenziell gesundheitsschädliche Chemikalien
- Experten sehen das Krebsrisiko durch Matratzen als gering im Vergleich
- Wichtiger für Prävention: Nicht rauchen, Alkohol reduzieren, gesunde Ernährung
Wir verbringen jede Nacht Stunden auf unserer Matratze. Was die wenigsten wissen: In bestimmten Modellen können Chemikalien stecken, die gesundheitlich umstritten sind. Besonders im Fokus stehen PBDE und PFAS. Beide Stoffgruppen werden beziehungsweise wurden in verschiedenen Produkten eingesetzt, unter anderem wegen ihrer technischen Eigenschaften.
Doch wie gefährlich ist das für Menschen, die Nacht für Nacht darauf schlafen?
Diese Stoffe können in Matratzen stecken
Vor allem ältere Matratzen aus Memory-Schaum können polybromierte Diphenylether (PBDE) enthalten. Sie wurden unter anderem als Flammschutzmittel verwendet.
Der Hämatologe und Onkologe Mikkael Sekeres vom University of Miami Health System warnt, dass PBDE auch das Hormonsystem beeinflussen können. Hormone wiederum steuern zahlreiche Prozesse im Körper, etwa das Wachstum, die Entwicklung und den Energiehaushalt.
Daneben können in Matratzen auch PFAS vorkommen. Die sogenannten «Ewigkeitschemikalien» sind besonders langlebig und bauen sich in der Umwelt kaum ab. Sie wurden unter anderem eingesetzt, um Materialien wasserabweisender zu machen.
Erhöht die Matratze tatsächlich das Krebsrisiko?
Hier lohnt sich ein genauer Blick: Aus der Tatsache, dass bestimmte Chemikalien gesundheitlich problematisch sein können, lässt sich nicht automatisch ableiten, dass eine Matratze Krebs verursacht. Entscheidend sind unter anderem die Konzentration, die konkrete Substanz und die Dauer der Belastung.
Auch Sekeres betont: Das Risiko durch eine Matratze sei vergleichsweise gering, wenn man es mit anderen bekannten Krebsrisiken vergleicht. Wer sein persönliches Krebsrisiko senken möchte, sollte deshalb nicht zuerst die Matratze austauschen, sondern erstmal andere Ansätze verfolgen.
Diese Dinge sind viel wichtiger
Laut dem Onkologen haben andere Faktoren einen deutlich grösseren Einfluss auf die Krebsprävention. Dazu gehören insbesondere:
- Nicht rauchen.
- Alkoholkonsum reduzieren.
- Ausgewogen ernähren.
- Auf einen insgesamt gesunden Lebensstil achten.
Eine alte Matratze allein ist also kein Grund zur Panik.
Was beim nächsten Matratzenkauf wichtig ist
Wer ohnehin eine neue Matratze braucht, kann sich genauer anschauen, aus welchen Materialien sie besteht und ob sie auf Schadstoffe geprüft wurde. Eine sofortige Entsorgung der alten Matratze ist allein wegen eines möglichen Chemikaliengehalts jedoch nicht zwingend nötig.
Die wichtigste Botschaft des Experten lautet deshalb: Nicht in Panik geraten, sondern auf die bekannten und beeinflussbaren Krebsrisiken konzentrieren. Denn die spektakuläre Frage «Macht meine Matratze Krebs?» lässt sich nicht einfach mit Ja beantworten. Viel entscheidender ist, was wir jeden Tag tun, wenn wir nicht gerade schlafen.
Dieser Artikel erschien erstmals auf Onet Kobieta, der Frauen- und Lifestyle-Rubrik des polnischen Nachrichtenportals Onet, das zur Ringier-Gruppe gehört.