Neue Forschung
Graue Haare sind nicht nur ein Zeichen des Alters

Das erste graue Haar wird oft als Zeichen des Alterns gesehen. Doch neue Erkenntnisse zeigen: Hinter dem Ergrauen steckt mehr als der Lauf der Zeit. Der Körper könnte damit sogar beschädigte Zellen schützen und ein grösseres Risiko verhindern.
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Graue Haare sind nicht nur ein Alterszeichen! Der Körper nutzt das Ergrauen, um beschädigte Zellen zu schützen.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Graue Haare entstehen durch Zellschutz, nicht nur Alter, sagen Forschende
  • Freie Radikale schädigen Zellen, Ergrauen schützt vor unkontrolliertem Zellwachstum
  • Stress, Gene und Umwelt beeinflussen Ergrauen, erste graue Haare ab 30 möglich
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Viele Menschen erschrecken beim ersten grauen Haar im Spiegel. Es gilt als sichtbares Zeichen dafür, dass die Jugend vorbei ist und das Alter beginnt. Doch die Wissenschaft zeichnet inzwischen ein deutlich komplexeres Bild: Graue Haare könnten nicht nur mit dem Alter zusammenhängen – sondern auch eine Schutzreaktion des Körpers sein.

Lange Zeit ging man davon aus, dass die für die Haarfarbe verantwortlichen Zellen im Laufe des Lebens einfach erschöpfen und absterben. Neue Forschungen zeigen jedoch: Der Prozess des Ergrauens ist offenbar viel gezielter gesteuert. Der Körper könnte beschädigte Zellen bewusst ausschalten, um grössere Gefahren zu verhindern.

Die «Farb-Fabrik» im Haarfollikel

Damit Haare ihre Farbe behalten, braucht es spezielle Zellen: sogenannte Melanozyten. Sie produzieren den Farbstoff Melanin, der den Haaren ihre natürliche Farbe gibt. Im Haarfollikel sitzen dafür sogenannte melanozytäre Stammzellen. Sie sorgen immer wieder für neue pigmentbildende Zellen – ähnlich wie eine kleine Farb-Fabrik. Doch mit der Zeit kann dieses System gestört werden. Forschende untersuchten lange, ob dafür vor allem das Immunsystem, normale Abnutzung oder andere Alterungsprozesse verantwortlich sind.

Heute weiss man: Der Haarfollikel ist ein sehr dynamisches System, das ständig auf Belastungen reagieren muss.

Ein graues Haar ist eigentlich nicht wirklich grau. Das Haar selbst ist durchsichtig und wirkt durch die Lichtreflexion grau oder weiss.
Foto: Getty Images

Graue Haare als Schutz vor Krebs?

Eine wichtige Rolle spielen sogenannte freie Radikale. Diese aggressiven Sauerstoffverbindungen können die DNA von Zellen beschädigen. Wenn solche Schäden in den Stammzellen entstehen, steht der Körper vor einem Problem: Er muss entscheiden, ob er die Zellen weiterarbeiten lässt oder lieber ausschaltet. Eine mögliche Schutzstrategie: Die beschädigten Zellen werden in einen Zustand der sogenannten Seneszenz versetzt. Dabei verlieren sie ihre Fähigkeit, sich weiter zu teilen. Das verhindert, dass fehlerhafte Zellen unkontrolliert wachsen – ein Prozess, der im schlimmsten Fall zur Entstehung von Krebs beitragen könnte.

Der Preis dafür: Die Haarwurzel produziert keine pigmentierten Haare mehr. Das Ergebnis sind graue oder weisse Haare. Aus biologischer Sicht könnte Ergrauen deshalb auch ein Zeichen dafür sein, dass der Körper eine Schutzmassnahme aktiviert hat.

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Warum Haare überhaupt grau erscheinen

Die Haarfarbe entsteht durch verschiedene Arten von Melanin:

Eumelanin sorgt für braune und schwarze Farbtöne.
Phäomelanin erzeugt gelbliche und rötliche Nuancen.

Interessant: Ein graues Haar ist eigentlich nicht wirklich grau. Das Haar selbst ist durchsichtig und wirkt durch die Lichtreflexion grau oder weiss – vor allem im Kontrast zu weiterhin pigmentierten Haaren.

Stress kann den Prozess beschleunigen

Dass Stress sichtbar Spuren hinterlassen kann, ist mehr als ein Sprichwort. Forschende der Harvard University fanden Hinweise darauf, dass starker Stress die Aktivität des sympathischen Nervensystems beeinflussen kann. Dabei wird unter anderem Noradrenalin ausgeschüttet. Dieser Botenstoff kann dazu führen, dass pigmentbildende Stammzellen den Haarfollikel verlassen und dauerhaft erschöpft werden.

Die Folge: Neue Haare wachsen ohne Farbe nach.

Stress allein ist aber nicht der einzige Faktor. Auch genetische Veranlagung, Alter, Ernährung und Umweltbelastungen beeinflussen, wann und wie stark Haare ergrauen.

Graue Haare als «Gesundheitsanzeiger»?

Wissenschaftler sehen graue Haare zunehmend nicht nur als kosmetisches Thema. Sie könnten Hinweise darauf geben, wie der Körper mit Belastungen umgeht. Statt graue Haare ausschliesslich als Makel oder Zeichen des Alterns zu betrachten, lohnt sich deshalb ein anderer Blickwinkel: Sie könnten auch zeigen, dass der Körper aktiv versucht, beschädigte Zellen unter Kontrolle zu halten. 

Das erste graue Haar ist damit vielleicht weniger ein Zeichen des Verfalls – sondern ein sichtbares Ergebnis komplexer Schutzmechanismen im Körper.

Dieser Artikel erschien erstmals auf Onet Kobieta, der Frauen- und Lifestyle-Rubrik des polnischen Nachrichtenportals Onet, das zur Ringier-Gruppe gehört.

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