Unterschätzte Gefahr durch Nahrungsmittelergänzung
Fast jeder Dritte schluckt unnötige Präparate

Da eine Pille, dort noch ein Pülverchen. Viele Schweizer nutzen Nahrungsergänzungsmittel. Eine Studie sollte ihnen nun zu denken geben.
Publiziert: 05.10.2023 um 00:06 Uhr
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Aktualisiert: 15.01.2024 um 09:29 Uhr
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Sind meist überflüssig – und zu viel davon ist ungesund: Nahrungsergänzungsmittel.
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Otto Hostettler
Beobachter

Wissenschaftlich ist der Fall klar: Eine ausgewogene Ernährung reicht im Normalfall aus, um den Bedarf an Nährstoffen im Körper zu decken. Nahrungsergänzungsmittel werden nur in bestimmten Fällen empfohlen, etwa Folsäure in der frühen Schwangerschaft. Trotzdem schlucken 30 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer regelmässig Vitamine, Mineralstoffe, Omega-3-Fettsäuren oder Probiotika. Zu diesem Schluss kommt eine Studie des Marktforschungsinstituts Demoscope im Auftrag des Bundesamts für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV).

An der Umfrage nahmen 1282 Erwachsene aus allen Landesteilen im Alter zwischen 18 und 75 Jahren teil. 30 Prozent gaben an, in den letzten sieben Tagen ein Nahrungsergänzungsmittel eingenommen zu haben. Zwei Drittel davon konsumierten Vitamin- und/oder Mineralstoffpräparate, knapp 10 Prozent Omega-3-Fettsäuren. Fast gleich viele Personen greifen auf Pflanzen- oder Algenextrakte (neun Prozent) oder auf Präparate mit Proteinen und Aminosäuren (7,7 Prozent) zurück. Nur drei Prozent der Befragten gaben an, Probiotika (Bakterien, Hefe) einzunehmen.

Risiko Überdosierung

Gemäss der Umfrage werden nicht alle Vitamine oder Mineralstoffe von den Befragten gleich häufig eingenommen. Es gibt jedoch Hinweise, dass ein kleiner Teil der Bevölkerung Mikronährstoffe in übermässiger Menge einnimmt. «Ein Risiko für eine Überdosierung wurde vor allem bei Vitamin D und Magnesium beobachtet», heisst es in der Studie.

Ein übermässiger Konsum von Magnesium wirkt abführend und kann Magen-Darm-Beschwerden hervorrufen. Eine hohe Zufuhr an Vitamin D sei weitaus kritischer, hält die BLV-Studie fest. Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen oder Bauchschmerzen oder schwerwiegende Nierenbeschwerden können die Folge sein. Nicht berücksichtigt wurden in der Studie Mikronährstoffe, die aus natürlichen und angereicherten Lebensmitteln stammen. Das Gesundheitsrisiko durch übermässige Zufuhr wird in der Untersuchung nicht weiter thematisiert, weil eine vertieftere Befragung die Studie wesentlich komplexer gemacht hätte.

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Ebenfalls nicht untersucht wurde, ob in den Nahrungsergänzungsmitteln auch drinsteckt, was versprochen wird – ein Umstand, den der Beobachter schon früher monierte. Hinweise auf das fragwürdige Millionengeschäft gibt es aber durchaus: 2019 analysierte das deutsche Verbrauchermagazin «Öko-Test» 17 weitverbreitete Multivitaminpräparate. Von ihnen waren 15 «ungenügend» und zwei «mangelhaft». Die Vitamine und Mineralstoffe waren oft überdosiert, verglichen mit den staatlichen Empfehlungen für Höchstmengen. Hinzu kamen fehlende Warnhinweise und fragwürdige Versprechen zur Wirkung.

Deutliche Worte aus Deutschland

Die Studie des BLV kommt zum Schluss: «Gemäss den Schweizer Ernährungsempfehlungen reicht eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung aus, damit der Stoffwechsel richtig funktioniert, und Nahrungsergänzungsmittel sind nicht notwendig, ausser bei besonderen Bedürfnissen bestimmter Bevölkerungsgruppen.»

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Klarer sagt es das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung: «Nahrungsergänzungsmittel sind für gesunde Personen, die sich normal ernähren, in der Regel überflüssig. Bei ausgewogener Ernährung bekommt der Körper alle Nährstoffe, die er braucht. Auf der anderen Seite kann eine einseitige, unausgewogene Ernährungsweise nicht durch Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln ausgeglichen werden.»

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