Schlank dank Schlangen?
Forscher entdecken neuen Appetit-Killer

Schlangen-Molekül gegen Fettleibigkeit: Forschende entdeckten ein Molekül im Blut von Pythons, das den Appetit bei übergewichtigen Mäusen zügelt. Ohne Nebenwirkungen verloren sie in 28 Tagen 9 Prozent Gewicht.
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Eine Python kann bis 18 Monate ohne Nahrung auskommen, scheinbar ohne nennenswerte negative Auswirkungen. Verantwortlich dafür soll das Molekül pTOS sein.
Foto: Corbis via Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Forschende entdecken Python-Metaboliten, der bei Mäusen den Appetit reduziert
  • Molekül pTOS senkte Mäusegewicht in 28 Tagen um 9 Prozent
  • pTOS wirkt anders als GLP-1-Medikamente, ohne bekannte Nebenwirkungen
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Gina Grace Zurbrügg

Wer schon einmal eine Diät gemacht hat, weiss: Jedes Kilo ist ein Kampf. Wie grossartig wäre es da, wenn es doch einen Weg gäbe, leicht Gewicht zu verlieren. Ein Anfang ist die Abnehmspritze – die sogenannten GLP-1-Medikamente können aber leider auch Nebenwirkungen haben. Jetzt haben Wissenschaftler einen neuen vielversprechenden Ansatz gefunden. Und der hat etwas mit Schlangen zu tun. 

Pythons halten sich an eine äusserst strenge Diät. Zwar können sie eine ganze Antilope verdrücken – danach gibt es aber monatelang nichts mehr zu fressen.

Neue Erkenntnisse zu Stoffwechsel

Der Schlüssel zu diesem Stoffwechselvorgang ist laut den Forschern der Stanford University ein Molekül, das die Schlangen in sich tragen. Dieses könnte den Weg für eine neue Klasse von Medikamenten gegen Fettleibigkeit ebnen. Ihre Forschungsergebnisse wurden am Donnerstag in der Fachzeitschrift «Nature Metabolism» veröffentlicht.

So funktionierts: Den übergewichtigen Mäusen wurde der Python-Metabolit verabreicht, dessen Konzentration im Blut nach einer Mahlzeit ansteigt. Daraufhin verweigerten sie die Nahrungsaufnahme und verloren rasch an Gewicht. 

«Offensichtlich sind wir keine Schlangen», bemerkt Dr. Jonathan Long Professor für Pathologie an der Stanford University und Mitautor der Studie. Aber: «Vielleicht können wir durch die Untersuchung dieser Tiere Moleküle oder Stoffwechselwege identifizieren, die auch den menschlichen Stoffwechsel beeinflussen.»

Ein Jahr ohne Nahrung

Tigerpythons können über fünf Meter lang und fast 100 Kilogramm schwer werden. In freier Wildbahn fressen sie Beutetiere, die bis zu 100 Prozent ihres eigenen Körpergewichts ausmachen können.

In den Stunden, nachdem die Python ihre Beute verschlungen hat, dehnt sich ihr Herz um 25 Prozent aus und ihr Stoffwechsel beschleunigt sich um das 4000-fache, um die Verdauung zu unterstützen. Anschliessend können sie 12 bis 18 Monate ohne Nahrung auskommen, scheinbar ohne nennenswerte negative Auswirkungen.

Das Herz vergrössert sich massiv

Zunächst wollten die Forschenden herausfinden, welche Stoffwechselprodukte das rasche Wachstum des Pythonherzens nach einer Mahlzeit auslösen. Dazu untersuchten sie das Blut junger Tigerpythons mit einem Gewicht von etwa 1,5 bis 2,5 Kilogramm vor und nach einer Mahlzeit, die rund 25 Prozent ihres Körpergewichts ausmachte. Die Laborschlangen wurden 28 Tage lang nicht gefüttert, bevor die Untersuchung begann.

Die Forschenden entdeckten über 200 Moleküle, deren Konzentration im Blut der Python innerhalb weniger Stunden nach der Nahrungsaufnahme deutlich anstieg. Darunter ein Molekül, dessen Konzentration sich um mehr als das Tausendfache erhöhte. Dieses Molekül, pTOS genannt, wird von Darmbakterien der Schlange produziert und ist in geringen Mengen auch im menschlichen Urin nachweisbar.

Schlanke Labormäuse

Wurde pTOS jedoch Labormäusen verabreicht, zeigten sich keine erkennbaren Auswirkungen auf den Energieverbrauch oder die Organgrösse. «Was er regulierte, war der Appetit und das Verhalten der Mäuse in Bezug auf Nahrung», bemerkt. 

Übergewichtige Mäuse, die pTOS erhielten, frassen deutlich weniger als die Kontrollgruppe und verloren innerhalb von 28 Tagen rund neun Prozent ihres Körpergewichts.

Das Molekül scheint anders zu wirken als die Abnehmspritzen. Diese verlangsamen unter anderem die Magenentleerung, wodurch man sich länger satt fühlt. Sie werden aber auch mit Nebenwirkungen wie Übelkeit, Verstopfung und Magenschmerzen in Verbindung gebracht.

Weitere Forschung ist erforderlich

Stattdessen scheint pTOS auf eine Hirnregion einzuwirken, den Hypothalamus, der den Appetit reguliert. Professorin Leslie Leinwand, Biologin an der University of Colorado in Boulder und ebenfalls an der Studie beteiligt, erforscht seit 20 Jahren Pythons. Sie sagt, man habe «im Grunde einen Appetitzügler entdeckt, der bei Mäusen wirkt, ohne einige der Nebenwirkungen von GLP-1-Medikamenten».

Leinwand betont, dass es noch weitere Forschung braucht, bevor ein klinischer Einsatz möglich ist. Hoffnung hat sie aber: «Da pTOS natürlicherweise im menschlichen Körper vorkommt, ist davon auszugehen, dass es sicher ist.»

Dieser Artikel erschien zuerst auf blic.rs. Die serbische Newsplattform gehört wie Blick zu Ringier.  

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