Darum gehts
- Neue Euphoria-Staffel startet am 13. April 2026, Nate Jacobs ist zurück
- Nur ein Prozent der Menschen erfüllt Kriterien für Psychopathie
- Bis zu 18 Prozent haben verstärkte «dunkle Persönlichkeitszüge» laut Studien
Die neue Staffel von «Euphoria» startet am 13. April 2026 und mit ihr kehrt eine Figur zurück, die Fans gleichzeitig fasziniert und verstört: Nate Jacobs, gespielt von Jacob Elordi (28).
Er ist charmant, kontrollierend, manipulativ – der Inbegriff eines Serien-Badboys also. Er steht wie kaum eine andere Figur für toxische Beziehungen und Machtspiele. Auf Social Media wird er schnell als «Psychopath» bezeichnet. Doch stimmt das überhaupt? Und vor allem: Könnten solche Persönlichkeiten auch im echten Leben neben uns sitzen – im Büro, im Freundeskreis oder sogar in einer Beziehung?
Psychopathen – viel seltener als gedacht
Der Begriff «Psychopath» wird im Alltag schnell benutzt. In der Psychologie hat er jedoch eine klarere Bedeutung.
Klinisch wird Psychopathie häufig mit der sogenannten Psychopathy Checklist-Revised (PCL-R) gemessen. Studien zeigen: Nur etwa ein Prozent der Bevölkerung erfüllt tatsächlich die Kriterien einer ausgeprägten Psychopathie, in der Schweiz sind das rund 90'000 Personen.
Das bedeutet aber nicht, dass manipulative oder empathielose Verhaltensweisen selten sind. Viele Fachleute sprechen heute von einem Spektrum sogenannter «dunkler Persönlichkeitszüge». Dazu gehören etwa Narzissmus, Manipulation oder emotionale Kälte – Eigenschaften, die bei manchen Menschen stärker ausgeprägt sind als bei anderen.
Warum Serien wie «Euphoria» einen Nerv treffen
Gerade Serien wie «Euphoria» greifen Themen auf, die viele Menschen meinen, aus dem echten Leben zu kennen: Kontrolle, Lovebombing, emotionale Manipulation oder Machtspiele in Beziehungen.
Die Figur Nate Jacobs ist dabei kein klinisches Lehrbuchbeispiel für Psychopathie. Vielmehr steht er symbolisch für Verhaltensmuster, die auch ausserhalb der Serienwelt vorkommen können.
Sein Mix aus Selbstbewusstsein, Charme und emotionaler Unberechenbarkeit macht ihn zu einer Figur, die gleichzeitig anziehend und beunruhigend wirkt – genau das, was viele Zuschauer so fesselt.
Woran man problematische Muster erkennt
Die Psychologin Leanne ten Brinke von der University of British Columbia beschäftigt sich seit Jahren mit sogenannten «dunklen Persönlichkeitszügen». In einem Interview mit dem «Guardian» erklärt sie, dass solche Persönlichkeiten oft durch wiederkehrende Verhaltensmuster auffallen.
Typisch seien etwa mangelnde Empathie, manipulative Beziehungen, oberflächlicher Charme und fehlende Reue. Entscheidend sei dabei nicht ein einzelner Vorfall, sondern ein Muster, das sich über längere Zeit zeigt.
Wer solche Dynamiken bei Partnern, Kollegen oder Vorgesetzten bemerkt, sollte laut der Psychologin bewusst reagieren. Es gibt drei Strategien im Umgang mit Menschen mit psychopathischen Zügen.
Klare Grenzen setzen
Regeln und Erwartungen sollten deutlich kommuniziert werden – mündlich oder schriftlich. So wird es schwieriger, diese immer wieder zu verschieben.
Muster erkennen
Ein Streit oder eine unangenehme Situation kann jedem passieren. Entscheidend ist, ob das Verhalten immer wieder auftritt.
Unterstützung suchen
Gerade in Beziehungen oder am Arbeitsplatz kann professionelle Beratung helfen, Situationen besser einzuschätzen und Strategien zu entwickeln.
Dunkle Eigenschaften im Alltag
Forschende gehen davon aus, dass bis zu 18 Prozent der Bevölkerung erhöhte «dunkle Persönlichkeitszüge» aufweisen können. Das bedeutet nicht automatisch eine schwere Persönlichkeitsstörung, doch solche Eigenschaften können im Alltag zu Konflikten führen.
Gerade im Job oder in Beziehungen werden solche Dynamiken sichtbar: etwa wenn jemand regelmässig Grenzen überschreitet, Verantwortung auf andere schiebt oder gezielt Druck ausübt.
Experten raten deshalb, solche Muster früh zu erkennen und nicht zu hoffen, dass sie von allein verschwinden.
Charme kann täuschen
Serien wie «Euphoria» zeigen eindrücklich, wie Charme, Selbstbewusstsein und Dominanz Menschen in ihren Bann ziehen können. Doch genau diese Eigenschaften können auch problematisch werden, wenn sie mit Manipulation oder Empathielosigkeit verbunden sind.
Die wichtigste Erkenntnis: Nicht jeder schwierige Mensch ist ein Psychopath. Wer jedoch aufmerksam bleibt, Grenzen setzt und auf wiederkehrende Muster achtet, kann toxische Dynamiken früh erkennen – im Fernsehen genauso wie im echten Leben.