Hobbys, die dein Gehirn verjüngen
Warum dir Al Pacino helfen kann, länger zu leben

Rätsellösen ist Schnee von gestern. Wer sein Gedächtnis schützen will, sollte tanzen, Musik machen oder malen. Forschende aus Chile fanden heraus, dass kreative Menschen ein deutlich jüngeres Gehirn haben als der Rest.
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Al Pacino (85) beim Tango in «Der Duft der Frauen». Laut einer Studie wirkt der leidenschaftliche Paartanz wie ein Jungbrunnen für das Gehirn, da er Geist und Körper fordert.
Foto: imago/United Archives

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Kreative Hobbys verjüngen das Gehirn um bis zu sieben Jahre
  • Laut den Forschenden aktivieren kreative Tätigkeiten mehr Hirnareale als klassische Denksportaufgaben
  • Auch Bewegung und soziale Kontakte wirken schützend auf das Gehirn
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Jana GigerRedaktorin Service

In seiner Rolle als blinder Colonel Frank Slade führt Al Pacino (85) seine Tanzpartnerin sicher, konzentriert und präzise durch einen Tango. Die berühmte Szene stammt aus dem Film «Der Duft der Frauen», für den der Hollywoodstar 1993 einen Oscar gewann. Genau diese anspruchsvolle Mischung aus Bewegungsabläufen, Koordination und Planung könnte der Schlüssel dafür sein, dass Tango das Gehirn länger jung hält. 

Eine Studie, die im Oktober 2025 in der Fachzeitschrift «Nature Communications» veröffentlicht wurde, zeigt nämlich, dass sich kreative Hobbys positiv auf das Gehirn auswirken. Das Forschungsteam der Adolfo Ibáñez University in Santiago de Chile verwendete als Grundlage das «Brain Clocks»-Modell. Damit können Neurowissenschaftler berechnen, wie alt ein Gehirn im Vergleich zum tatsächlichen Lebensalter ist. Sie werteten dafür Hirndaten mithilfe von künstlicher Intelligenz aus.

Zuerst wurde das Modell mit Daten von vielen Menschen aus unterschiedlichen Altersgruppen trainiert. So lernte es, wie jüngere und ältere Gehirne vernetzt sind und arbeiten. Für ihre Studie nutzten die Forscher Daten von mehr als 1200 Menschen aus 13 Ländern, um das Modell besonders zuverlässig zu machen.

Tangotänzer schnitten am besten ab

Danach untersuchten sie 232 Personen mit kreativen Hobbys: Tangotänzerinnen, Musiker, Künstlerinnen und Gamer, die Strategiespiele spielten. Die Hirndaten dieser Personen verglichen sie mit denen von Menschen, die in Alter, Geschlecht, Bildungsstand und Herkunft übereinstimmten.

Sie fanden heraus, dass die kreativen Teilnehmer messbar jüngere Gehirne hatten als die Vergleichsgruppe. Den grössten Verjüngungseffekt sahen die Forschenden bei Menschen, die schon lange Tango tanzten. Ihre Gehirne waren im Durchschnitt sieben Jahre jünger als ihr tatsächliches Alter.

Bei Musikern war das Gehirn im Schnitt fünf Jahre jünger, bei Künstlerinnen sechs Jahre und bei Gamern vier Jahre. Je erfahrener und geübter jemand in seinem kreativen Hobby war, desto langsamer alterte das Gehirn.

Welche Hirnregion besonders profitiert

Den Wissenschaftlern zufolge wirken sich kreative Hobbys besonders stark auf die frontoparietale Region des Gehirns aus. Diese ist zentral für die Aufmerksamkeit, Entscheidungen und das Arbeitsgedächtnis. Letzteres ist für kognitive Aufgaben wie Lesen, Lernen und logisches Denken verantwortlich.

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Insgesamt waren die Gehirne der kreativen Personen besser vernetzt. Das heisst, sie funktionierten koordinierter und flexibler. Die Forschenden vermuten, dass kreative Tätigkeiten mehr Hirnareale gleichzeitig aktivieren als klassische Denksportaufgaben wie Rätsellösen. Sie betonen aber auch, dass es noch grösser angelegte Studien braucht, um die Ergebnisse zu festigen.

Nicht nur kreative Hobbys scheinen das Gehirn jung zu halten. Auch körperliche und soziale Aktivitäten haben eine schützende Wirkung auf das Denkorgan. Das zeigt eine Langzeitstudie der Universität Zürich, bei der über sieben Jahre hinweg Menschen über 65 Jahre untersucht wurden. 

Gehirn bleibt ein Leben lang trainierbar

Das Forschungsteam fokussierte sich dabei auf den sogenannten entorhinalen Kortex. Das ist eine Hirnregion, die für das Lernen und das Gedächtnis eine zentrale Rolle spielt und bei Alzheimer früh betroffen sein kann. Das Ergebnis: Personen, die körperlich aktiv waren und regelmässig soziale Kontakte pflegten, wiesen eine deutlich geringere Abnahme dieser Hirnstruktur auf.

Zudem zeigt die Studie, dass sich das Gehirn – ähnlich wie ein Muskel – ein Leben lang trainieren lässt. Bewegung, soziale Kontakte und geistige Herausforderungen wie das Lernen neuer Dinge zahlen sich also auch im Alter aus. Oder wie es Al Pacino im Film sagt: «Wenn du einen Fehler machst oder dich verhedderst, tanzt du einfach weiter.»

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