Labor-Trick
Forscher verjüngen Blutzellen von 80-Jährigem um über 60 Jahre

Blutzellen eines 80-Jährigen, molekular wieder fast jugendlich: Ein Team der Universität Bonn hat sie im Labor in Nerven-Stammzellen verwandelt. Für Alzheimer-Therapien ist es aber noch ein weiter Weg.
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Forscher aus Deutschland haben es geschafft, aus Vorläuferzellen Stammzellen zu generieren. Diese waren um Jahrzehnte verjüngt.
Foto: Getty Images/Science Photo Library RM

Darum gehts

  • Bonner Forschende verwandelten Blutzellen eines 80-Jährigen in junge Nerven-Stammzellen im Labor
  • Zwei Eiweiss-Faktoren programmierten Blut-Vorläufer im Labor direkt zu neuralen Stammzellen um
  • Die verjüngten Zellen sollen Alzheimer-Forschung ermöglichen, Therapien bleiben weiter offen
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Pauline BouillonRedaktorin News Desk

Forschern der Universität Bonn gelingt ein Coup im Labor: Sie haben Blutzellen eines 80-jährigen Menschen in junge Nerven-Stammzellen verwandelt. Die molekulare Uhr der Zellen sprang dabei um über 60 Jahre zurück – auf den Stand eines Teenagers. Die Entdeckung liefert neue Einblicke ins Altern und könnte der Alzheimer-Forschung ganz neue Wege öffnen. Die Studie wurde im Fachmagazin «Aging Cell» veröffentlicht.

Das Team um die Bonner Wissenschaftler nutzte Vorläuferzellen roter Blutkörperchen von Spendern verschiedenen Alters. Mit zwei Eiweiss-Faktoren, SOX2 und c-MYC, schalteten sie die Zellen direkt auf ein neues Programm um. Aus den Blut-Vorläufern wurden neurale Stammzellen – also Zellen, aus denen frische Nervenzellen entstehen können.

Das Verblüffende: Während dieser Umprogrammierung verschwanden fast alle molekularen Altersspuren. Die Forscher massen die chemischen Veränderungen am Erbgut. Diese sogenannte epigenetische Uhr zeigte bei den Zellen des 80-jährigen Spenders plötzlich das Profil eines unter 20-Jährigen. Der Prozess lief nicht über Nacht ab, sondern schrittweise über mehrere Wochen und liess sich mehr als 100 Tage lang nachverfolgen.

Aus den verjüngten Stammzellen züchten die Forscher frische Nervenzellen. Anhand dieser wollen sie erforschen, warum sich Nerven abbauen – und neue Wirkstoffe direkt testen.

Bis zu einer wirklichen Therapie am Menschen bleibt der Weg allerdings weit: Die Forscher haben lediglich Zellen in der Petrischale verjüngt – nicht den Patienten selbst. Ob sich aus der Entdeckung künftig wirksame Behandlungen gegen Alzheimer und andere Altersleiden entwickeln lassen, müssen Folgestudien zeigen.

Fortschritte in der Krebsforschung

Hoffnung auch bei Krebs: Johnson&Johnson-Chef Joaquin Duato (64) kündigte im Sommer an: «In den nächsten zehn Jahren wollen wir versuchen, Krebs zu eliminieren.» Die optimistische Botschaft lässt sich nicht zuletzt auf neue Therapien mit LED-Licht und dem körpereigenen Immunsystem zurückführen.

Auch in der Schweiz gelingt ein Durchbruch, und zwar bei der Behandlung von Spitalkeimen. Diese können für Patienten mit einem geschwächten Immunsystem schnell lebensbedrohlich werden. Forscher der ETH Zürich haben ein Gel entwickelt, das Keime aus Wunden fernhalten soll: Das Hydrogel wird auf Wunden oder Implantate aufgetragen und fängt dort Bakterien ein. Durch Nahinfrarotlicht wird ein Enzym aktiviert, das die gefangenen Keime abtötet. Danach schliesst sich das Gel wieder.

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