Darum gehts
- Amina B. aus dem Kanton Zürich leidet an Neurodermitis
- Die 29-Jährige hat einen langen Leidensweg hinter sich – geprägt von Schmerzen und Ekel
- Die Hauterkrankung zeigt sich an ihren Händen, Spritzen sollen nun Linderung bringen
Amina B.* (29) leidet. Seit sie ein Baby ist, gehören Juckreiz, Rötungen und trockene Haut zu ihrem Leben – sie hat Entzündungen mit offenen und blutigen Wunden. Die junge Frau aus dem Kanton Zürich hat eine stark ausgeprägte Form von Neurodermitis, eine der häufigsten Hautkrankheiten in der Schweiz.
Amina B. sagt zu Blick: «Mein Leidensweg war von Schmerzen, Ekel und gutgemeinten, aber unnötigen Ratschlägen geprägt.» Nun schöpft die 29-Jährige Hoffnung: Seit fünf Wochen darf sie ihr Leiden nach zahlreichen Fehlschlägen mit einer neuen Behandlung bekämpfen. Der Haken: «Pro Monatsspritze fallen rund 1000 Franken an», so Amina B.
Ständige Arztbesuche
Im Babyalter zeigt sich die Neurodermitis bei Amina B. lediglich hinter den Ohren, später dann an den Armbeugen. Bald versteht auch sie, dass sie anders ist als andere Kinder: «Ich musste ständig mit meinen Eltern zum Arzt, bekam Salben verschrieben. Meine Mutter cremte mich ein oder erinnerte mich jeweils daran.»
Auch Cortison – in Form von Cremen – kommt zum Einsatz. Nur: «Cortison ist zwar gut als akute Lösung – etwa gegen den Juckreiz, ändert langfristig aber nichts.»
Ab der Pubertät zeigt sich die Neurodermitis ganz stark an den Händen. Amina B. kann die Hautkrankheit nicht mehr verstecken. «Andere schauten fragend auf meine Hände oder sie ekelten sich vor mir.»
Dabei hatte Amina B. schon genug zu kämpfen: «Es gab Nächte, in denen ich nicht schlafen konnte», erinnert sie sich. «Wegen des Juckreizes habe ich mich blutig gekratzt.»
Einfluss auch auf ihren Beruf
Im Berufsleben merkt Amina B., dass sie die Gastronomie und das Eventmanagement liebt. Ihre Neurodermitis ist im Service und bei Reinigungsarbeiten aber immer wieder eine Herausforderung.
«Im direkten Gästekontakt sind sie eine Art Visitenkarte», so Amina B. «Deshalb entwickelte ich mich schon früh in Richtung Management und operative Koordination weiter.» So kann sie weiterhin arbeiten – ohne ständig im direkten Service eingesetzt zu sein.
Zahlreiche Behandlungen
Gleichzeitig testet Amina B. verschiedene Behandlungen gegen ihre Neurodermitis. Sie kann eine Lichttherapie starten. «Diese war jedoch enorm zeitintensiv, mein ganzes Leben drehte sich nur darum», sagt Amina B.
Auch eine neue Creme kann sie testen. Kostenpunkt: über 600 Franken. Doch auch die schlägt bei Amina B. nicht an. Diesen Sommer versucht sie es mit einem Immunsuppressivum. «Das Medikament hat mein Immunsystem gedämpft, geholfen hat es aber nicht. Meine Haut war noch gereizter als sonst», sagt Amina B.
Was sie deshalb am meisten hasst: «Wenn Menschen mir irgendwelche Cremen empfehlen, ohne wirklich zu wissen, was ich habe oder ohne zu bedenken, was diese bei mir schlimmstenfalls auslösen könnten.»
Die Erlösung?
Zu ihrer Hautkrankheit kann Amina B. erst seit kurzem stehen. Jahrelang hat sie damit gekämpft. Der Grund: «Obwohl ich einen sehr starken Charakter habe, wollte ich mir die Scham, den Ekel und die gutgemeinten, aber unerwünschten Ratschläge nicht mehr antun.»
Schliesslich darf Amina B. seit Ende August eine neuere Spritze testen. Das Arzneimittel kommt als Fertigpen und wird für die Behandlung von mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis ab 12 Jahren eingesetzt. In der Schweiz ist das Medikament seit Sommer 2024 zugelassen.
«Erste Fortschritte sind schon zu sehen. Ich bin beschwerdefrei, der Juckreiz ist weg und auch meine Hände sind nicht mehr entzündet oder wund», sagt Amina B. deutlich erleichtert. «Zwar sieht man noch die Narben vom Kratzen, und ich häute mich, aber ich fühle mich insgesamt ruhiger und beschwerdefreier.»
Sie sagt: «In meinem Fall musste ich im ersten Monat gleich zwei Mal zwei Spritzen in Abstand von zwei Wochen nehmen. Kosten: etwa 3800 Franken», so Amina B. Künftig reiche aber eine Spritze pro Monat. «Eine einzige Spritze kostet rund 1000 Franken!» Trotzdem: «Ich bin froh, dass die Krankenkasse mich unterstützt.»
Schmerz und Scham sind mit dem neuen Medikament gelindert: «Ich habe meinen Seelenfrieden – und will auch anderen Betroffenen Mut machen.»
*Name bekannt