Darum gehts
- Perfekte Gärten oft lebensfeindlich, Wildblumenwiesen und Laubhaufen fördern Artenvielfalt
- Mähroboter und Laubsauger gefährlich für Tiere, Handarbeit ist besser
- Torfabbau schadet Klima, torffreie Erde oder Kompost bevorzugen
Viele greifen im Frühling zu den gleichen Helfern, Pflanzen und Methoden – oft mit dem guten Gefühl, alles richtig zu machen. Doch was im Gartencenter praktisch und schön wirkt, hat draussen im Beet manchmal ganz andere Folgen. Ein genauer Blick lohnt sich.
Weniger Ordnung, mehr Leben
Ein perfekt aufgeräumter Garten wirkt ordentlich, ist für Tiere aber oft lebensfeindlich. Wenn jedes Blatt entfernt, jeder Strauch geschniegelt und jede Ecke «sauber gepützelt» ist, fehlt es an Verstecken, Nahrung und Nistplätzen. Gerade im Herbst und Winter sind solche Strukturen jedoch überlebenswichtig für viele Arten.
Besser: Lass bewusst etwas liegen. Laub, verblühte Stauden oder kleine Reisighaufen bieten Igeln, Insekten und Vögeln Schutz vor Kälte und Fressfeinden. Ein Garten darf ruhig ein bisschen unperfekt aussehen – die Natur wird es dir danken.
Rasenwahn stoppen
Kurz geschnittener Rasen gilt für viele als Ideal, ökologisch ist er aber fast wertlos. Die monotone Fläche bietet weder Blüten noch Rückzugsorte. Für Insekten ist so ein Rasen im Grunde eine grüne Wüste.
Besser: Mäh deutlich seltener und lass Blumen wie Klee oder Gänseblümchen wachsen. Noch besser ist es, einen Teil des Gartens in eine Wildblumenwiese zu verwandeln. Passende Bio-Saatmischungen mit wunderschönen Blumen findest du in den Gartencentern. So entsteht ein lebendiger Lebensraum, der auch optisch viel spannender ist.
Die Schweizer LandLiebe sucht gemeinsam mit der LANDI die schönsten Gärten, Balkone und Terrassen der Schweiz. Wer seinen grünen Lieblingsplatz zeigen möchte, hat bis zum 15. Juni 2026 Zeit, sich anzumelden. Eine vierköpfige Fachjury wählt danach drei Gärten sowie drei Balkone/Terrassen aus. Im September findet dann ein Public Voting der Top 3 pro Kategorie statt. Die Sieger werden in der November-Ausgabe der LandLiebe vorgestellt.
Die Schweizer LandLiebe sucht gemeinsam mit der LANDI die schönsten Gärten, Balkone und Terrassen der Schweiz. Wer seinen grünen Lieblingsplatz zeigen möchte, hat bis zum 15. Juni 2026 Zeit, sich anzumelden. Eine vierköpfige Fachjury wählt danach drei Gärten sowie drei Balkone/Terrassen aus. Im September findet dann ein Public Voting der Top 3 pro Kategorie statt. Die Sieger werden in der November-Ausgabe der LandLiebe vorgestellt.
Mähroboter – unterschätzte Gefahr
Mähroboter sind bequem, haben aber eine dunkle Seite: Sie werden oft auch nachts eingesetzt – genau dann, wenn viele Tiere aktiv sind. Besonders Igel sind gefährdet, da sie bei Gefahr nicht fliehen, sondern sich einrollen.
Besser: Verzichte möglichst auf automatische Geräte oder nutze sie nur tagsüber und unter Aufsicht. Klassisches Mähen von Hand ist zwar etwas aufwendiger, aber deutlich tierfreundlicher.
Laubsauger: laut und tödlich
Laubsauger und -bläser sind praktisch, aber problematisch. Sie verbrauchen viel Energie, sind laut – und die Sauger können Kleintiere einsaugen und töten. Selbst unscheinbare Bodenbewohner wie Würmer oder Insekten werden so zerstört.
In Zürich gilt seit 1. April 2026 gilt sogar ein Verbot für benzinbetriebene Laubbläser. Auch elektrische Geräte dürfen nur noch von Oktober bis Dezember genutzt werden. Eine Übergangsfrist gilt bis zum 31. März 2027. In anderen Gemeinden gelten unterschiedliche Regelungen, die meist auf der Lärmschutzverordnung basieren, welche übermässigen Lärm verbietet.
Besser: Nimm den Rechen zur Hand. Das ist nicht nur umweltfreundlicher, sondern auch eine kleine Bewegungseinheit an der frischen Luft. Zudem kannst du gezielt entscheiden, wo Laub liegenbleiben darf.
Chemie im Garten? Lieber nicht
Unkrautvernichter und Pestizide scheinen schnelle Lösungen zu sein, richten aber grossen Schaden an. Sie töten nicht nur unerwünschte Pflanzen oder Schädlinge, sondern auch nützliche Insekten und Bodenorganismen – oft sogar langfristig.
Besser: Setze auf Handarbeit und natürliche Methoden. Unkraut lässt sich gut jäten, viele Schädlinge einfach absammeln. Hausmittel wie Brennnesseljauche oder Neemöl helfen zusätzlich. Und: Nicht jede Wildpflanze ist ein Problem – viele sind wertvoll für die Artenvielfalt.
Kunstdünger – kurzfristig gut, langfristig schlecht
Mineralische Dünger wirken schnell, bringen aber Nachteile mit sich. Sie liefern Pflanzen zwar sofort Nährstoffe, verbessern jedoch nicht die Bodenstruktur. Zudem können sie ins Grundwasser gelangen und die Umwelt belasten.
Besser: Nutze organische Dünger wie Kompost, Mist oder Hornspäne. Diese geben Nährstoffe langsamer ab und fördern gleichzeitig ein gesundes Bodenleben. So wachsen Pflanzen stabiler und widerstandsfähiger.
Vorsicht bei «bienenfreundlichen» Pflanzen
Viele greifen zu Pflanzen, die als bienenfreundlich beworben werden. Doch gerade günstige Ware aus grossen Gartencentern ist oft mit Pestiziden belastet – und damit alles andere als hilfreich für Insekten.
Besser: Kaufe Pflanzen bei lokalen Gärtnereien oder setze auf zertifiziertes Bio-Saatgut. Dort ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Pflanzen wirklich ohne schädliche Chemie gezogen wurden. Im Zweifel lohnt es sich, einfach nachzufragen.
Schottergärten – heiss und leblos
Schottergärten wirken modern und pflegeleicht, haben aber viele Nachteile. Sie speichern Hitze, trocknen schnell aus und bieten keinerlei Lebensraum für Tiere oder Pflanzen. Im Sommer können sie die Umgebung zusätzlich aufheizen.
Besser: Setze auf eine vielfältige Bepflanzung mit heimischen Arten. Diese kommen oft gut mit Trockenheit klar, verbessern das Mikroklima und schaffen Lebensraum für zahlreiche Tiere.
Die falschen Pflanzen im Beet
Viele Zierpflanzen sind echte Mogelpackungen: Sie sehen schön aus, liefern aber weder Nektar noch Pollen. Besonders gefüllte Blüten sind für Bienen und andere Bestäuber nutzlos.
Besser: Wähle ungefüllte, heimische Pflanzen und setze auf Vielfalt. So stellst du sicher, dass vom Frühling bis in den Herbst hinein Nahrung vorhanden ist. Wildformen sind dabei oft die bessere Wahl.
Torf im Sack – schlecht fürs Klima
Blumenerde mit Torf ist weit verbreitet, hat aber gravierende Folgen für die Umwelt. Für den Torfabbau werden Moore zerstört – dabei sind diese wichtige CO₂-Speicher und Lebensräume für seltene Arten.
Besser: Greif zu torffreier Erde oder stelle eigenen Kompost her. Das ist nicht nur nachhaltiger, sondern oft auch besser für deine Pflanzen.
So profitierst du
Mit diesen kleinen Anpassungen wird dein Garten Schritt für Schritt naturnäher. Du schaffst damit nicht nur eine schönere Umgebung für dich selbst, sondern hilfst auch aktiv dabei, Tiere zu schützen und die Artenvielfalt zu fördern. Dein Bonus: Schmetterlinge, summende Bienen, Igel, die nachts im Laub rascheln, mehr Vogelgezwitscher und ein gutes Gewissen. Was will man als Naturfreund mehr?
Wie kann man auch als Gartenneuling ein kleines Stück Erde nutzvoll begrünen? Gartenexpertin Scarlet Allenspach gibt Tipps und Tricks rund ums Thema Garten.
Mehr findest du in unserem Dossier «Im Beet mit Blick»
Wie kann man auch als Gartenneuling ein kleines Stück Erde nutzvoll begrünen? Gartenexpertin Scarlet Allenspach gibt Tipps und Tricks rund ums Thema Garten.
Mehr findest du in unserem Dossier «Im Beet mit Blick»