Darum gehts
- Grosseltern sollten vor der Geburt keine ungefragten Ratschläge geben und Betreuung früh klären
- Nach der Geburt helfen Kochen, Putzen und Schlafpausen mehr als unangemeldete Besuche zu Hause
- Bei der Betreuung zählen Absprachen mit den Eltern, kleine Schritte und eigene Ressourcen beachten
Über die Hälfte der 65- bis 80-Jährigen in der Schweiz haben mindestens ein Enkelkind. Im Schnitt werden Frauen und Männer mit Mitte bis Ende 50 Grosseltern, in der Tendenz allerdings immer später. Dennoch erleben die heutigen Grosseltern diese Phase deutlich länger und aktiver als frühere Generationen. Zum einen dank der gestiegenen Lebenserwartung, zum anderen, weil viele länger fit und unternehmungslustig bleiben.
Karin Dehmers ausführlicher Ratgeber aus dem Beobachter-Verlag liefert Antworten für die Zeit von der Schwangerschaft bis zum Kindergarten. Die Autorin bündelt das Wissen und die Expertise des renommierten «Grosseltern»-Magazins mit klaren Strukturen und ergänzt es mit wertvollen Tipps und kreativen Ideen. Hier können Sie das Buch bestellen.
Karin Dehmers ausführlicher Ratgeber aus dem Beobachter-Verlag liefert Antworten für die Zeit von der Schwangerschaft bis zum Kindergarten. Die Autorin bündelt das Wissen und die Expertise des renommierten «Grosseltern»-Magazins mit klaren Strukturen und ergänzt es mit wertvollen Tipps und kreativen Ideen. Hier können Sie das Buch bestellen.
Was bedeutet das für die Gestaltung der Rolle als Grossvater und Grossmutter? Wie intensiv soll die Beziehung zu den Enkelkindern sein? Soll man Betreuungsaufgaben übernehmen? Was, wenn man andere Erziehungsansichten hat? Im Ratgeber «Zum ersten Mal Grosseltern» hat Karin Dehmer (52), ehemalige Stv. Chefredaktorin des Magazins «Grosseltern», das Wichtigste zu den ersten Jahren mit Enkelkindern zusammengetragen. Hier fünf Tipps, von der Vorfreude bis zum Kindergarten.
Bevor das Baby da ist
Hurra, Sie werden Grosseltern! Natürlich haben Sie jede Menge Wissen zum Weitergeben, schliesslich haben Sie Schwangerschaft, Geburt und Babyjahre bereits erlebt – im Gegensatz zu den werdenden Eltern. Stopp! «Ungebetene Ratschläge und persönliche Meinungen sollten Sie unterlassen», sagt Karin Dehmer. «Vertrauen Sie darauf, dass die zukünftigen Eltern selbst wissen, was ihnen und ihrem ungeborenen Kind guttut.» Es gibt in dieser Phase auch so genug zu überlegen und zu besprechen: Sollen wir Betreuungsaufgaben übernehmen? Wenn ja, wie sehen diese aus? Karin Dehmer: «Vor allem berufstätige Frauen vor der Pensionierung sollten sich eine Reduktion des Arbeitspensums gut überlegen, da die letzten Jahre für ihr Pensionskassenguthaben wichtig sind.» Ebenfalls eine Überlegung wert: Wie möchten Sie von Ihrem Enkelkind genannt werden? «Das dürfen und sollen Sie mitbestimmen. Wehren Sie sich, wenn Ihnen eine Bezeichnung nicht gefällt», so Dehmer. Und: Versuchen Sie jetzt schon, Eifersüchteleien zwischen Grosselternpaaren zu vermeiden. Karin Dehmer: «Bedenken Sie, dass verschiedene Ansichten und Lebensentwürfe die Erlebniswelt eines Kindes bereichern.»
Geburt und Wochenbett
Auch hier gilt: Die Entscheidung über die Art und den Ort der Entbindung liegt allein bei den Eltern. Stillen ist Sache der Mutter. Bitte keine Überraschungsbesuche im Spital oder zu Hause. «Was jetzt wirklich hilfreich ist: handfeste Angebote wie Kochen, Putzen, Waschen oder das Baby umsorgen, während die Eltern Schlaf nachholen», so Dehmer. Vergessen Sie die jungen Väter nicht, auch sie sind übermüdet und vielleicht verunsichert.
Die ersten drei Lebensmonate
Jetzt geht es darum, sich schrittweise in Ihrer neuen Rolle zurechtzufinden. Vielleicht übernehmen Sie schon erste Entlastungsdienste und richten sich für künftige Hüteeinsätze ein. Zudem werden jetzt erste Regeln vereinbart. «Stimmen Sie sich lieber einmal zu viel als zu wenig mit den Eltern ab, bevor Sie mit Ihrem Enkelkind interagieren», rät Karin Dehmer. Die Expertin rät zu Babysteps beim Babyhüten. «Beginnen Sie mit wenigen Stunden und steigern Sie die Zeit von Mal zu Mal. Übernachten, Baden, Autofahren – das muss nicht alles sofort sein. Lassen Sie sich Zeit, um Sicherheit zu gewinnen.» Sprechen Sie mit den Eltern Ihres Enkelkindes über Ihre Ängste, das schafft Transparenz und Entlastung. Und: Die Betreuung von Enkeln basiert auf Freiwilligkeit, es ist auch in Ordnung, Nein zu sagen.
Das erste Lebensjahr
In dieser Zeit entwickelt sich das Kind rasant, es lernt sitzen, stehen, vielleicht geht es bereits erste Schritte oder brabbelt erste Worte. Etwa ab dem achten Monat beginnen Babys zu fremdeln, oft auch bei Menschen, die ihnen eigentlich vertraut sind. «Für Grosseltern, die die Kinderbetreuung übernehmen, wenn die Eltern wieder zur Arbeit gehen, bedeutet das, dass sie früh genug mit der Eingewöhnung beginnen sollten», sagt Karin Dehmer. Wichtig: Wer regelmässig allein hütet, sollte unbedingt auf seine Ressourcen achten. Und: Es gibt auch noch andere Themen als die Grosseltern-Rolle. Karin Dehmer: «Geniessen Sie es, mit Ihren Freundinnen und Freunden, die keine Enkelkinder haben oder weniger involviert sind, über anderes zu reden.»
Zweites bis fünftes Lebensjahr
Aus dem Baby wird ein Kind, das viel lernt, aber vor allem eines will: spielen. Ungefragte Meinungsäusserungen sind nach wie vor so unangebracht wie am Anfang, insbesondere zum Entwicklungsstand Ihres Enkelkindes. Aber was, wenn Sie andere Ansichten bei der Erziehung haben? «Grundsätzlich ist Erziehung Elternsache», sagt Dehmer. Je öfter das Kind bei Ihnen ist, desto eher wird es allerdings auch Ihre Ansichten mitbekommen. «Suchen Sie das Gespräch mit den Eltern, erklären Sie, was Ihnen aus welchen Gründen nicht behagt. Kinder akzeptieren unterschiedliche Regeln an verschiedenen Betreuungsorten.»