Zierfandler und Rotgipfler
Gumpoldskirchen im Glas und auf dem Teller

Jeweils Ende April öffnen die Häuser in Gumpoldskirchen ihre Innenhöfe und Keller für den Bauernmarkt. Präsentiert wird, was die Thermenregion vor den Toren Wiens hergibt: Wein und Schnaps, Spargel und Schnittblumen, Honig und Marillennektar.
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Ferdinand Gebeshuber (27) arbeitet im Familienbetrieb in Gumpoldskirchen mit.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Gumpoldskirchen ist das bedeutendste Weindorf des österreichischen Anbaugebiets Thermenregion
  • Winzer und Bauern spannen bei der Vermarktung ihrer Produkte zusammen
  • Jeweils Ende April bieten sie am Bauernmarkt ihre Köstlichkeiten feil
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Stefan KellerRedaktor Wein

Gumpoldskirchen ist der bedeutendste Weinort in der Thermenregion südlich der Stadt Wien. Auf knapp 600 Hektar wird hier Rebbau betrieben. Im Mittelalter war Gumpoldskirchner für seine Mächtigkeit bekannt.

«Wer Gumpoldskirchner trinkt zwei Mass, der kann allein nicht gehen sein Strass», reimte etwa der Geistliche Johann Rasch, und Beethovens Hausarzt soll dem Komponisten zur Stärkung solchen empfohlen haben.

Hochburg rarer Rebsorten

Heute ist der Ort vor allem für seine Weissweine aus Zierfandler- und Rotgipfler-Reben bekannt, sie haben hier ein Heimspiel. Der Weinbaubetrieb von Johannes Gebeshuber und den Söhnen Ferdinand und Paul ist auf diese beiden Sorten spezialisiert.

Wie unterscheiden sie sich denn? «Zierfandler ist eckiger, kantiger als Rotgipfler, die Aromen sind geprägt von Zitrusnoten und Kräutern, und Gerbstoff gibt zusätzliche Struktur», sagt Ferdinand Gebeshuber. «Rotgipfler ist im Vergleich runder, säurearmer und zeigt bei voller Reife auch Noten tropischer Früchte.»

Gross gedacht — aus der Zeit gefallen

Beiden Sorten ist eigen, dass sie ausgezeichnet zu reifen vermögen. So lagern in Gebeshubers Keller Jahrgänge zurück bis 1947. Das Betriebsgebäude mit 3000 Quadratmeter an der Jubiläumsstrasse wurde 1905 von der Stadt Wien gebaut und weist ein Fassungsvermögen von zwei Millionen Litern auf. Es war gedacht für die Kaiserstadt mit 1,7 Millionen Einwohnern. Heute keltert man bei Gebeshuber jährlich rund 150'000 Flaschen.

Feinspitze kommen auf die Rechnung

Am Bauernmarkt boten die Winzer die Möglichkeit, die ganze Palette ihrer Weine zu verkosten und gaben weiteren Betrieben Gastrecht: Imker Martin Piller präsentierte seine Honigvarianten, Josef Raus Olivenöl und Schnäpse, Nicole Agor Chutneys. Mit dabei war auch der Freund des Hauses Andrzej Koch, der Luzerner betreibt an der Wollzeile in der österreichischen Hauptstadt seit über zehn Jahren einen Käsehumidor, von dem aus er die Wienerinnen und Wiener mit erstklassigem Schweizer Käse beglückt.

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