Bildschirmfoto 2021-03-29 um 13.39.21.png
1:53
Die topmoderne Abfüll-Linie:Kellerei St. Michael-Eppan im Südtirol

Für Sie degustiert: Südtirol, Teil 2
Hanz Terzer, Popstar aus Eppan

Als 21-jähriger Schulabgänger kam Hans Terzer in die renommierte Genossenschaftskellerei St. Michael Eppan – und stellte alles auf den Kopf. Noch heute ist er der Popstar unter den Südtiroler Winzern. Dazu: Der neue beste Vernatsch der Welt!
Kommentieren
1/19
Kellermeister Hans Terzer: Popstar – und ein bisschen Diva ...
Foto: Alain Kunz
Alain Kunz

Die Gutsführungen leitet ein vielbeschäftigter Mann wie Kellermeister Hans Terzer längst nicht mehr. Dafür hat er seine Spezialisten. Wie der Mann mit dem Namen, der für einen, der im Weinbusiness arbeitet, unfassbar ist: Gregor Ohnewein … So, das musste ich hier loswerden, bevor der Exportmanager und Vertriebschef loslegt.

Die Genossenschaftskellerei in Eppan wurde 1907 gegründet, verarbeitet Trauben von 330 Mitgliedern auf 385 Hektaren (ohne eigenen Landbesitz) zu 70 Prozent Weisswein und 30 Prozent Rotwein. Zu Beginn waren es noch 90 Prozent Rotwein gewesen ... Was zeichnet die Region aus? Ohnewein: «Das perfekte Mikroklima! Die Nachttemperaturen sind eher tief. Das Klima sonst mediterran. Und die Bodentypen vielfältig.» Speziell an Eppan: Mit über 1000 Hektaren ist es das grösste zusammenhängende Rebgebiet Südtirols.

Ein 21-jähriger Schnösel zwischen gestandenen Männern

Terzer kommt 1977 in die Kellerei, kaum hatte er die Landwirtschaftsschule abgeschlossen. «Die haben mich ins kalte Wasser geworfen. Aber das war gut so, denn so wacht man sofort auf!», sagt Terzer lachend. Doch wenn die damals ungemein der Tradition verhafteten Weinbauern gewusst hätten, wen sie da an Land gezogen hatten – sie hätten ihn wohl gleich wieder rausgeschmissen. «Stellen sie sich vor: Da kommt ein 21-Jähriger und sagt Weinbauern, die teils den zweiten Weltkrieg miterlebt haben, dass man die Hälfte der Trauben auf den Boden schmeissen muss …», erzählt Ohnewein. 1977 verarbeite die Genossenschaft Trauben von 175 Hektaren. Heute von 385. «Aber die Erntemengen waren damals teils grösser als heute», sagt Terzer. Es sei damals als ganz Junger in der Tat nicht einfach gewesen mit den «gestandenen Männern».

In der Schweiz war die Vernatschtraube damals unglaublich gefragt. «Wir kelterten und brachten das Zeugs sogleich hoch. In die Schweiz, aber auch nach Süddeutschland und Österreich», erinnert sich Terzer.

Das ändert sich, als der Betrieb beginnt, auf Weisswein umzustellen. «Von da an wurde das Interesse kleiner, denn diese Länder und Regionen haben ja selber guten Weisswein. So begannen wir, vermehrt in Italien zu verkaufen. Heute setzen wir die Hälfte der Produktion dort ab. Nur noch ein Drittel geht in den Export. Zwanzig Prozent verkaufen wir lokal.» Und Vernatsch wurde 2019 gar als wichtigste rote Rebsorte durch den Pinot noir abgelöst.

Gut ausgegangene Spinnereien

Terzer war der Katalysator der weissen Revolution. So zum Beispiel, als er sich 1982 die Mühe machte, die damals als gemischter Satz angebauten Rebsorten Weissburgunder und Chardonnay zu trennen. «Die Rebsorte hatte schon um 1850 bei uns eine zweite Heimat gefunden», sagt Terzer. Aber erst er machte Weissburgunder zu einer Leitsorte – des Betriebs, ja des Südtirols.

Zweite weisse Leitsorte ist Sauvignon blanc. Auch dank dem neuen absoluten Top-Sauvignon aus der Linie The Wine Collection. Terzer dazu: «Da probieren wir neue Ausbauformen aus. Das sind gut ausgegangene Spinnereien, die der Kellerei einen Namen macht, und die Geld abwerfen, weil sie streng auf rund 3000 Flaschen limitiert sind.» Spinnereien? Geld abwerfen? So offen kann man nur mit dem Renommée eines H. T. reden, der durchaus ein bisschen divenhaften Südtiroler Legende. So sagt er auch: «Man hat von mir gesagt: Wenn es den Hans Terzer nicht gegeben hätte, würde der Weinbau in Südtirol nicht so dastehen …»

Und so schnell wird man ihn auch nicht los, obwohl er mittlerweile im Pensionsalter ist. «Ich habe einen jungen Mann unter meine Fittiche genommen. Aber ich habe nicht vor, den Laden zu verlassen.» Gut so. Wir brauchen Popstars. Und auch Mick Jagger ist im Pensionsalter …

Die Weissburgunder von St. Michael Eppan
  • Weissburgunder klassisch 2019 16,25/20 (14.70 Franken; weinvogel.ch)
  • Weissburgunder Schulthauser 2019 (Foto, Selektions-Linie): Der Wein stammt NICHT aus der Toplinie, ist aber fantastisch! Terzer sagt von ihm: «Ich habe ihn kreiert. Das war mein Gesellenstück und ist vielleicht der meistgetrunkene Weissburgunder Südtirols. Wir machen davon 200'000 Flaschen. Er ist eine Marke.» Floraler Touch, Flieder, Pfirsich, Apel, knackige Säure, leicht crèmig, Harz, geradlinig, ätherisch, Mundfülle, rechtes Finish. Score: 17/20 (15.90 statt 19.50 Franken, vonsalis-wein.ch)
  • Weissburgunder Sanct Valentin 2018 (Die Linie Sanct Valentin hat Terzer 1986 kreiert. Den Weissburgunder, von dem 25'000 Flaschen abgefüllt werden, gibt es seit 2001. Die spezielle Flaschenform? «Habe ich schon bisschen Château Haut-Brion aus Bordeaux abgeschaut, weil sie mir enorm gefällt», so Terzer): expressiv, Vanille, blumig, exotische Früchte, aber auch Pfirsich, tief, sehr mineralisch, Schmelz, crèmig, Power, aber nie überladen, immer stringent, dezente Säure, unfassbar lang! Score: 18/20 (32 Franken, boucherville.ch)
Schulthauser – vielleicht der meistgetrunkene Weissburgunder des Südirols.
Schulthauser – vielleicht der meistgetrunkene Weissburgunder des Südirols.
RMS
  • Weissburgunder klassisch 2019 16,25/20 (14.70 Franken; weinvogel.ch)
  • Weissburgunder Schulthauser 2019 (Foto, Selektions-Linie): Der Wein stammt NICHT aus der Toplinie, ist aber fantastisch! Terzer sagt von ihm: «Ich habe ihn kreiert. Das war mein Gesellenstück und ist vielleicht der meistgetrunkene Weissburgunder Südtirols. Wir machen davon 200'000 Flaschen. Er ist eine Marke.» Floraler Touch, Flieder, Pfirsich, Apel, knackige Säure, leicht crèmig, Harz, geradlinig, ätherisch, Mundfülle, rechtes Finish. Score: 17/20 (15.90 statt 19.50 Franken, vonsalis-wein.ch)
  • Weissburgunder Sanct Valentin 2018 (Die Linie Sanct Valentin hat Terzer 1986 kreiert. Den Weissburgunder, von dem 25'000 Flaschen abgefüllt werden, gibt es seit 2001. Die spezielle Flaschenform? «Habe ich schon bisschen Château Haut-Brion aus Bordeaux abgeschaut, weil sie mir enorm gefällt», so Terzer): expressiv, Vanille, blumig, exotische Früchte, aber auch Pfirsich, tief, sehr mineralisch, Schmelz, crèmig, Power, aber nie überladen, immer stringent, dezente Säure, unfassbar lang! Score: 18/20 (32 Franken, boucherville.ch)
Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen