Darum gehts
- Von den Waldbränden diesen Sommer im südfranzösischen Languedoc sind viele Winzer betroffen
- Klimawandel und Wasserknappheit machen den Produzenten das Leben schwer
- Nun warnen die Winzer: Je mehr Rebfläche verloren geht, desto schneller könnten sich Feuer ausbreiten
Die Winzer im französischen Languedoc sind schockiert. Nach drei happigen Jahren versprach 2025 ein gutes Weinjahr zu werden. Doch dann tobten im Hochsommer die verheerenden Brände und vernichteten auf 1500 Hektar Rebfläche den Jahrgang 2025 und auch zukünftige Ernten.
Besonders schlimm traf es die Celliers de Demoiselles in Saint-Laurent-de-la-Cabrerisse. 40 Winzerfamilien, die ihre Trauben in der Kooperative keltern, ausbauen und vermarkten lassen, stehen vor einer ungewissen Zukunft.
75 Prozent der Fläche betroffen
Von 400 Hektar Reben sind 300 betroffen, wie eine Sprecherin des Unternehmens auf Anfrage mitteilte. Ein Teil davon ist zu 100 Prozent zerstört. Sind die Trauben nicht verbrannt, werden sie wegen des Rauchgeschmacks unbrauchbar. Ob die Flächen wieder aufgestockt werden, sei noch nicht sicher.
In der Weinregion Languedoc liegen berühmte Herkunftsgebiete wie Corbières und Minervois. Das trockene, windige Klima ist ideal für den Bioanbau. Doch seit einigen Jahren nimmt die Trockenheit überhand.
Verödung wird zum Problem
Die Winzer in der Region leiden zunehmend unter Wasserknappheit. Desertifikation, die fortschreitende Vernichtung fruchtbarer Böden durch Dürren, ist mit die grösste Herausforderung für die Produzenten.
Oft tritt die junge Generation nicht in die Fussstapfen ihrer Eltern. Viele Familien geben auf. Damit der Rebbau in der Region rentabel bleibt, möchten die Winzer zur Bewässerung mehr Wasser aus der Rhone entnehmen. Die Pläne sind schon lange gemacht, doch die Erschliessung geht langsam voran.
Rebberge als Feuerschneise
Nun meldete sich ein bekannter Winzer der Region zu Wort. Gérard Bertrand (60) ist Eigentümer mehrerer Weingüter mit insgesamt 1000 Hektar Rebfläche im Languedoc und tief verwurzelt mit der Region. In einem Linkedin-Post macht er seinem Ärger Luft.
Nicht nur die längst bekannte Wasserknappheit und der schleppende Ausbau diverser Bewässerungsprojekte seien problematisch. Rebberge dienten auch als Feuerschneisen und verhinderten Flächenbrände.
Warum das so ist: Die Landschaft im Languedoc ist kleinteilig. Wälder, Strauchheide, Felsgelände und Rebparzellen bilden ein Mosaik. Zudem haben Rebberge eine offene Struktur. Der Boden wird bearbeitet und ist darum frei von Unterwuchs. Zufahrtswege zu den Parzellen sind ebenfalls Freiflächen und grenzen oft Wälder von den Reben ab.
Je mehr Rebflächen aufgegeben werden und verbuschen, desto mehr brennbares Material hat es auf den verödeten Flächen. Doch auch Rebberge, die unter Trockenstress leiden, können zu Brandbeschleunigern werden. Um das zu verhindern, braucht es ein vernünftiges Wassermanagement.