Für Sie degustiert: Domaine des Muses
Morgens um 7.45 Uhr klingelte der Parker-Degustator

Die Schweiz ist in der grossen Weinwelt angekommen! Die Degustatoren von Kritikerguru Robert Parker kümmern sich neuerdings liebevoll um sie. Euphorisiert waren sie von den Weinen von Depardieu-Kumpel Robert Taramarcaz. Wir auch!
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Foto: zVg
Von Alain Kunz

Auch wenn es längst überfällig war: Als es passierte, horchte die ganze Wein-Schweiz auf: Robert M. Parker, der Guru unter den Weinkritikern – Halbgott für die einen, selbstgefälliger Barriquewein-Geck für die anderen – entdeckt Helvetien! Wie einst Asterix. David Schildknecht heisst der Mann von Parkers Gnaden, der sich aufmachte zu entdecken, dass inmitten des Weinland-Vierecks Frankreich, Italien, Österreich und Deutschland Gutes in Flaschen gefüllt wird.

Das liegt nun eine Weile zurück, es geschah 2012. Aber der Schildknecht-Besuch wirkt bis heute nach. Lassen wir ihn nochmals Revue passieren. Am Mémoire & Friends trinkt sich Schildknecht durch eine recht repräsentative Auswahl, die ihm Traubenforscher José Vouillamoz zusammengestellt hat. Schildknecht pickt dann vier Winzer heraus. Unter ihnen Taramarcaz. Eine Flasche Petite Arvine ist es, auf die Schildknecht voll abfährt. «Schildknecht soll gesagt haben, er verlasse das Wallis nicht, ohne den Urheber dieses Weines besucht zu haben», erinnert sich Robert.

Elf Weine für ein Halleluja!

Und so schildert Taramarcaz den Tag, der sein Winzerleben veränderte: «Um 7.15 Uhr rief mich Schildknecht an und sagte, er wolle am Morgen vorbeischauen. Am gleichen Morgen notabene. Er fügte noch hinzu, er sei in einer Viertelstunde bei mir, falls ich später andere Pläne habe. Hatte ich, also stand er tatsächlich kurze Zeit später – es war 7.45 Uhr - vor der Tür. Er probierte alle Weine durch. Von jedem machte er ein Foto der Etikette und sprach seine Beurteilung auf ein Tonband. Später sagte er mir, er habe die Professionalität der Degustation extrem geschätzt. Dabei ging es mir vor allem darum, die Sache möglichst schnell über die Bühne zu bringen. Um zehn Uhr erwartete ich Gäste für eine lange abgemachte Degu...»

Zum Merlot habe Schildknecht einige Fragen gestellt. Sonst, so Taramarcaz, habe er kein Wort gesprochen. «Am Ende fanden nicht weniger als elf meiner Weine Eingang ins Best-of des Jahres 2012 des Wine Advocate! Von Schildknecht hörte ich aber nie wieder etwas.» Die Folgen des Besuchs? Taramarcaz gewann in der Deutschschweiz 500 Neukunden. Ärzte, Anwälte und solche Leute. «Zudem wollten plötzlich viele Ausländer mein Gut besuchen. Touristen. Aber auch Decanter war hier, Wine Spectator ebenso», so Taramarcaz. Weitere Folge: Der Winzer hatte fortan etwas zu verlieren. Nahm er früher an vielen Wettbewerben teil, so schickt er nun keine Flaschen mehr ein an den Grand Prix du Vin Suisse oder die Etoiles du Valais. Er sagt ehrlich: „«rgendwann kann man nur noch verlieren. Und ich produziere nur gerade 75 000 Flaschen.» Dann wird Taramarcaz unsicher: «Vielleicht sollte ich doch wieder mitmachen...»

Kumpel von Gérard Depardieu

Mittlerweile hat Schildknecht sein Schweiz-Mandat bei Parker niedergelegt. Seit Mai kümmert sich Stephan Reinhardt um unsere Weine, der zuvor Deutschland-Chef der Schweizer Fachzeitschrift Vinum war. Er hat Ende Jahr einen ersten Artikel publiziert, über Schweizer Pinot Noir (siehe Kasten weiter unten). Als nächstes sollen dann die Chasselas drankommen. Taramarcaz: «Schon nach Schildknechts Besuch fragten sich viele Ausländer: Was hat Parker in der Schweiz zu suchen?» Da müsse doch etwas dran sein, wenn der grosse Parker sich in der kleinen Schweiz umschaut. «Völlig zurecht», sagt Taramarcaz übrigens. Dass wir dem ohne den geringsten Hauch eines Zweifels und Vorbehalt zustimmen, dürfte jedem Leser klar sein, der diese Kolumne regelmässig liest. «Unsere Weine sind total auf dem Vormarsch, der Elan ist unglaublich.»

Taramarcaz ist einer der Lokomotiven. Seine Studien hat er in Kellereien der Neuen (Neuseeland) wie der Alten Welt (Burgund) gemacht. Er nützt die Vorzüge moderner Kellerei-Techniken zwar, doch ebenso sehr ist er ein Verfechter der traditionellen Walliser Weine, des Fendants und der Dôle. «Fendant ist einer unserer Referenzweine. Wir sind bald die letzten auf der Welt, die Chasselas anpflanzen. Das verpflichtet.» Und Gamay? «Heute wollen viele Winzer Gamay sortenrein machen. Auch im Wallis. Warum nur? Die Identität des Wallis ist die Verschmelzung mit Pinot Noir. Nur sollte man einen Dôle mit dem besten Traubenmaterial herstellen. Ich mache es jedenfalls so.» Das Resultat ist exzellent!

Nicht nur der Dôle besticht. Alle Weine der Traditions-Linie sind aussergewöhnlich. Besser als jene von Frankreichs Schauspiel-Schwergewicht Gérard Depardieu, der ein guter Kumpel von Taramarcaz ist. Aber nicht primär wegen den Weinen, sondern der Schauspielerei. «Ich spiele Theater, seit ich Teenager bin», sagt Taramarcaz. Er hat 2011 sogar das gewaltige Projekt gestemmt, den Cyrano de Bergerac in Sierre auf die Bühne zu bringen: 16 Vorführungen, total 5000 Zuschauer. Stehende Ovationen. Die sparen wir für Roberts Weine auf. 15 probiert, alle mit mindestens 16,5 Punkten bewertet. Diese Regelmässigkeit auf höchstem Niveau ist schlicht sensationell. Zudem gabs 4-mal 17,5 und drei Mal 18 Punkte. Unfassbar gut!

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