Pfusch mit Bio?
Wiener Weingut auf der Anklagebank

Die Zertifizierung von Biowein ist Streitpunkt zwischen dem Wiener Weingut Cobenzl und dem «Kurier». Die österreichische Tageszeitung beschuldigt den stadteigenen Betrieb, konventionell produzierten Wein mit Bio-Siegel in den Handel gebracht zu haben.
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Wien ist die Hauptstadt mit der grössten Weinbaufläche.
Foto: Gerhard_TRUMLER_Vienna

Darum gehts

  • Das Wiener Weingut Cobenzl steht in Verdacht, fälschlicherweise Biowein angeboten zu haben
  • Die Besitzerin Stadt Wien will sich mit rechtlichen Mitteln gegen die Anschuldigungen wehren
  • Das Weingut Cobenzl bewirtschaftet 60 Hektar – das sind zehn Prozent des Wiener Weinbergs
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Stefan KellerRedaktor Wein

Die Abgrenzung von Bio und nicht Bio gibt immer wieder Anlass zu Diskussionen. In der Schweiz bewirtschaftet die Waadtländer Familie Cruchon in Echichens einen grossen Betrieb, der sowohl konventionelle als auch biodynamische Weine auf den Markt bringt, teils aus eigenen, teils aus zugekauften Trauben.

«Als Weinbaubetrieb sind wir biozertifiziert, das heisst, die gesamte Produktion unterliegt den entsprechenden Vorgaben. Bei Weinen aus zwei Lagen verzichten wir aber auf eine entsprechende Auszeichnung, da sind wir in Nachbarschaft mit konventionell arbeitenden Winzern und können nicht garantieren, dass im Wein keine Rückstände nachweisbar sind», sagt Önologin Catherine Cruchon. So schafft man klare Verhältnisse.

Wiener Wirren

In der österreichischen Weinbranche gehen die Wogen hoch, seit die Tageszeitung «Kurier» dem bedeutenden stadteigenen Betrieb Cobenzl vorwirft, konventionell erzeugten Wein mit einem Bio-Label auf den Markt gebracht zu haben. Tatsache ist, dass die Hälfte der 60 Hektar Rebfläche seit 2024 konventionell bewirtschaftet wird, und dies, obwohl auf der Website des Weinguts steht: «Seit dem Start der Umstellung im Jahr 2020 werden die Weingärten nach den strengen Richtlinien des biologischen Weinbaus bewirtschaftet. Dabei wird auf Nachhaltigkeit, Artenvielfalt und einen respektvollen Umgang mit der Natur gesetzt.»

Aussage gegen Aussage

Die zuständige Magistratsabteilung MA 49 (Klima, Land- und Forstwirtschaft) der Stadt Wien begründet den Systemwechsel damit, dass ein ehemaliger Mitarbeiter in der Zeit zwischen 2020 und 2024 synthetischen Dünger auf den rund 30 Hektar Rebflächen am Bisamberg ausgebracht habe. Dies sei im Zuge einer der regelmässigen Qualitätskontrollen aufgefallen.

Laut MA 49 erfolgte umgehend eine entsprechende Meldung an die Wiener Landwirtschaftskammer und an die Biozertifizierungsstelle. Die MA 49 schliesst daher aus, dass Cobenzl-Wein mit biologischer Auszeichnung in den Handel gekommen sei.

Anders sieht das der «Kurier». Er hält fest, «dass zum Zeitpunkt der Veröffentlichung der Recherchen in der Interspar Weinwelt ein Grüner Veltliner Bisamberg 2024 mit Bio-Siegel angeboten wurde.» Dieser sei mittlerweile von den Webshops des Händlers entfernt worden. Die Stadt Wien will sich mit rechtlichen Mitteln gegen die Anschuldigungen der Tageszeitung wehren.

Neustart mit Verlust

Die betroffenen Rebflächen befinden sich wieder in der Umstellung auf biologische Bewirtschaftung. Diese kann aber frühestens 2028 abgeschlossen werden. Der «Kurier» schätzt, dass dem Weingut dadurch bei einer Gesamtproduktionsmenge von 320’000 Litern in vier Jahren rund eine Million Euro Einnahmen entgehen. Biowein könne – so die Annahme des «Kurier» – für rund 1.50 Euro pro Liter teurer als konventioneller verkauft werden. In der Umstellungszeit müsse der Betrieb nach Bio-Richtlinien arbeiten, erziele ohne Zertifikat aber nicht den entsprechenden Preis.

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