Darum gehts
- Markt– und Klimaveränderungen zwingen Winzer zum Umdenken
- Hitzebeständiges mit wenig Wasserbedarf steht im Fokus
- Besonders beliebt sind Oliven-, Mandel- und Pistazienbäume
Das unbekannte Weinbaudorf Lécera liegt eine Fahrstunde westlich von Zaragoza in der Region Aragonien.
In Spanien selbst wird immer weniger Wein getrunken, und der Exportmarkt ist ins Stottern geraten. So schloss in Lécera im vergangenen Jahr die Genossenschaft ihre Tore.
Keiner kauft mehr Trauben
80 Winzer, die bisher eine Fläche von 4000 Hektaren bewirtschaftet haben (etwas weniger als die gesamte Walliser Rebbaufläche), stehen nun vor der Frage, was sie künftig mit ihren Trauben machen sollen.
Reben werden ausgerissen und an deren Stelle Pistazien- und Mandelbäume gepflanzt. Ob man damit auf dem globalen Markt konkurrenzfähig ist, wird sich erst weisen müssen. Die einzige Kellerei am Ort hat zusätzliche 25 Hektaren erworben und so ihren Besitz arrondiert – ein Tropfen auf den heissen Stein.
Umstellung in vielen Beziehungen
Auch in Frankreich findet ein Strukturwandel statt. Im Süden des Landes werden Rebberge gerodet und stattdessen Hülsenfrüchte und Pistazien angebaut.
Für Erzeuger, die über Jahre, oft über Generationen hinweg, ihre Rebberge aufgebaut haben, bedeutet der Umstieg auf Pistazien oder Hülsenfrüchte eine Veränderung der Anbaumethoden, der Geschäftsbeziehungen und der langfristigen Geschäftspläne.
Hülsenfrüchte können zwar schneller Erträge bringen, erfordern aber ebenfalls andere Maschinen, agronomisches Wissen und Zugang zu Absatzmärkten. Für viele Landwirte lautet die Frage nicht nur, ob sie auf einem Teil ihrer Flächen keinen Wein mehr erzeugen sollen, sondern auch, ob sie sich die Jahre der Umstellung leisten können.
Auch eine Geldfrage
Für die Politik verweist die Lage auf ein grundlegenderes Problem beim landwirtschaftlichen Wandel: Eine unrentable Kultur aufzugeben, ist ein Schritt, einen nachhaltigen Ersatz aufzubauen, ein anderer. Im Süden Frankreichs bekommen die Winzer diese Lücke nun zu spüren: Sie sagen, die Zahlung von 4000 Euro je Hektar reiche nicht aus, um umzustellen, was sie anbauen, wie sie arbeiten und an wen sie verkaufen.
Oliven statt Reben
In der Schweiz hat der Olivenanbau im Tessin Tradition. Anfang des 20. Jahrhunderts wurde allerdings kaum mehr Olivenöl produziert. Erst gegen Ende der 1980er-Jahre erlebte der Olivenanbau dank einiger Landwirte und Winzer einen neuen Aufschwung. Im Jahr 2001 schlossen sich die Südschweizer Olivenenthusiasten zur Associazione Amici dell’Olivo zusammen. 25 Jahre später produzieren die beiden Tessiner Mühlen in Sonvico und Losone jährlich 2000 Liter Olivenöl. Das Olio d’Oliva ticinese wurde inzwischen in das Verzeichnis des Kulinarischen Erbes der Schweiz aufgenommen.
Die Waadt geht voran
Nun breitet sich die Kultur aber auch in andere Landesteile aus. Auf der Domaine des Sieurs in Luins pressen Marc und Fabien Sordet nicht nur Trauben, sondern auch die Oliven ihrer mittlerweile 280 eigenen Bäume. Winzerkollege Yves Blondel von der Domaine de Vy Granges in Mont-sur-Rolle tut es den Sordets gleich: Er riss dafür sogar Reben aus und pflanzte an deren Stelle Olivenbäume.
Das Interesse wächst. 2025 wurde an einer Gründungsversammlung die Association Suisse des Producteurs d’Olives aus der Taufe gehoben. Bereits 75 Landwirte, Weinproduzenten und Fans sind Mitglied.
Der Aargau zieht nach
Andreas Meier, Rebschulist, Weinproduzent und Nationalrat, pflegt neu auch Olivenbäume. 190 Bäumchen hat er diesen Frühling im obersten und steilsten Teil der prestigeträchtigen Lage Kloster Sion in Klingnau gepflanzt. Für Pinot noir ist es dort zu warm geworden, zudem war dieser Bereich – nicht terrassiert – nur im aufwändigen Direktzug zu bewirtschaften. Trotz intensiver Bewässerung überlebten einige der Jungpflanzen den extremen Sommer nicht. «Zu Beginn jedenfalls ist viel Wasser unerlässlich», so Meiers Fazit.