Der Balkon zur Camargue
Nîmes, die Stadt für Weinfans

Römer, Arena, das Krokodil und eine Weinkultur, die sich dank dem Einsatz der jungen Generation weiterentwickelt: Nîmes und die Reblandschaft rundherum sind eine Reise wert.
Kommentieren
1/14
Ein Glas Wein nach Feierabend gehört in Nîmes zum Lebensgefühl der Generation Z.
Foto: Ursula Geiger

Darum gehts

  • Die Stadt Nîmes ist der ideale Ausgangspunkt für einen Road-Trip ins nahe gelegene Weingebiet
  • In der Traumlandschaft nahe der Camargue setzen junge Winzer ihre Ideen von nachhaltigem Weinbau um
  • Die Rebsortenvielfalt des Midi garantiert viel Abwechslung im Glas
Ursula Greiner
Ursula GeigerRedaktorin Wein

Das an die Palme gekettete Krokodil begegnet einem in der Stadt, die den Übernamen «Französisches Rom» trägt, überall. Star-Designer Philippe Starck entwarf das Wappen 1986. Von hier stammt der Stoff, der unsere Jeans (fast) unverwüstlich macht: Denim – «de Nîmes».

In Nîmes mischen sich französische und spanische Einflüsse. Im Sand des gigantischen Amphitheaters wird jedes Jahr zum Lesefest Mitte September eine Corrida ausgetragen. Rockstars bespielen die Arena auf einer temporären Asphaltschicht, die danach wieder abgebrochen und recycelt wird.

Savoir-vivre in Nîmes

Die Stimmung in der Stadt, die im Département Gard zwischen den Cévennen und der Camargue liegt, ist tiefenentspannt.

In der Weinbar an der Esplanade Charles-de-Gaulle trifft sich abends die Generation Z, trinkt kühlen Weissen, Rosé oder saftigen Rotwein aus der AOC Costières de Nîmes und isst dazu die kulinarischen Spezialitäten der Stadt: herzhafte Pasteten (auch die sind mit Palme und Krokodil verziert) oder Baguette, bestrichen mit Brandade de Morue aus gesalzenem Kabeljau.

Lieber Humus als Kiesel

Kurz nach der Stadtgrenze beginnt das andere Nîmes. Obstgärten mit Aprikosen und Nektarinen stehen in der fruchtbaren Ebene, die Rebberge auf den «Costières», jene von der Rhone und ihren Zuflüssen geschaffenen Terrassen. Winzer schätzen die wärmespendenden Eigenschaften der grossen Kiesel, die das Terroir prägen.

Dass Winzerin Isabel Gassier gerade diesen «Juwelen» zu Leibe rückt, liegt an der zunehmenden Hitze und Trockenheit. Die Wasserknappheit beschäftige die Produzenten, erzählt sie. Das Wasser der Rhone werde in erster Linie für den Anbau von Obst und Gemüse gebraucht. Wasser für Weinproduktion stehe in der Rangliste ganz hinten.

Darum sind die Galets im Rebberg von Gras und Erde überdeckt. Die Winzerin setzt auf regenerativen Weinbau, auf mehr Artenvielfalt in und zwischen Rebflächen. Wird die Begrünung in den Rebzeilen zu hoch, wird gewalzt und nicht gemäht. Das verhindert das Verdunsten von Wasser, und die plattgemachten Pflanzen werden von Bodenlebewesen zu Humus verarbeitet. Ein humoser Boden hält das Wasser besser.

Aromatherapie statt Fungizide

Der Umgang mit der Natur ist in den Costières de Nîmes wichtig, denn die bezaubernde Landschaft zieht Weintouristen an, denen biologisch produzierte Weine wichtig sind.

An klaren Tagen sehen Tanguy Castillon und Marie Philbert von ihren Weinbergen aus die Lagunen der Camargue silbern am Horizont glitzern. Château L'Ermite d'Auzan liegt in Saint-Gilles, 30 Autominuten südöstlich von Nîmes.

Das junge Paar setzt auf Biodynamie und Aromatherapie. Der Umgang mit Kräutern liegt Marie, die einst für die Kosmetikfirma Clarins arbeitete. Sie erntet die Pflanzen mit der Sichel.

Kräuterwirtschaft

Nach dem Trocknen werden die Kräuter in Säcken aufbewahrt. Tanguy destilliert oder mazeriert daraus wie bei der Parfumproduktion Aromen oder setzt mit getrockneten Kräutern Ölauszüge oder Sude an. Die werden mit Wasser gemischt. Fünf Liter Sud reichen für 100 Liter Pflanzenschutzbrühe. Damit sich die Ölauszüge mit Wasser verbinden wird Milch als Emulgator eingesetzt.

Gleich ob rot, weiss oder rosé, die Weine von Tanguy und Marie sind straff und nie üppig. Die Fruchtaromen sind schön herausgearbeitet und die Balance zwischen Tanninen und Säure bietet maximalen Trinkspass.

Dieser Text entstand im Rahmen einer Pressereise.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen