Darum gehts
- Fürs Entkorken alter Weine brauchts einen besonderen Zapfenzieher
- Der Federkorkenzieher – auch Hebamme genannt – hilft in schwierigen Fällen
- Siegellack entfernt man mit der Messerspitze im Abwaschbecken
Der grosse Augenblick vor versammelter Gesellschaft: Die Tochter öffnet zu ihrem 20. Geburtstag den teuren Bordeaux, den ihr Vater bei ihrer Geburt eingekauft und ins hinterste Kellerfach gelegt hat. Dem Inhalt bekam die Reifung gut – wie sie erfahren wird –, dem Verschluss hingegen weniger.
Eine lange Lagerung – vor allem bei zu trocknem Klima – hat den Naturkork brüchig gemacht, und so zieht das Geburtstagskind nur die Hälfte des Zapfens aus der Flasche. Welch eine Bescherung!
Wenn sich im Haushalt ein Federkorkenzieher befindet, besteht die Chance, dass die Chose gerettet werden kann. Weit besser allerdings ist, die Sache von Anbeginn der Hebamme anzuvertrauen – so heisst im Volksmund dieser besondere Korkenzieher, vermutlich, weil er dem Glück ins Leben beziehungsweise ins Glas hilft.
Fingerspitzengefühl gefragt
Und so geht man vor: erst die Kapsel entfernen beziehungsweise wegschneiden und, wenn nötig, mit feuchtem Tuch den freigelegten Teil des Flaschenhalses reinigen. Dann die beiden Flügel sorgfältig und so weit wie möglich entlang des Glases in die Flasche einführen.
Ist das gelungen, den Kork langsam aus dem Flaschenhals drehen. Wenn bei dieser Operation doch ein paar Korkbrösel in den Wein fallen, kann man ihn durch ein nicht parfümiertes Haushaltstuch in eine Karaffe umgiessen. Das gilt auch dann, wenn nichts anderes übrigbleibt, als den widerspenstigen Korken beziehungsweise das, was von ihm steckengeblieben ist, in den Flaschenbauch zu stossen.
Die einfachsten Modelle von Feder-, Spangen- oder Flügelkorkenziehern kosten wenig, für die Edelhebamme «The Durand» hingegen greift man tief ins Portemonnaie; dieses Gerät verbindet Spirale und Federn, bietet also maximale Erfolgschancen.
Der Lack ist ab
Wer eine mit Siegellack verschlossene Flasche zu öffnen hat, dem reicht ein handelsüblicher Korkenzieher. Den Lack entfernt man am besten im Abwaschbecken, denn es bleibt nichts anderes übrig, als ihn mit einer Messerspitze zu entfernen, und das geht nicht ohne Spuren von Splitterwerk.
Der hermetische Verschluss lässt den Naturkork besser altern, bei Flaschen aus dem vergangenen Jahrhundert allerdings empfiehlt es sich, sich fürs Öffnen von der Hebamme assistieren zu lassen. Flaschen, die nur so tun, als seien sie mit Siegellack verschlossen, kann man ganz brachial an den Kragen gehen: Spirale direkt in den Hals drehen und den Korken herausziehen. Basta. Wer nicht will, dass der Wein beim Einschenken mit dem Kunststoff in Kontakt kommt, schneidet wie bei einer Kapsel ein kleines Stück weg.