Drei Punkte weniger als im Vorjahr
Walliser Luxushotel wehrt sich gegen Gault-Millau-Schlappe

Das Restaurant des Fünf-Sterne-Hotels The Omnia in Zermatt VS verliert im neuen GaultMillau-Guide gleich drei Punkte – so viele wie kein anderes Lokal. Der Absturz folgt auf einen überraschenden Abgang und einen Kurswechsel in der Küche.
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Schlappe für eine Zermatter Nobeladresse: Das Restaurant des Fünf-Sterne-Hotels The Omnia verliert im neuen GaultMillau-Guide gleich drei Punkte.
Foto: Keystone
Nathalie Benn, RIngier
Nathalie BennRedaktorin Wirtschaft

Der neue Guide des Schweizer Gastroführers GaultMillau ist da – und hat gleich ein Novum in petto: Mit Dominik Hartmann (34) vom Restaurant Magdalena in Rickenbach SZ holt sich erstmals ein Vegi-Koch den begehrten Titel «Koch des Jahres».

Auch sonst gibts für die Schweizer Spitzengastronomie einiges zu feiern. 98 Köchinnen und Köche gewinnen einen Punkt dazu. Daniel Zeindlhofer (38) vom Igniv Zürich steigt auf 18 Punkte, Aurélien Mettler (30) vom Fiescherblick in Grindelwald BE neu auf 17. Und gleich 84 Restaurants sind erstmals im Guide vertreten.

Doch es gibt auch Absteiger: 31 Chefs müssen laut GaultMillau in diesem Jahr «über die Bücher» – sie verlieren einen oder mehrere Punkte. Besonders hart trifft es das The Omnia in Zermatt VS – eine der besten Adressen im Walliser Nobelskiort. Das hauseigene Restaurant des Fünf-Sterne-Hotels verliert gleich drei Punkte – so viele wie kein anderes Lokal im neuen Guide. Statt stolzen 17 Punkten wie im Vorjahr gibts für das The Omnia nur noch 14.

Spitzenkoch sprang ab

Was ist passiert? Klar ist: In der Küche des Edelrestaurants hat sich einiges verändert. Bis im Frühling 2026 stand der Aargauer Spitzenkoch André Kneubühler hinter dem Herd. Unter dem Konzept «Alpine Excellence» servierte er im The Omnia diverse Haute-Cuisine-Kreationen – mit Erfolg. GaultMillau kürte den ehemaligen Lehrling von Gastro-Pionierin Tanja Grandits (56) zur «Entdeckung des Jahres 2025». Im Guide 2026 holte Kneubühler dem The Omnia die 17 Punkte.

Im Februar machte das Magazin dann publik: Kneubühler verlässt das Luxushotel nach nur zwei Jahren. Per Ende April war Schluss. Offiziell hiess es damals, der Spitzenkoch wolle seine Handschrift künftig in einem «stärker spezialisierten Fine-Dining-Umfeld» weiterentwickeln. Gleichzeitig wurde über Knatsch hinter den Kulissen gemunkelt.

Inzwischen ist Kneubühler weitergezogen: Er übernahm im Mai den Chefposten im neuen Restaurant Joseph's im Titlis Tower auf über 3000 Metern. Und dort überzeugt er die Kritiker erneut: Das Restaurant schafft es auf Anhieb in den neuen Guide – mit 16 Punkten. Das The Omnia schlug derweil mit Markian Barmettler als Küchenchef einen neuen kulinarischen Weg ein.

«Kein Ort, an dem für Punkte gekocht wird»

Und wie beurteilt das Hotel den Abstieg? Die Aufregung um die drei verlorenen Punkte könne man «ehrlich gesagt nicht ganz nachvollziehen», sagt er zu Blick.

Die Neuausrichtung sei bewusst erfolgt. «Unser Restaurant soll in erster Linie ein Ort sein, an dem sich unsere Gäste rundum wohlfühlen, nicht einer, an dem für Punkte gekocht wird», sagt der Hoteldirektor. Seit der Neuausrichtung erhalte das Haus sehr viel positives Feedback von seinen Gästen. «Und das ist für uns der entscheidende Massstab.»

Ganz ignorieren will man das Urteil der Gastrotester allerdings nicht. Konstruktive Kritik nehme man ernst, das neue Team werde sich weiterentwickeln. An der eingeschlagenen Richtung zweifle man aber nicht.

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