Darum gehts
- Geoffrey Wall flog 17 Jahre für Air Canada ohne nötige Lizenz
- Er verdiente drei Millionen CAD, flog über 900 nationale und internationale Flüge
- Projekt «Icarus» deckte 2025 den Betrug auf, Wall war längst pensioniert
Die Geschichte erinnert an den Hollywood-Streifen «Catch Me If You Can» (2002) mit Leonardo DiCaprio (51) als charmantem Hochstapler. Doch dieser Fall ist bittere Realität.
Laut den Ermittlern besass Wall zwar eine Lizenz für den kommerziellen Flugverkehr. Die alles entscheidende Berechtigung, um als Kapitän die ganz grossen Passagiermaschinen zu steuern, hatte er jedoch nie erworben. Trotzdem sass er jahrelang am Steuer von riesigen Langstreckenjets der Typen Boeing 767, 777 und 787. Nebenbei sackte er rund drei Millionen kanadische Dollar an Lohn ein.
Die Ermittler starteten «Project Icarus»
Der irre Schwindel flog im vergangenen Jahr 2025 bei einer Routinekontrolle auf. Verantwortliche entdeckten Unstimmigkeiten in seinen Dokumenten. Air Canada informierte sofort die Behörden, die unter dem Codenamen «Project Icarus» eine Grossuntersuchung starteten. Zu diesem Zeitpunkt war Schein-Kapitän Wall bereits pensioniert, wie CNN berichtet.
Die Fluggesellschaft Air Canada versucht seither, den Ball flach zu halten. Das Unternehmen betont, die Sicherheit der Passagiere sei «nie gefährdet» gewesen, da alle Piloten regelmässig geschult würden. Ein schwacher Trost für die Fluggäste, die völlig ahnungslos bei einem Hochstapler an Bord stiegen.
Gegen Wall wurden mehrere Strafverfahren wegen Betrugs und Urkundenfälschung eingeleitet. Ende Juni 2026 muss er sich vor Gericht verantworten. Walls Fall ist kein Einzelfall.
Schwindel flog erst nach 13 Jahren auf
2010 wurde auf dem Flughafen Amsterdam Schiphol ein Mann festgenommen, der während mehr als 13 Jahren mit einer gefälschten Lizenz als Pilot gearbeitet haben soll. Die Polizei griff zu, als er gerade eine Boeing 737 mit 101 Passagieren an Bord für einen Flug nach Ankara vorbereitete, wie der «Spiegel» berichtete. Die Ermittler gingen davon aus, dass der Schwede zwar eine Lizenz für kleinere Privatflugzeuge besass, jedoch nie die erforderlichen Berechtigungen für Verkehrsflugzeuge erworben hatte. Trotzdem soll es ihm gelungen sein, Fluggesellschaften in mehreren europäischen Ländern zu täuschen.
Helikopter stürzt ab, Pilot ohne Lizenz
Auch in Brasilien sorgte ein Fall für Aufsehen. Dort stürzte im April ein Helikopter kurz nach dem Start in der Nähe eines Hotels ab. An Bord befanden sich vier Personen, darunter ein Kind. Alle Insassen überlebten das Unglück. Bei den Ermittlungen kam jedoch ein brisantes Detail ans Licht: Der Pilot verfügte über keine gültige Lizenz. Gegen ihn wird nun wegen Gefährdung der Flugsicherheit ermittelt.