Hoch im Kurs
Warum Gold jetzt so begehrt ist wie nie zuvor

Noch nie stand Gold so hoch im Kurs, ob als Wertanlage, Schmuck oder in der Mode. Warum schon die Pharaonen das Gold als «Fleisch der Sonne» verehrten und wie zerstörerisch die Gier nach dem glänzenden Metall bis heute ist.
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Catwalk in Gold: Akris an der Fashion Week in Paris.
Foto: IMAGO/ABACAPRESS

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • An der Pariser Fashion Week glänzte Gold in Akris’ opulenter Kollektion
  • Eine Unze Gold kostet aktuell 4000 Franken – Rekordpreis!
  • Die Schweiz hortet 1040 Tonnen Gold, sie ist weltweiter Spitzenreiter pro Kopf
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Katja RichardRedaktorin Gesellschaft

Vorhang auf fürs Gold: Akris setzte an der Fashion Week in Paris mit schimmernden Materialien ein Statement. Wertvolle Jacquard-Texturen, aber auch ganze Leder-Ensembles glänzten golden – sogar der Vorhang, aus dem die Models auf den Laufsteg stolzierten, glitzerte in der Farbe des wertvollen Edelmetalls. So opulent zeigt sich die sonst zurückhaltende Mode von Designer Albert Kriemler selten. 

Ob der steigende Goldkurs etwas damit zu tun hat? Akris war mit seinem goldenen Look an der Fashion Week nicht allein. Die New Yorker Designerin Gabriela Hearst zeigte ihre Models in Kleidern, die an einen goldenen Regenwald erinnerten, bei Chanel schimmerten Tweedjacken wie güldene Ritterrüstungen, und bei Gaultier funkelten die Outfits wie Discokugeln. Gold, ein Symbol für Licht, Glanz – und vielleicht ein Mittel, um der düsteren Stimmung der Welt stilvoll zu trotzen.

Wie ein Blätterwald aus Gold: Kleid von Gabriela Hearst an der Modeschau in Paris.
Foto: Getty Images

Aus diesem Grund ist das Edelmetall derzeit so begehrt. Eine Unze (das sind gut 28,35 Gramm) kostet rund 4000 Franken – so viel wie noch nie. Globale Konflikte, Börsenschwankungen und Inflationsängste machen das Metall zur sicheren Anlage. In seiner rund 6000 Jahre alten Kulturgeschichte war Gold jedoch immer weit mehr als das. Wegen seines warmen Glanzes und seiner aussergewöhnlichen Eigenschaften stand es früh für Beständigkeit, Ewigkeit – ja, sogar für das Überirdische.

Die Haut der Götter

Im alten Ägypten stellte man sich vor, dass die Haut der Götter aus Gold besteht, ihre Knochen aus Silber und ihre Augen aus dem tiefblauen Edelstein Lapislazuli. Besonders eindrücklich zeigt sich das an der berühmten Totenmaske des Pharaos Tutanchamun. Sie besteht aus rund elf Kilogramm massivem Gold, die Entdeckung des Grabes 1922 im Tal der Könige war spektakulär. Gold spielte im ägyptischen Totenkult eine zentrale Rolle: Man glaubte, dass verstorbene Pharaonen im Jenseits zu götterähnlichen Wesen werden. Das unvergängliche Metall sollte diesen Übergang symbolisieren und den Körper in einen ewigen Zustand versetzen. Besonders eng war diese Vorstellung mit dem Sonnengott Ra verbunden: Weil Gold glänzt wie die Sonne und nie seinen Glanz verliert, bezeichneten es die Ägypter als «Fleisch der Sonne».

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Ganz falsch lagen sie damit nicht. Tatsächlich entsteht Gold nicht auf der Erde. Nach heutigem wissenschaftlichem Verständnis bildet es sich bei extremen kosmischen Ereignissen – etwa wenn Neutronensterne kollidieren oder massereiche Sterne explodieren. Dabei werden enorme Energiemengen frei, durch die überhaupt erst Elemente wie Gold entstehen können. Vor Milliarden Jahren gelangten diese Teilchen aus Sternenexplosionen ins junge Sonnensystem und später auch auf die Erde. Ein Teil davon liegt bis heute tief im Erdmantel verborgen, ein kleiner Teil gelangte durch Meteoriten in die Erdkruste. Das Gold, das heute in Schmuck, Münzen oder Tresoren liegt, ist also buchstäblich Sternenstaub.

Der Sternenstaub der Götter: Gold ist im All entstanden.
Foto: Getty Images

Wert für die Ewigkeit

Dass Menschen diesem Metall seit Jahrtausenden eine besondere Bedeutung zuschreiben, hat auch mit seinen ungewöhnlichen Eigenschaften zu tun. Gold rostet nicht, korrodiert nicht und behält seinen Glanz über Jahrtausende – ein Material, das scheinbar der Zeit trotzt. Gleichzeitig ist es extrem dicht: Ein Liter Gold wiegt rund 19,3 Kilogramm. Zugleich gehört es zu den formbarsten Metallen überhaupt. Ein einziges Gramm lässt sich zu einem Blatt von fast einem Quadratmeter auswalzen, so dünn, dass Licht hindurchscheinen kann.

Diese Kombination aus Beständigkeit, Dichte und Formbarkeit machte Gold schon früh zum idealen Wertträger, denn es konnte weniger leicht gefälscht werden. Die ersten bekannten Goldmünzen wurden im 7. Jahrhundert v. Chr. im Königreich Lydia geprägt, im heutigen Westen der Türkei. König Krösus (er regierte circa von 560 bis 546 v. Chr.) besass den grössten bekannten Goldschatz jener Zeit – sein Name steht bis heute synonym für unbegrenzten Reichtum.

Selten und schwer abzubauen

Wertvoll macht das Gold seine Seltenheit. In der Erdkruste ist es extrem gering konzentriert – gerade einmal etwa ein Fünfhundertmillionstel. Silber kommt etwa 15-mal häufiger vor, Kupfer rund eine Million Mal häufiger. Bis ins 15. Jahrhundert wurden nur einige Hundert Tonnen Gold gefördert – ein Würfel mit rund zwei Metern Kantenlänge. Heute sind es rund 200’000 Tonnen, was einem Würfel von 21 Metern Kantenlänge entspricht. Schätzungen zufolge liegen noch 50’000 bis 70’000 Tonnen wirtschaftlich abbaubares Gold in der Erdkruste verborgen, der Grossteil befindet sich jedoch tief im Erdmantel und für den Menschen unerreichbar.

Der Goldbestand der SNB beträgt 1040 Tonnen Gold – rund 70 Prozent werden in der Schweiz gelagert.
Foto: MARTIN RUETSCHI

Der Abbau von Gold ist aufwendig und problematisch. Bereits im alten Rom war die Lebenszeit von Bergarbeitern sehr kurz, denn die Bedingungen waren hart. Oft wurde mit Quecksilber gearbeitet, um das Gold aus dem Gestein zu lösen: Das Schwermetall vergiftet die Arbeiter, ebenso Gewässer, Luft und damit unser ganzes Ökosystem – das ist bis heute so. Wegen der Gier nach Gold werden neue Vorkommen in entlegenen Regionen erschlossen, oft illegal. Eine aktuelle Recherche von Greenpeace in Brasilien zeigt, dass die Ausbreitung illegaler Goldgruben in indigenen Gebieten im Amazonas jeden Tag eine Fläche von vier Fussballfeldern zerstört.

Zweifelhafte Herkunft

Fast die Hälfte des weltweit geförderten Goldes wird zu Schmuck verarbeitet. Seine Herkunft lässt sich nur schwer nachvollziehen, da Gold immer wieder eingeschmolzen und neu gegossen werden kann. Man weiss also nie, ob der Ehering, den man trägt, einst Teil einer rituellen Aztekengabe, eines Nazi-Raubs oder von illegal gefördertem Gold war. Zwar existieren Labels für Fairtrade- und nachhaltiges Gold, doch die Garantie für eine unbedenkliche Herkunft gibt es nicht.

Und anders als Diamanten lässt sich Gold nicht künstlich herstellen. Zwar gelingt heute am Kernforschungszentrum Cern in Genf das, wovon die Alchemisten schon im Mittelalter träumten: Aus Blei wird Gold. Im Tunnel des Teilchenbeschleunigers kollidieren Blei-Atome fast bei Lichtgeschwindigkeit, wobei winzige Goldkerne entstehen – allerdings nur in kleinsten Mengen. Zudem dauert der Zauber der modernen Alchemie nur Sekundenbruchteile, dann verpufft der Götterstaub wieder. 

Goldvreneli: Pro Kopf wird in der Schweiz weltweit am meisten Gold gebunkert – teils sogar im Garten vergraben.
Foto: Bjoern Wylezich

Schweizer horten am meisten Gold pro Kopf

Gold bleibt also rar und wertvoll. Schade eigentlich, wie viele Tonnen des göttlichen Edelmetalls in dunklen Tresoren lagern, allein die Reserven der Schweizerischen Nationalbank umfassen rund 1040 Tonnen. In keinem anderen Land wird so viel Gold pro Kopf gebunkert wie in der Schweiz: Durchschnittlich besitzt jede Person hierzulande rund 115 Gramm Gold – ohne Schmuck! Damit liegen wir weit über dem weltweiten Durchschnitt, der bei etwa 40 Gramm pro Kopf liegt, und sogar deutlich über dem Schnitt in den USA. Was bei den auf Sicherheit bedachten Schweizern erstaunt: Viele bewahren ihren Notgroschen für unsichere Zeiten zu Hause auf – 15 Prozent lagern ihn in der Wohnung, und 5 Prozent vergraben ihr Gold sogar im Garten!

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