Darum gehts
- Goldnachfrage in der Schweiz explodiert seit Angriffen auf den Iran am Samstag
- Besonders beliebt: Kleine Goldbarren bis 50 Gramm
- Schweizer besitzen rund 200 Tonnen Gold im Wert von 25 Milliarden Franken
Die Telefone bei Christian Brenner (46) laufen heiss – das schon seit Tagen. Der Österreicher ist Geschäftsführer des Goldhändlers Philoro in der Schweiz. Mit den ersten Bomben auf den Iran am Samstag hat der Run auf Goldbarren und Münzen nochmals zugenommen. «Sicherheit ist derzeit sehr gefragt, unsere Kunden kaufen Gold – aber auch Silber – in einem historischen Ausmass», so Brenner. Das Volumen sei im Moment fünfmal so hoch wie an einem regulären Handelstag.
Das stellt Goldverkäufer vor bislang unbekannte Probleme: «Kein Händler hat so viel Gold an Lager, um die aktuelle Nachfrage zu decken», sagt der Edelmetallexperte. Das bedeutet: Überstunden für die Logistiker bis spät in die Nacht. Denn für den Nachschub an Gold in Barren unterschiedlicher Grösse braucht es Spezialtransporte von den Raffinerien im Tessin zu Händlern und Banken in der ganzen Schweiz.
Gold im Superzyklus
«Die aktuelle Wartezeit auf physisches Gold liegt derzeit bei rund zwei Wochen – je nach Stückelung», weiss Brenner. Besonders gefragt seien im Moment eher kleinere Stückelungen, insbesondere Barren von 50 Gramm. Kostenpunkt im Moment: knapp 6600 Franken.
Der Franken hat sich einmal mehr als Krisenwährung bewährt. Am Wochenende, nach dem Ausbruch des jüngsten Nahostkrieges, flüchteten viele Anleger in die superharte Schweizer Währung. Der Euro fiel gegenüber dem Franken auf ein neues Rekordtief, war gerade noch etwas mehr als 90 Rappen wert. Der Dollar fiel unter die Marke von 77 Rappen, verfehlte das Rekordtief nur knapp. Auch wenn sich Euro und Dollar in der Zwischenzeit etwas erholt haben, wird der Franken weiter an Stärke zulegen. Zum einen ist die Inflation in der Schweiz im Vergleich zu den USA oder der EU sehr tief. Geld, das in der Schweiz liegt, behält seinen Wert. Zudem haben Fed und EZB noch Spielraum für Zinssenkungen, die SNB dagegen nicht. Wird die Zinsdifferenz kleiner, stärkt das den Franken.
Der Franken hat sich einmal mehr als Krisenwährung bewährt. Am Wochenende, nach dem Ausbruch des jüngsten Nahostkrieges, flüchteten viele Anleger in die superharte Schweizer Währung. Der Euro fiel gegenüber dem Franken auf ein neues Rekordtief, war gerade noch etwas mehr als 90 Rappen wert. Der Dollar fiel unter die Marke von 77 Rappen, verfehlte das Rekordtief nur knapp. Auch wenn sich Euro und Dollar in der Zwischenzeit etwas erholt haben, wird der Franken weiter an Stärke zulegen. Zum einen ist die Inflation in der Schweiz im Vergleich zu den USA oder der EU sehr tief. Geld, das in der Schweiz liegt, behält seinen Wert. Zudem haben Fed und EZB noch Spielraum für Zinssenkungen, die SNB dagegen nicht. Wird die Zinsdifferenz kleiner, stärkt das den Franken.
In den zwei Wochen Lieferfrist könnte der Goldpreis weitere Rekorde erklimmen. «Die Kunden können das Gold zum aktuellen Kurs bestellen und den Preis fixieren», beruhigt Brenner. Und profitieren damit schon während der Wartezeit von möglichen weiteren Wertsteigerungen.
Zur Erinnerung: In den letzten zehn Jahren hat sich der Goldpreis mehr als verdreifacht. 2016 kostete das Kilo Gold gut 40'000 Franken, heute sind es knapp 130'000 Franken.
Besonders krass ist der Anstieg seit dem Spätsommer 2025. «Ich bin nun seit 15 Jahren im Geschäft, doch das habe ich noch nie erlebt», sagt der Goldhändler. «Seit dem letzten September erleben wir einen Superzyklus – und der Januar hat bezüglich Volumen nochmals alles getoppt.» Was auffällt: Es kommen viele Neukunden – und diese werden immer jünger.
Einst unbeliebt – heute begehrt
Einer, der sich wegen des Superzyklus die Hände reiben dürfte, ist Nationalbankpräsident Martin Schlegel (49). Denn nur dank der 1040 Tonnen Gold, die die Nationalbank besitzt, gab es im letzten Jahr überhaupt einen Gewinn. Die Goldreserven gewannen über 36 Milliarden Franken an Wert. Damit profitieren auch Bund und Kantone dank der Ausschüttung vom Goldpreiswahnsinn an den Märkten.
Und viele Schweizerinnen und Schweizer profitieren mit. Gemäss einer Studie vom Herbst 2024 lagen in Schweizer Wohnungen, Häusern, Tresoren und Bankschliessfächern Münzen und Barren mit einem Gesamtgewicht von rund 200 Tonnen. Diese waren damals rund 15 Milliarden Franken wert, heute dürfen das an die 25 Milliarden sein. Und wohl auch ein paar Tonnen mehr.
Die Unsicherheit in der Welt ist gross, was viele Anleger immer mehr zum einst ungeliebten Gold drängt. Lange galt das gelbe Metall als unattraktiv, da es weder Zinsen zahlt, noch eine Dividende abwirft. Doch mit der Rückkehr der Inflation nach Corona entdeckten viele Investoren Gold als Absicherung gegen Geldentwertung und Kaufkraftverlust. Und haben so massgeblich zum Preisanstieg beigetragen.
Absicherung gegen Zukunftsängste
Offen ist, wie weit die Rekordjagd noch geht. Seit dem Ausbruch des jüngsten Nahostkonflikts hat Gold zwar weiter an Wert zugelegt, allerdings nicht so stark wie in anderen Krisen. Katja Gisler (40), Chefstrategin beim Beratungsunternehmen Wellershoff & Partners, dämpft die Erwartungen: «Gold hat Potenzial nach oben. Allerdings ist der jüngste Preisanstieg angesichts der Eskalation im Nahen Osten eher moderat.» Ihre Erklärung: «Bei vielem, was Trump macht, gibt es einen Abstumpfungseffekt. Die Märkte hoffen offenbar auf einen kurzlebigen Konflikt und darauf, dass alles weniger schlimm kommt als befürchtet.»
Davon spüren Goldhändler wie Banken noch nichts. Gerade bei Kleinanlegern ist die Angst vor einer ungewissen Zukunft gross. Die Unsicherheit lässt sie in Gold flüchten, wie Thomas Rühl (46) von der Schwyzer Kantonalbank weiss: «Wer mit einem Systemkollaps rechnet, der kauft physisches Gold wie Vreneli oder kleine Barren.» Allerdings gebe es bei den Vreneli einen Aufpreis gegenüber dem effektiven Goldwert.
Was im Moment auch sehr gefragt ist: Tafelbarren! Diese sehen aus wie eine Tafel Schokolade. Nur bestehen die einzelnen Stücke aus Mini-Goldbarren von 1 Gramm. Eine Grösse, die sich zur Not auch als Zahlungsmittel einsetzen lässt.