Flirts, Knatsch, Soloreisen
Ferien und die Liebe – ein kompliziertes Paar

Endlich Ferien. Singles flirten, Paare zoffen sich, oder eine regt sich auf, weil der andere ohne sie verreisen will. Wir klären drei Fragen rund um Ferien und Beziehungen.
Kommentieren
1/8
Ein Ferienflirt ist für viele die Kirsche auf der Torte.
Foto: Getty Images

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Ferienflirts enden selten ernst: Nur 5 Prozent der Schweizer Paare lernten sich so kennen
  • Erste Paarferien: Fast 50 Prozent trennen sich danach laut internationalen Umfragen
  • Umfrage zeigt: 50 Prozent finden partnerlose Ferien okay, 30 Prozent bevorzugen Paarzeit
familienbloggerin_sandra_c_2.jpg
Sandra CasaliniRedaktorin

Kann aus einem Ferienflirt eine ernste Beziehung werden?

Dass man sich in den Ferien ein bisschen verknallt, kommt vor allem in jungen Jahren öfter mal vor. Meist ungeplant, denn laut Umfragen sucht nur jede zehnte Person in den Ferien aktiv nach einer Liebelei. Trotzdem kennen wohl viele das Gefühl, dass einem auf Reisen sehr viele Menschen sehr attraktiv vorkommen. Das mag zum einen sicherlich an gebräunten Körpern und exotischen Looks liegen, vor allem aber auch an der lockeren Stimmung weit weg von den Sorgen des Alltags. So haben die romantischen Feriengefühle oft weniger mit der Zielperson zu tun, sondern mehr mit der Umgebung, sagt Blick-Psychologin Ramona Zenger: «Ich glaube, wir verlieben uns in den Ferien oft nicht in einen Menschen, sondern in eine Version von uns selbst, die wir im Alltag vermissen.» Fernab von Schulbank oder Schreibtisch wird das scheue Reh zur sexy Salsatänzerin und der Tüpflischiisser zum locker-flockigen Lebemann. Da verliebt es sich natürlich viel leichter. 

Ferienflirts sind oft nicht alltagstauglich, sagt Blick-Psychologin Ramona Zenger.
Foto: Raphaël Dupain

Von Dauer ist das selten. Nur gut ein Viertel der Paare, die sich an der Strandbar oder am Hotelpool gefunden haben, sieht sich nach den Ferien wieder. Gerade mal fünf Prozent der Schweizer Paare haben sich auf diese Weise kennengelernt. «Ferien konstruieren soziale Kontexte, aus denen sich nicht auf Alltagstauglichkeit schliessen lässt», sagt Ramona Zenger. So sehen sich die meisten nach Sonne, Spass und süssem Nichtstun mit der Option einer Fernbeziehung konfrontiert. Aber nicht nur Distanz, Sprache und Kultur können zu Stolpersteinen werden. Selbst wenn der Ferienflirt zufälligerweise aus dem Nachbardorf stammt, muss die Begegnung in den Ferien nicht unbedingt superromantisches Schicksal sein. «Wenn das Setting nicht mehr so entspannt ist, bemerkt man relativ schnell Störendes am oder an der anderen», so Zenger. Will heissen: Wenn der locker-flockige Lebemann wieder zum Tüpflischiisser wird, geht die Anziehungskraft relativ schnell flöten. Wer es trotzdem versuchen will, dem rät Ramona Zenger dazu, Erwartungen so früh wie möglich zu klären. Und ehrlich zu reflektieren, wie viel man bereit ist, in die Beziehung zu investieren. Dann wird aus dem Ferienflirt vielleicht tatsächlich eine unendliche Geschichte. 

Warum werden Paarferien so oft zum Beziehungstest?

Die ersten gemeinsamen Ferien als Paar haben es in sich: Internationale Umfragen zeigen, dass sich fast die Hälfte aller Paare danach trennt. «Wer zum ersten Mal über eine längere Zeit 24 Stunden am Tag zusammen ist, bekommt Dinge mit, denen man sich vorher nicht bewusst war», sagt Ramona Zenger. Während man sich bei einem gemeinsamen Wochenende noch Mühe gegeben hat, die Zahnpasta nicht an den Badezimmerspiegel zu prusten, denkt man spätestens ab dem vierten Tag nicht mehr daran. Und auch wenn die Nachteule jeweils am Samstagabend gern mal etwas früher zum frühen Vogel unter die Decke kriecht, wird der unterschiedliche Rhythmus nach ein paar Tagen zum Problem. «Diese kleinen alltäglichen Situationen sind meist die Auslöser für die Trennung», so die Blick-Paartherapeutin. Oft spielen auch Entscheidungsdynamiken eine Rolle – wer kontrolliert das Budget, wer reserviert und so weiter – oder Verhalten gegenüber Drittpersonen, zum Beispiel dem Servicepersonal. «Da ist schon manche und mancher ganz schön auf die Welt gekommen.»

Aber nicht nur die ersten Ferien bergen Konfliktpotenzial. Laut Studien hat sich ein Viertel der Schweizerinnen und Schweizer schon mal während oder nach den Ferien aus einer Beziehung verabschiedet. Während man sich im Alltag hinter tausend kleinen Dingen verstecken kann, ist man in den Ferien ständig miteinander – und mit sich selbst – konfrontiert. «Nur schon, dass man viel mehr Zeit miteinander verbringt, erhöht das Konfliktpotenzial», so die Expertin. Dazu kommen oft unterschiedliche Erwartungen. Die eine möchte endlich mal zusammen was erleben, der andere will am liebsten jeden Tag am Strand liegen, das führt oft zu Frust auf beiden Seiten. Und noch etwas führt dazu, dass die Zeit nach den Ferien unter Psychologinnen als Hochsaison für Knatsch gehandelt wird. Zenger: «Viele vermeiden Streit vor und während des Urlaubs, um die Stimmung nicht zu trüben. Der Konflikt ist damit natürlich nicht aus dem Weg. Und nach den Ferien knallt es dann umso heftiger.» Also lieber mal am Strand zoffen und sich bei einem Drink versöhnen als nach der Rückkehr separate Wege gehen.

Ist es in Ordnung, ohne den Partner oder die Partnerin zu verreisen?

An dieser Frage scheiden sich die Geister. Laut einer aktuellen Umfrage unter der Zuhörerschaft des Blick-Podcasts «intim & laut» hat gut die Hälfte der Befragten kein Problem damit, wenn der oder die Liebste allein oder im Freundeskreis verreist. 30 Prozent sind der Meinung, Ferienzeit ist exklusive Paar- oder Familienzeit. Der Rest findet es in Ordnung, wenn die Partnerin oder der Partner mit anderen verreist, vorausgesetzt, es sind keine Personen des anderen Geschlechts dabei. 

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.

Paartherapeutin Ramona Zenger sieht diese Sache recht pragmatisch: «Gerade wenn man ein Hobby hat, das der oder die andere nicht teilt, sollte es doch kein Problem sein, wenn man mal eine Woche mit Gleichgesinnten zum Fischen oder zum Wandern geht.» Oder wenn man halt mal ein paar Tage in der Gesellschaft von jemand anderem verbringen möchte. «Schwierig wird es, wenn man sozusagen ersetzt wird», so Zenger. Dass man keine Freude hat, wenn der Liebste plötzlich lieber mit den Kumpels vom Jass-Stammtisch ins Romantikhotel fährt, in dem man sonst immer gemeinsam war, ist verständlich. «Und auch wenn man alle Ferien getrennt verbringen möchte, muss man mal über die Beziehungsbücher. Gemeinsame Erlebnisse wie Ferien sind identitätsstiftend für Paare.» Partnerlose Reisen sind also ein bisschen wie die Drinks an der Strandbar: Die Dosis macht das Gift.

Externe Inhalte
Möchtest du diesen und weitere externe Beiträge (z.B. Instagram, X und anderen Plattformen) sehen? Wenn du zustimmst, können Cookies gesetzt und Daten an externe Anbieter übermittelt werden. Dies ermöglicht die Anzeige externer Inhalte sowie von personalisierter Werbung. Deine Entscheidung gilt für die gesamte App und ist jederzeit in den Einstellungen widerrufbar.
Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen