Streit um Vogel
Twitter ist zurück – ohne Elon Musk

Ein Start-up lanciert den Kurznachrichtendienst Twitter neu: mit Vogel-Logo, Tweets und Retweets. Die Gründer behaupten, X habe die Markenrechte aufgegeben. Ein Richter gibt ihnen mündlich recht. Die Frage bleibt, ob das Comeback gelingt.
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So begrüsst twitter.now seine ersten Nutzer. Seit Montag ist das Netzwerk online.
Foto: Tobias Bolzern

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Operation Bluebird lanciert twitter.now – mit Tweets und Vogel-Logo
  • Ein US-Gericht deutet an: X hat die Markenrechte an Twitter aufgegeben
  • Bisher konnte keine Alternative das frühere Twitter wirklich ersetzen
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Tobias BolzernRedaktor Digital

44 Milliarden Dollar! So viel bezahlte Elon Musk 2022 für den Kurznachrichtendienst Twitter. Den Namen warf er weg. Heute nennt er die Plattform x.com.

Jetzt will sich ein Start-up den alten Namen schnappen. Seit dieser Woche ist unter twitter.now eine erste Version der Website online – mitsamt weissem Vogel-Logo auf blauem Grund. Es gibt Tweets, Retweets – und erinnert stark an das alte Twitter, nur eben ohne Musk. Dahinter steckt Operation Bluebird aus dem US-Bundesstaat Virginia. Der Mitgründer Stephen Coates arbeitete früher als Anwalt bei Twitter. Sein Argument: Als Musk die Plattform in X umbenannte, gab er die Rechte am Namen, am Logo und am Wort «Tweet» auf. «Wir haben ein Produkt und haben Monate auf die Lancierung gewartet», sagt Coates dem Techportal Ars Technica.

Der Rechtsstreit läuft

Musks X wehrt sich vor Gericht und verlangt, den Start zu stoppen. Doch bereits im April deutete US-Bundesrichter Colm Connolly mündlich an, X habe die Rechte am Wort «Tweet» und am Vogel-Logo tatsächlich aufgegeben – und möglicherweise sogar am Namen Twitter. Ein schriftliches Urteil fehlt.

Entschieden sei der Fall längst nicht, sagt der Markenanwalt Josh Gerben, der den Streit seit Monaten verfolgt, zu Ars Technica. Mit dem Start von twitter.now habe das Start-up den Einsatz erhöht – X werde wohl mit voller Härte zurückschlagen. Gerben sagt mit einem Augenzwinkern: Man solle schon einmal das Popcorn parat machen. Ganz losgelassen hat X die Marke nämlich nie: Wer twitter.com im Browser eintippt, landet noch immer bei Musk.

KI prüft Fakten

Eine 1:1 Kopie des alten Twitter will die Plattform laut Coates allerdings sowieso nicht werden, wie er selbst auf linkedin.com schreibt. Er verspricht eine Plattform, auf der Nutzerinnen und Nutzer selbst entscheiden, was in ihrem Feed landet – und nicht ein Algorithmus. Coates Leitsatz: «Redefreiheit ja, garantierte Reichweite nein.» Eine KI auf Basis von Googles Gemini soll Beiträge automatisch auf Fake News prüfen.

Bisher gibt es erst ein paar Hundert Nutzer auf der Plattform, schreibt Ars Technica. Und Beitreten ist nicht kostenlos. Wer 20 Dollar als «Gründungsmitglied» einschiesst, erhält vorab Zugriff auf twitter.now und kann sich den gewünschten Nutzernamen sichern. 

Warten auf Erben

Seit Musks Übernahme der Plattform kehrten viele Nutzer X den Rücken. Mastodon, Bluesky, Threads und zuletzt W Social versuchen, diese Lücke zu füllen. Vergeblich: Threads zählt über 400 Millionen monatliche Nutzer, Bluesky rund 35 Millionen Registrierte, Mastodon etwa 1 Million – bei der Reichweite bleibt X vorne. Coates kümmert das nicht. Seine Ankündigung endet mit den Worten: «Get over your X. The bird is back.» Komm über X hinweg. Der Vogel ist zurück. Ob dieser fliegt, muss sich noch zeigen.

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