iPhone Duo im Test
Apples erstes Falthandy – so verspielt war noch kein iPhone

Blick-Digitalredaktor Tobias Bolzern hat das iPhone Duo eine Woche lang getestet. Ab 1999 Franken gibt es einen ausdauernden Akku und ein XXL-Display – aber auch eine Schwäche.
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Erstes Falthandy von Apple: Blick-Digitalredaktor Tobias Bolzern hat das iPhone Duo getestet. Das Gerät bietet einige verspielten Elemente, etwa um beim Fotografieren die Aufmerksamkeit auf die Kamera zu lenken.
Foto: Luis Konitzer

Darum gehts

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Tobias Bolzern: Digital Redaktor bei Blick.
Tobias BolzernRedaktor Digital

«Cheap and crappy», billig und mies – so hätten sich die ersten Falthandys in den 2010er-Jahren angefühlt, sagt der frischgebackene Apple-Chef John Ternus dem «Time»-Magazin. Mit dem iPhone Duo bringt Apple diese Woche selbst sein erstes Falthandy heraus.

Apple liess sich Zeit. Viel Zeit. Schon 2011 reichte der Ingenieur Ternus mit fünf Kollegen ein Patentgesuch für ein faltbares Gerät ein. 15 Jahre später lanciert er das Ergebnis jetzt als Chef der Firma. Nach einer Woche mit dem Handy ist klar: Das iPhone Duo überzeugt – fast auf der ganzen Linie.

Lesen, Videos schauen, Fotos bearbeiten. Geöffnet macht das iPhone Duo besonders viel Spass.
Foto: Tobias Bolzern

Pass mit Scharnier

Zugeklappt ist das Gerät so gross wie ein Pass und mit 11,3 Millimetern knapp 3 Millimeter dicker als ein normales iPhone. Der Bildschirm aussen misst 5,4 Zoll, so viel wie einst beim iPhone 12 mini. Ein bisschen Nostalgie.

Etwas dicker: iPhone Duo (links) im Vergleich zum iPhone 18 Pro.
Foto: Tobias Bolzern

Mir reicht das im Alltag oft, das Duo bleibt zu. Das zahlt sich aus. Am Sonntag um 5 Uhr habe ich das Gerät vom Kabel genommen. Am Montag um 8 Uhr zeigte es noch 40 Prozent – nach 27 Stunden. Dabei war der Stromsparmodus an, und am Sonntag habe ich das Gerät nur wenig genutzt. Es war der beste Wert der Woche. Klappe ich das Handy häufiger auf, muss es am Abend immer an die Steckdose. Die Akkukapazität nennt Apple nur im EU-Energielabel: Es sind 4883 Milliamperestunden, verteilt auf zwei Zellen. Also mehr als beim iPhone 18 Pro, etwas weniger als beim 18 Pro Max.

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Blick-Digitalredaktor hat es eine Woche lang getestet:Was taugt das neue Iphone Duo?

Innen eine Wucht

Klappt man das Duo auf, wird aus dem Pass ein Mini-Tablet mit 7,6 Zoll. Und der Bildschirm ist eine Wucht. Er ist matt, spiegelt wenig und bleibt selbst in der Sonne gut lesbar. Das Seitenverhältnis entspricht ungefähr einem A4-Blatt. Lesen damit macht besonders Spass, auch abends, weil sich der Bildschirm gut abdunkeln lässt. Das Bild wird innen bis zu 120-mal pro Sekunde aufgefrischt. Auch das Gucken von Videos oder das Bearbeiten von Fotos ist top. Die Falte in der Bildschirmmitte spüre ich im Alltag nicht und bei eingeschaltetem Bildschirm ist sie de facto unsichtbar. Nützlich wird der XXL-Bildschirm beim Multitasking. Zwei Apps laufen nebeneinander. Links sucht man im Browser etwa nach einem Restaurant, rechts zeigt die Karte den Weg vom Hotel. So erübrigt sich das Wechseln zwischen Apps.

Das XXL-Display des iPhone Duo ist selbst bei Sonnenlicht noch gut lesbar.
Foto: Tobias Bolzern

Spielzeug für Erwachsene

Auf dem Duo läuft eine angepasste Version von iOS. Den Platz und das Falten nutzt Apple zum Experimentieren. Schon das Aufklappen mit seinem Unschärfe-Effekt ist ein Erlebnis. Und Apps wischt man zum Minimieren an den Rand, wie eine Jasskarte auf den Tisch. Es ist das verspielteste iPhone bisher. Entwickler können zudem auslesen, wie weit das Scharnier offen ist. Das führt bereits zu herrlich unnützen Ideen: Im Spiel «Toastie» toastet man sich das Brot (virtuell) zwischen den Bildschirmhälften. Bei der Prototypen-App «Accordion» wird das Duo gar zum Handörgeli.

Kamera ohne Mega-Zoom

Das Duo hat eine Haupt- und eine Ultraweitwinkelkamera, aber kein Teleobjektiv. Der Zweifachzoom ist bloss ein Bildausschnitt. Die Hauptkamera liefert Bilder auf dem Niveau des iPhone 18 Pro, ihr fehlt aber die variable Blende. Eher schwach ist die Kamera hinter dem inneren Display, sobald das Licht nachlässt oder seitlich ins Bild strahlt. Siehe Bildstrecke.

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Das iPhone Duo hat insgesamt vier Kameras. Zwei davon (je 48MP) auf der Rückseite. Nachfolgend Bilder, die mit dem Falthandy geknipst wurden.
Foto: Tobias Bolzern

Daumen statt Gesicht

Der grösste Kritikpunkt: Die Gesichtserkennung Face ID fehlt komplett, stattdessen steckt ein Fingerabdrucksensor in der Seitentaste. Bei Face ID genügt ein Blick aufs Display, beim Duo muss jedes Mal ein Finger auf die Taste. Aufgeklappt ist das kein Problem. Zugeklappt braucht es bei mir etwas Fingerakrobatik, oder man dreht das Handy ab. Immerhin: Das Entsperren selbst kann eine Apple Watch übernehmen. Das macht es deutlich angenehmer, ist aber nur die halbe Miete. Erstens haben nicht alle eine Apple-Uhr. Und zweitens entsperrt die Watch nur das Handy. Für alles andere – wie Apple Pay, Twint, das SBB-Billett, den Passwortmanager oder gesperrte Apps – will das Duo weiterhin von dir den Finger. Das summiert sich im Alltag.

Das iPhone Duo wird mit dem Finger entsperrt – oder alternativ mit einer Apple Watch.
Foto: Tobias Bolzern

Fragt sich, wieso Apple beim teuersten iPhone auf Face ID verzichtet. Das iPhone Air ist praktisch gleich dünn und hat Face ID. Allerdings hat es auch einen Kamerabalken, der vermutlich mehr Platz bietet. Wahrscheinlich ist es wohl eine pragmatische Lösung. Denn wohin mit der Gesichtserkennung, aussen, innen oder doppelt? Der Sensor in der Taste funktioniert immer, egal ob das Duo auf- oder zugeklappt ist. An den Fingergriff gewöhnt man sich mit der Zeit. Ein Rückschritt beim Komfort bleibt es trotzdem.

Manchmal ein Mäusekino

Whatsapp, Youtube, Instagram, Gmail und viele andere beliebte Apps sind bereits vor dem Verkaufsstart für das grosse Display angepasst worden. Bei den Schweizer Apps ist das Bild gemischt (Stand 21. Oktober). Schon bereit ist die Blick-App, aber auch die Apps von Migros, Threema oder Swiss. Die von den SBB, Swisstopo, Twint, Coop, Galaxus und Meteo Schweiz noch nicht. Solche Apps bleiben aufgeklappt klein in der Mitte, eine Art Mäusekino. Man kann sie hochskalieren, dann sehen sie aber aus wie auf einem Seniorenhandy. Es ist aber davon auszugehen, dass in den kommenden Tagen noch viele folgen werden.

Sind die Apps fürs iPhone Duo angepasst, wie hier Apples Health-App, bieten sie deutlich mehr Infos im Vergleich zum «kleinen» Display des iPhone 18 Pro rechts.
Foto: Tobias Bolzern

Ein teurer Spass

Bleibt der Preis: Mindestens 1999 Franken kostet das Duo. Dafür bekäme man fast schon zwei iPhone Air. Und wer jetzt bestellt, wartet laut Apple bis Ende Januar. Teuer kann auch ein Schaden werden. Ein neues Innendisplay kostet laut Apples Reparaturliste 999 Franken. Immerhin: Die oberste Schicht des Innendisplays lässt sich bei kleinen Kratzern ersetzen, für 45 Franken. Wer bei Apple eine Versicherung abschliesst (ab 329 Franken für zwei Jahre), zahlt noch 19 Franken, für ein neues Innendisplay 99 Franken. Offen ist, wie Scharnier und Falte in zwei, vier oder gar sechs Jahren aussehen. Das kann nach einer Testwoche noch niemand sagen. Immerhin ist das Duo staubdicht und wasserfest (IP68). Denn Staub gilt als eine der grössten Gefahren für das Scharnier eines Falthandys.

Besser nichts kaputtmachen: Ohne Applecare kostet die Reparatur des XXL-Bildschirms eine schöne Stange Geld.
Foto: Tobias Bolzern

Billig ist auch die Konkurrenz nicht, mies schon lange nicht mehr. Samsung verlangt für das Galaxy Z Fold 8 Ultra 1899 Franken. Eine Nische sind sie geblieben. Weltweit machen sie laut den Marktforschern von Counterpoint nur 2 Prozent aller Smartphones aus. Analysten rechnen dennoch bis Ende Jahr mit bis zu sechs Millionen ausgelieferten Falt-iPhones. Verraten werden es aber nicht die Prognosen, sondern der Blick durch das Zugabteil, wenn es links und rechts plötzlich faltet.

Die Voraussetzungen dafür hat Apple geschaffen. Die Falte ist praktisch unsichtbar, das Scharnier wirkt solide, die Software ist durchdacht. So ausgereift sieht man eine erste Generation selten. Wer unterwegs viel und gerne liest, auch mal Fotos bearbeitet, oft Videos schaut oder mal mehrere Apps gleichzeitig nutzt, bekommt mit dem Duo zwei Geräte in einem: Handy und Mini-Tablet. Wer den XXL-Bildschirm hingegen kaum braucht, zahlt beim Duo den Aufpreis für wenig Mehrwert. Ich selbst bin irgendwo dazwischen: Ich klappe das Duo seltener auf, als ich gedacht hätte. Aber jedes Mal gerne. Nur der Daumen auf der Seitentaste erinnert mich daran, was Apples erstem Falthandy fehlt.

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Transparenz bei Blick

Dieses Gerät wurde Ringier Medien Schweiz vom Hersteller für den Test zur Verfügung gestellt. Der Hersteller hat keinerlei Einfluss auf die redaktionelle Berichterstattung.

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