Darum gehts
- Geteilte Claude-Chats mit vielen intimen Details standen in der Google-Suche
- Betroffen ist nur, wer in Claude den Teilen-Knopf gedrückt hat
- Anthropic sieht keinen Fehler, OpenAI stolperte vor einem Jahr gleich
Detaillierte Arztberichte mit Patientennamen. Der geheime Schlüssel zu einem Krypto-Wallet. Namen von Primarschülern samt Telefonnummern. Und die Frage eines Anwalts, ob er sich selbst anzeigen solle. Das alles stand am Wochenende in der Google-Suche, abrufbar mit nur einem Befehl aus 20 Zeichen: «site:claude.ai/share».
Wer diesen Befehl bei der Google-Suche eintippte, erhielt eine lange Liste mit geteilten Gesprächen mit Claude, dem Chatbot der US-Firma Anthropic. Als Erstes stiessen Nutzer der Onlineplattform reddit.com auf die teilweise intimen Chat-Verläufe. Wie aber landeten diese bei Google?
Ein Link für alle
Jeder Nachrichtenverlauf mit Claude hat oben rechts einen Teilen-Knopf. Wer darauf klickt, erzeugt eine Web-Adresse. Wer sie kennt, kann mitlesen – ohne Konto und ohne Passwort. Beim Teilen weist der KI-Chatbot darauf hin, dass der Link öffentlich ist. Von Suchmaschinen wie Google steht aber nichts. Doch deren Crawler erfassen öffentliche Seiten automatisch, sobald irgendwo ein Verweis darauf auftaucht.
Das sagt Anthropic
Auf Anfrage von heise.de erklärt Anthropic, die Freigabe-Links seien nur auffindbar, wenn Nutzer sie selbst öffentlich teilten. Verzeichnisse oder Inhaltslisten der Chats liefere man Suchmaschinen nicht. Erraten lasse sich eine solche Adresse ebenfalls nicht.
Google weist die Verantwortung zurück. Ein Sprecher erklärt gegenüber techcrunch.com, weder Google noch eine andere Suchmaschine bestimme, welche Seiten öffentlich sind. Das entscheide der Betreiber einer Seite. Dafür genügt ein kurzer Befehl im Quelltext: «noindex». Steht er drin, lässt Google die Seite aus. Fehlt er, wandert sie in den Suchindex. Mittlerweile liefert Google dazu keine Treffer mehr. Wer eingegriffen hat, ist unklar: Google, Anthropic oder die Nutzer selbst, die ihre Links löschten.
Ganz neu ist der Fall indes nicht. Vor einem Jahr schon berichtete «Forbes» über indexierte Claude-Chats. Anthropic erklärte damals, man hindere Suchmaschinen aktiv am Crawlen. Betroffene sagten, sie hätten ihre Links nie öffentlich gepostet.
OpenAI stolperte 2025
Ende Juli 2025 traf es ChatGPT. Der Befehl «site:chatgpt.com/share» förderte rund 4500 Chats zutage. Schuld war ein Häkchen im Teilen-Fenster: «Make this chat discoverable», darunter klein der Hinweis auf die Websuche. Viele klickten es an, ohne dabei die Folgen zu kennen. Am 31. Juli 2025 strich OpenAI die Funktion.
Bin ich betroffen?
Betroffen ist nur, wer den Teilen-Knopf gedrückt hat. Normale Gespräche bleiben im Konto. Wer prüfen will, öffnet in Claude die Einstellungen, dann Datenschutz, dann «Geteilte Chats» und «Geteilte Artefakte». Dort findet man alle Links, die man je erstellt hat. Generell gilt: Einiges gehört sowieso nie in einen KI-Chatbot, egal ob Claude, ChatGPT oder Gemini: Passwörter, Wallet-Schlüssel, Patientendaten, Kundenlisten. Was ein Chatbot nie gelesen hat, findet auch niemand bei Google.