Achtung, FBI liest mit!
Diese iPhone-Funktion verrät deine geheimen Chats

Die App war längst gelöscht. Der Chat trotzdem noch da. Das FBI hat in einem Prozess bewiesen, wie es zuvor gelöschte Nachrichten des Signal-Messengers von einem iPhone wiederherstellte.
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Das FBI hat in einem Prozess in den USA Signal-Nachrichten wiederhergestellt, obwohl diese zuvor von der Angeklagten Lynette S. gelöscht worden waren.
Foto: Tobias Bolzern

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • FBI las gelöschte Signal-Chats trotz deinstallierter App
  • Ein Zwischenspeicher für Benachrichtigungen verriet alles
  • Eine einfache Einstellung bei Signal schützt davor
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Tobias BolzernRedaktor Digital

App deinstalliert, Daten weg – könnte man meinen. Lynette S.* hat auf die harte Tour gelernt, dass das so nicht stimmt. S. hatte den sicheren Messenger Signal gelöscht, ihre Nachrichten auf automatisches Verschwinden eingestellt. Doch vor Gericht lagen ihre Chats plötzlich auf dem Tisch, wiederhergestellt vom FBI aus einem Speicher, von dem die meisten iPhone-Nutzer nicht mal wissen, dass er existiert.

Die 57-jährige S. gehörte zu einer Gruppe, die 2025 Feuerwerkskörper auf ein Abschiebezentrum der US-Grenzbehörde ICE im texanischen Alvarado abfeuerte. Bei der Aktion wurde ein Polizist verletzt. Das FBI beschlagnahmte während der Ermittlungen mehrere Handys und wertete sie forensisch aus. Lynette S. bekannte sich schuldig. Ein Urteil steht noch aus.

Benachrichtigungen als Beweis

Jedes Mal, wenn eine Nachricht eintrifft und als Vorschau auf dem Sperrbildschirm aufploppt, speichert das iPhone diese Informationen in einem internen Zwischenspeicher, der Push-Notification-Datenbank. Der Speicher wird allerdings nicht automatisch geleert. Selbst wenn man die App deinstalliert und die Nachrichten längst gelöscht sind, bleiben Spuren erhalten.

FBI-Agent Clark Wiethorn bestätigte dies im Prozess als Beweisstück 158: «Die Nachrichten wurden über den internen Benachrichtigungsspeicher von Apple wiederhergestellt. Signal war zwar deinstalliert, doch die eingehenden Benachrichtigungen waren im internen Speicher erhalten geblieben.» Nur eingehende Nachrichten waren betroffen. Ausgehende blieben unauffindbar.

Kein Problem von Signal

Das klingt nach einer Sicherheitslücke bei Signal. Ist es nicht. Das Problem steckt im iPhone und betrifft prinzipiell jede App, die Benachrichtigungen anzeigt. Egal ob Whatsapp, Telegram oder iMessage: Wer die Vorschauen auf dem Sperrbildschirm aktiviert hat, hinterlässt Spuren im Zwischenspeicher. Signal-Chefin Meredith Whittaker hatte bereits früher betont, dass Push-Benachrichtigungen von Signal verschlüsselt übertragen werden. Das FBI hingegen hatte physischen Zugriff auf das Smartphone und konnte mit dem Forensik-Tool Cellebrite den lokalen Zwischenspeicher auslesen.

So schiebt man dem Problem den Riegel

Signal bietet eine Einstellung, die genau das verhindert. Wer sie aktiviert, schickt Benachrichtigungen ohne Inhalt und ohne Absendernamen auf den Sperrbildschirm. Damit landet auch nichts mehr in der Datenbank. Allerdings sieht man dann auch nicht mehr, wer einem geschrieben hat. So geht es: Signal öffnen → Einstellungen → Mitteilungen → Mitteilungsinhalt → «Kein Name und Inhalt» wählen. Wer auf der sicheren Seite sein will, kann Benachrichtigungen in iOS auch komplett abschalten.

Der Fall wirft Fragen auf: Warum leert Apple diesen Zwischenspeicher nicht regelmässig? Warum bleiben Daten dort, auch wenn die App längst weg ist? Sowohl Apple wie auch Signal haben sich bis heute nicht öffentlich zum Fall geäussert.

*Name bekannt

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