Darum gehts
- Pläne für das weltgrösste Games-Archiv scheitern am Geld
- Sony produziert ab 2028 keine Playstation-Discs mehr
- Kritiker warnen: Occasionkäufe und Spieletausch fallen weg
Über 48'000 Spiele auf Cartridges, Floppy-Disketten, CDs und Blu-rays. Dazu ellenlange Handbücher, Verpackungen und Hardware. Seit 2012 sammelte die Internationale Computerspielesammlung (ICS) in Berlin, was die Gaming-Geschichte so hergibt. Am Freitag kam die Hiobsbotschaft: Das Projekt steht vor dem Aus – aus finanziellen Gründen.
1,5 Millionen Euro steckten das Land Berlin und der deutsche Bund bisher in den Aufbau der geplanten «weltweit grössten Sammlung digitaler Spiele». Jetzt läuft die Förderung aus. Die gesammelten Games bleiben bei den Partnern, etwa beim Computerspielemuseum in Berlin, berichtet die Plattform Games Wirtschaft. Die Zukunft für ein dauerhaftes, öffentliches Archiv ist ungewiss.
Sony beerdigt die Disc
Das Timing könnte kaum bitterer sein. Letzte Woche kündigte Game-Gigant Sony an, ab Januar 2028 keine physischen Game-Discs für die Playstation mehr zu produzieren. Neue Titel gibt es ab dem Datum nur noch digital oder mit einem Download-Code in der Plastikbox im Regal. Sony begründet den Schritt mit dem Kaufverhalten seiner Kundschaft. Pikant aber: In den USA hatten laut dem Marktforscher Circana zuletzt 73 Prozent der verkauften PS5-Konsolen ein Laufwerk. Bemerkenswert ist: Der Konzern verdankt der Disc seinen Aufstieg im Game-Geschäft. Die Playstation 2 war ab dem Jahr 2000 für viele Haushalte schlicht der günstigste DVD-Player im Laden. 160 Millionen Mal verkaufte sie sich, bis heute Rekord. Die Playstation 3 wiederholte den Trick: Sie verhalf der Blu-ray zum Sieg über die HD-DVD.
Wie schnell gekaufte digitale Inhalte verschwinden können, zeigt Sony gleich selbst. Am 1. September 2026 will der Konzern 551 Filme aus den Bibliotheken von europäischen Nutzern löschen. Denn eine Lizenzvereinbarung ist ausgelaufen. Darunter sind Titel wie «Terminator 2», «Apocalypse Now», «Total Recall», «Hot Fuzz» oder «Pan's Labyrinth». Entschädigung für Betroffene gibt es keine. Und: Gleichzeitig schliesst Sony die Online-Stores für die Playstation 3 und die Handheld-Konsole PS Vita: dieses Jahr in ersten Märkten, ab 2027 weltweit.
«Schlag gegen Konsumentenrechte»
Genau davor warnt Gaming-Journalistin Vikki Blake. Gegenüber BBC nennt sie Sonys Entscheid einen «Schlag gegen Konsumentenrechte». Besonders hart treffe es die Gamer mit wenig Geld: Sie tauschen Spiele, leihen sie von Freunden oder kaufen Occasion – bei Preisen von 70 Franken und mehr pro Titel oft der einzige Weg. All das fällt weg, wenn Spiele nur noch als Lizenz in einem Benutzerkonto existieren. Blake erinnert daran, dass Sony vor einer Konsolengeneration noch Werbespots schaltete, wie einfach sich PS4-Spiele teilen lassen. Ihr Kommentar: «Es ist nicht mehr lustig, oder?»
Ein US-Spielehändler wird noch deutlicher. Der Entscheid sei «ein Angriff auf alle, die Games lieben und auf das Recht, Käufe zu besitzen», sagt ein Sprecher von Lootbox Gaming der BBC. Auch aus der Branche hagelt es Kritik. Michael Douse, Publishing-Chef bei Larian Studios («Baldur's Gate 3»), schreibt, der Entscheid breche ihm das Herz. Der US-Publisher Iam8bit, spezialisiert auf Sammler-Editionen, zeigt sich «zutiefst enttäuscht» und schliesst das Statement mit: «Lang lebe das physische Medium.»
Kojima hortet Blu-rays
Auch Hideo Kojima (62), Schöpfer der Kult-Games «Metal Gear Solid» und «Death Stranding», äusserte sich an einem Filmfestival in Rom besorgt. «Ich bin mit physischen Medien aufgewachsen, deshalb finde ich das traurig», sagte er laut einer Übersetzung des Branchendienstes Genki. Er kaufe derzeit selbst viele Blu-rays und CDs. Beim Streaming besitze man die Daten nicht mehr: Ändere sich die politische Lage oder ein Anbieter, sei der Zugriff weg. «Das ist beängstigend. Was 2028 mit Videospielen passiert, könnte auch mit Filmen passieren», warnt er.
Pizza als Download?
Im Netz hagelt es nach Sonys Ankündigung Spott. Domino's UK antwortete etwa: Das ergebe ungefähr so viel Sinn, wie wenn die Kette auf digitale Pizzas umstellen würde. Einen Tag später legte Domino's mit einer gefälschten Pressemitteilung nach: Ab 1. April 2027 gebe es bei ihnen nur noch Pizza-Codes zum Herunterladen – der Post sammelte über 16,5 Millionen Views. Den frechsten Konter lieferte Github, die Code-Plattform von Sony-Konkurrent Microsoft. Sie brennt Programmierern ihren öffentlichen Code auf CD-ROM. Die Aktion ist limitiert auf 1000 Stück.