Leser zur Bargeld-Debatte
«Freiheit hat kein Preisschild!»

Bargeld kostet die Schweiz Millionen – doch unsere Leser stört das kaum. Für sie steht mehr auf dem Spiel: Freiheit, Datenschutz und die Kontrolle über das eigene Geld.
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Eine Initiative will Schweizer Münz ...
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

  • Hohe Kosten für Bargeldinfrastruktur
  • Blick-Umfrage: 63 % akzeptieren Kosten als notwendig
  • Freiheit und Datenschutz als Hauptargumente
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Sarah RiberzaniRedaktorin Community

Hinter dem vertrauten Klang von klimpernden Münzen und dem Rascheln von Banknoten steckt eine überraschend teure Infrastruktur: Jährlich zahlt die Schweiz mehrere Hundert Millionen Franken, um das Bargeld am Leben zu erhalten.

Eine Studie der Schweizerischen Nationalbank legt nun offen, wie hoch der Preis für den Bargeldzugang tatsächlich ist. Geldautomaten, Bankfilialen und deren Betrieb verschlingen jährlich zwischen 640 und 880 Millionen Franken. Der grösste Kostenblock entfällt dabei mit 350 bis 490 Millionen Franken auf die Bewirtschaftung der Filialen. Auch die Produktion der Banknoten kostet rund 36 Millionen Franken pro Jahr.

Community akzeptiert die Kosten

Trotz dieser beträchtlichen Summen zeigt eine Blick-Umfrage: Die Mehrheit der Leserinnen und Leser akzeptiert die Ausgaben. 63 Prozent sind der Ansicht, dass diese Kosten schlichtweg dazugehören. Kritischer äussern sich 28 Prozent, die überzeugt sind, dass der Bargeldbetrieb effizienter organisiert werden könnte. Weitere neun Prozent gehen sogar so weit, Bargeld grundsätzlich abschaffen zu wollen.

«Freiheit hat kein Preisschild!»

In den Kommentaren spiegelt sich ein ähnliches Bild wider. «Freiheit hat kein Preisschild! Digitales Zahlen ist auch nicht gratis. Milliarden an Gebühren fliessen jährlich an US-Konzerne wie Visa oder Mastercard», betont Leser Diego De La Vega. Dazu komme der enorme Stromverbrauch der Serverfarmen. «Bargeld ist Freiheit und gelebter Datenschutz. Wer nur auf die Kosten schielt, vergisst den Wert der Unabhängigkeit. Wir wollen keine gläsernen Bürger sein, die per Knopfdruck vom System ausgeschaltet werden können», appelliert er. 

Thomas Ulrichsson warnt: «Kein Bargeld kommt uns noch unendlich viel teurer zu stehen. Das kostet am Ende unsere Freiheit, und der Staat hat die völlige Kontrolle über uns. Nur ein kleines Gedankenspiel. Was wäre alles möglich mit ausschliesslich elektronischem Geld?» 

Auch Rolf Meier weist darauf hin: «Bargeldloses Zahlen schafft Abhängigkeiten, zum einen von Banken, und wie wir wissen, nehmen die gern Gebühren. Ist das Bargeld weg, werden diese bestimmt in die Höhe schiessen. Zum anderen ist da noch die Infrastruktur, IT-Server und das ganze Gerümpel. Da bezahle ich noch x-mal lieber mit dem Fünfliber!» 

Kritische Stimmen zu den Kosten

Doch es gibt auch Leserinnen und Leser, die die hohen Kosten für das Bargeldsystem kritisch sehen. Sabrina Huber schreibt: «Mich nervt es, dass alle so am Bargeld hängen. Es gibt heute so viele einfachere und schnellere Zahlungsmöglichkeiten. Dieses ewige Festhalten an Münzen und Scheinen bremst den Fortschritt und kostet uns unnötig viel Geld und Zeit. Manchmal wünsche ich mir einfach, dass wir mal mutig sind und den Wandel annehmen.»

Michael Schnegg ergänzt: «Kreditkartentransaktionen kosten einen Bruchteil gegenüber dem Bargeld. Glaubt ihr wirklich, es bräuchte keine Rechenzentren, nur weil ihr temporär mit Bargeld herumläuft? Auch Bargeldnutzer können online oder am Bankomaten ihren Kontostand abrufen.» Für Bargeld müssten physische Metalle sowie hochwertige Materialien für den Banknotendruck angeschafft, verarbeitet und verwaltet werden. «Eine solche horrende Logistik ist halt teurer als das Drucken von simplen Plastikkarten, die man sicher und ressourcenschonend auf der ganzen Welt einsetzen kann.» 

Jonas Fischer rät zu einem Mittelweg: «Bargeld sollte nicht komplett abgeschafft werden, da es für viele Menschen nach wie vor wichtig ist. Trotzdem sind die Kosten hoch, und es wäre sinnvoll, über eine Reduktion des Bargeldverkehrs und effizientere Alternativen nachzudenken.»

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