Darum gehts
- 31 Prozent aller Zahlungen erfolgen per Smartphone, Bargeld verliert Marktanteil
- Blick-Umfrage: Mehrheit der Leser führt Bargeld mit, nur 9% komplett bargeldlos
- Kritische Stimmen: Verlust der Kontrolle beim digitalen Zahlen, Gebührenbelastung
Nur noch jeder vierte Einkauf wird heute bar bezahlt. Das zeigt der aktuelle Swiss Payment Monitor der ZHAW und der Universität St. Gallen. Aber nicht nur Bargeld verliert an Bedeutung, sondern auch die Kreditkarte. Inzwischen werden 31 Prozent aller Zahlungen in der Schweiz mit dem Smartphone getätigt. 2019 lag dieser Anteil noch bei drei Prozent. Damit ist das Handy heute das am häufigsten genutzte Zahlungsmittel.
Trotz dieser Entwicklung haben acht von zehn Schweizerinnen und Schweizern weiterhin Bargeld dabei. Laut dem Swiss Payment Monitor befinden sich durchschnittlich etwa 50 Franken im Portemonnaie oder im Hosensack, weitere 200 Franken werden häufig zu Hause aufbewahrt.
Bargeld bleibt bei Lesern beliebt
Auch unsere Community bestätigt diese Entwicklung. Eine Blick-Umfrage mit über 4000 Teilnehmenden offenbart, dass die Mehrheit weiterhin Noten und Münzen mitführt. 41 Prozent gaben an, dass ein «Hunderter-Nötli» für sie zur Grundausstattung gehört. Weitere 32 Prozent haben stets mehr als 50 Franken Bargeld dabei.
Kleinere Beträge sind deutlich seltener: 14 Prozent nehmen weniger als 50 Franken mit, vier Prozent beschränken sich auf etwas Münz. Komplett bargeldlos unterwegs sind nur neun Prozent unserer Leserschaft.
«Wer nur noch mit Handy zahlt, verliert die Kontrolle»
In den Kommentaren zeigt sich ein hitziges Ringen um die Bedeutung von Bargeld. Walter Portmann betrachtet die Entwicklung hin zur bargeldlosen Zahlung mit Skepsis: «Es wird den Leuten ja eingehämmert, dass sie nicht bar bezahlen sollen. Etliche Geschäfte und Restaurants wollen ja nur bargeldlose Zahlungen.» Er ist sich sicher: «Wäre all das anders, würde wohl noch öfters bar bezahlt werden.»
Auch für Leser Torsten Thieme ist klar: «Die ganzen Elektronik-Zahler merken nicht, dass eigentlich sie – respektive wir alle – die Gebühren dafür zahlen, direkt oder indirekt. Ganz abgesehen von der Datensicherheit. Mir stellen sich jedes Mal die Nackenhaare auf, wenn jemand vor mir an der Kasse nicht einmal einen Fünfliber fürs Gipfeli hat und dann auch noch keinen Natelempfang!»
Peter Keller sieht dies ähnlich: «Digital zahlen? Da läuft es mir kalt den Rücken runter. Wer nur noch mit Handy zahlt, verliert die Kontrolle über sein eigenes Geld. Gerade viele junge Leute geraten so schnell in Schulden, weil der unmittelbare Bezug zum Geld fehlt. Bargeld gibt einem eine bessere Kontrolle, man spürt den Wert des Geldes und behält die Ausgaben besser im Griff.»
«Man sollte mit der Zeit gehen»
Doch nicht alle teilen diese Bedenken. Für den 70-jährigen Rentner Christoph Sägesser hat das Sprichwort «Nur Bares ist Wahres» wenig Bedeutung. «Ja, ich habe zwar auch Bares dabei, aber seit Jahren zahle ich nur mit Karte und Smartphone. Hatte noch nie Probleme. Es funktioniert, wenn man will!», schreibt er.
Auch Otto Zwahlen setzt sich der Kritik entgegen: «Die Bargeld-Befürworter kommen immer mit dem Argument, ‹falls der Strom oder die Technik ausfällt›. Ich habe das einmal in zehn Jahren erlebt, und nach ein paar Minuten war alles wieder ok. Auch das Argument, es lohne sich nicht, für einen Franken die Karte zu ziehen: Doch, geht schneller als auf Rückgeld zu warten, und die Kostenkontrolle habe ich auch auf dem Handy. Für mich stimmt es bargeldlos total, aber jedem das Seine.»
Lisa Haller meint abschliessend: «Man sollte mit der Zeit gehen und digitale Zahlungen als praktischen Fortschritt sehen. Sie sind schnell, sicher und erleichtern den Alltag enorm.» Für sie sei es verständlich, dass sich Geschäfte dem Kundenverhalten anpassen müssen. «Trotzdem soll es jedem freistehen, wie er zahlt. Wichtig ist, dass wir den Wandel gemeinsam gestalten.»