«Für mich ist es ein richtiger Freudentag»
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Nach Abstimmungs-Nein:«Für mich ist es ein richtiger Freudentag»

Leser zu Stadt-Land-Graben
«Kommt es zu einer Spaltung in der Schweiz?»

Die Debatte um die 10-Millionen-Initiative zeigt einen tiefen Stadt-Land-Graben: Während ländliche Gemeinden wie Unteriberg SZ überdeutlich Ja stimmten, lehnten dicht besiedelte Städte wie Bern die Vorlage klar ab. Ein Graben spaltet auch die Community.
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Laut Nationalrat Marcel Dettling hätte die SVP-Initiative auf dem Land eine Mehrheit gefunden.
Foto: keystone-sda.ch

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Stadt-Land-Graben prägt Abstimmung zur 10-Millionen-Initiative, Städte sagen deutlich Nein
  • Unteriberg SZ mit 90 Prozent Ja-Anteil, Bern mit 84 Prozent Nein
  • 57 Prozent der Blick-Community befürworten mehr Zuwanderungslasten für Städte
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Eva KunzSenior Community Editorin

Bei der 10-Millionen-Initiative zeigt sich ein deutlicher Stadt-Land-Graben. Mit 84 Prozent hat keine Stadt so deutlich Nein gesagt wie das dicht besiedelte Bern. Und in keiner Gemeinde der Schweiz ist die Ja-Mehrheit deutlicher als in Unteriberg SZ – rund 90 Prozent haben dort ein Ja in die Urne gelegt. Anders ausgedrückt: Ausgerechnet ein kleines Dorf mit nur 53 Einwohnern pro Quadratkilometer (Bern beherbergt auf derselben Fläche 2376) sieht seine Landidylle mehr als jede andere Gemeinde gefährdet.

Und tatsächlich argumentiert der Gemeindepräsident Ruedi Keller (38) gegenüber Blick: Die Folgen der Zuwanderung seien auch in Unteriberg spürbar. Der vergleichsweise günstige Wohnraum ziehe zunehmend Menschen aus hochpreisigen Regionen an, beispielsweise aus der rund zehn Kilometer entfernten Kleinstadt Wädenswil ZH. «Wenn sich eine Familie dort die Miete nicht mehr leisten kann, fährt sie halt eine halbe Stunde weiter und zieht zu uns», so Keller. Dennoch gibt er zu, vom Dichtestress sei man hier weit weniger betroffen als an anderen Orten.

Sollen Städte mehr Zuwanderungslasten tragen?

Dichtestress war eines der Totschlagargumente im Kampf für ein Ja für die Nachhaltigkeits-Initiative. Das Land ist dem tendenziell gefolgt. Die um Welten dichter besiedelten Agglo- und Stadtregionen hingegen nicht – und haben mit einem deutlichen 55-Prozent-Nein die Initiative gebodigt. Sollen sie deshalb jetzt mehr Zuwanderungslasten tragen? Das wollten wir von unserer Community wissen.

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Wenig überraschend sagt eine Mehrheit von 57 Prozent unserer Leserschaft «Ja» dazu: Im Vorfeld der Abstimmung haben die Leserdebatten immer wieder gezeigt, dass die Community mehrheitlich Pro-10-Millionen-Deckel gewesen wäre. Mit der Ja-Antwort tippte die Community auch auf die Argumentation: Die linken Städte wollten ihre Lebensweise dem Land aufdrängen. Man müsse sie deshalb zurückbinden. 43 Prozent klickten auf «Nein». Nein, Gemeinden, die Ja stimmten, hätten tendenziell einen tieferen Ausländeranteil. Sie trügen also schon heute weniger Lasten und sollten nicht klagen. Zudem müsse man das Volks-Nein akzeptieren.

«Schon fast ein Fall für einen Psychoanalytiker»

In den Kommentaren gehen viele der Leserinnen und Leser insbesondere auf die Thematik Stadt-Land-Graben ein – und sind darin ebenso gespalten. Daniel Müller schreibt etwa: «Je ländlicher, je fremdenfeindlicher wurde abgestimmt.» Keine Spur von gefühltem Dichtestress. «Aber sich dann von den steuerstarken Gemeinden subventionieren lassen, das geht.» Chris Hoss bemerkt: «Dort, wo es die wenigsten Ausländer hat, ist deren Ablehnung am grössten – das ist ja schon fast ein Fall für einen Psychoanalytiker.»

Die Schweiz sei eben geteilt in eine Stadt- und Landbevölkerung, so Ernst Meyer. Während die Bergbevölkerung ihre Heimat und traditionelle Lebensweise bewahren wolle, seien viele Veränderungen dort wenig erwünscht. «Willkommen ist da eigentlich niemand, oder man geht als Tourist dann spätestens am Abend wieder zurück in die Stadt.»

«Die Unteriberger haben verstanden, um was es geht»

Unter den Kommentatorinnen und Kommentatoren gibt es aber auch so einige, die das mehr oder weniger geschlossene ländliche Ja feiern und ihre Linie verteidigen. «Die Unteriberger haben verstanden, um was es geht», schreibt etwa Peter Voghler. Köbi Schnyder, selbst vom Land, kommentiert: «Wir wollen auf dem Land keinen Dichtestress. Die Stadt scheinbar schon! Selber schuld.»

Von dort, also der Stadt, sei er wegen Dichtestress aufs Land gezogen, merkt Damian Speer an und gibt offen zu, Ja gestimmt zu haben. Seine Begründung: Selbst in der Gemeinde, in die er gezogen sei, habe sich die Bevölkerung in den letzten 20 Jahren verdoppelt. «Die Leute wohnen auf dem Land, weil sie eben nicht in der engen Stadt wohnen wollen – und stimmen Ja, damit ihr Dorf nicht auch so überfüllt wird.»

«Kommt es zu einer Spaltung in der Schweiz?»

In der Kommentarspalte kristallisiert sich letztlich eine Debatte heraus, die weit über gängige Meinungsbilder zur 10-Millionen-Initiative hinausgeht. Bruce Frey ordnet das Phänomen des Stadt-Land-Grabens in einen grösseren Kontext ein und bemerkt: «Es geht nicht nur um Dichtestress, sondern um maximal unterschiedliche Lebensweisen und Lebenseinstellungen. Wir sind eine Zweckgemeinschaft mit unterschiedlichen kulturellen und sprachlichen Wurzeln.» Vergleiche man Unteriberg mit der Stadt Zürich, «so glaubt man, in verschiedenen Ländern zu sein». Er stellt die Frage: «Kommt es zu einer Spaltung in der Schweiz?»

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