Darum gehts
- Goldküstengemeinden setzen Neophyten-Ranger ein, um invasive Pflanzen zu bekämpfen
- Kritik wegen Kontrollen in Privatgärten, rechtliche Grundlage teils umstritten
- Umfrage: 35 % finden Eingriffe übertrieben, über 3900 Personen nahmen teil
Neophyten wie Kirschlorbeer oder Sommerflieder verdrängen heimische Pflanzen und gelten in der ganzen Schweiz als Problem. Um die invasiven Arten einzudämmen, setzen mehrere Zürcher Goldküstengemeinden, von Zollikon bis Stäfa, auf sogenannte Neophyten-Ranger. Der Auftrag: Sie sollen auch Privatgärten kontrollieren, problematische Pflanzen erfassen und Hausbesitzer im direkten Gespräch sensibilisieren.
Von Henrys Geissblatt zu Linkedin-Post
Das gefällt längst nicht allen. So hat sich etwa der Küsnachter Luxusmakler Claude Ginesta (53) jüngst online über ein Schreiben der Gemeinde geärgert, das ihn auf den Neophyten Henrys Geissblatt in seinem Garten hinwies. Er verfasste umgehend einen Post auf Linkedin. «Werden jetzt private Gärten systematisch kontrolliert? Wie viele Steuergelder kosten solche Spitzelgänge? Haben wir wirklich keine wichtigeren Probleme?», fragt er seine Community, die mit viel Zuspruch auf seinen Unmut reagiert.
Tatsächlich ist der Einsatz rechtlich umstritten: Zwar sind Verkauf und Import invasiver Neophyten verboten, auf Privatgrundstücken können Ranger deren Entfernung jedoch nicht durchsetzen und lediglich Empfehlungen aussprechen.
Community bewertet Neophytenkontrolle unterschiedlich
In der Blick-Community gehen die Meinungen darüber hingegen weit auseinander.
So zeigt eine Umfrage mit 3900 Teilnehmenden aus der Leserschaft, dass mehr als ein Drittel solche Neophyteninspektionen auch in Privatgärten als sinnvoll erachtet. Demgegenüber stehen 35 Prozent, die finden, die Gemeinden würden hier zu weit gehen und das Vorgehen sei übertrieben. Ein Viertel positioniert sich in der Mitte: Diese Gruppe findet den Einsatz von Pflanzenspionen durchaus sinnvoll – aber nur auf öffentlichem Grund. Private Gärten würden die Inspektoren nichts angehen.
«Verstehe Aufregung nicht»
In den Kommentaren zeigt sich ein ähnliches Bild. Yannick von Zumwald gehört zu jenen, die diese Neophytenaktion positiv sehen: «Neophyten sind ein Problem und es ist richtig und wichtig, diese zu entfernen. Dass die Reichen jetzt wieder jammern, ist doch etwas lächerlich.» Auch Christian Gasser sieht in den Neophyten-Cops nur Gutes: «Verstehe die Aufregung nicht. Es ist ein Hinweis, mehr nicht.» Im Übrigen würde es die Allgemeinheit viel mehr kosten, die Pflanzen später zu bekämpfen, findet er.
«Weil viele Gartenbesitzer stur sind, haben wir dieses Problem», schreibt derweil Heidi Keller. Ihr Appell: «Leute, entfernt die Neophyten, auch wenn sie schön sind.»
«Wenn man die Garteninhaber dahingehend für Neubepflanzungen informiert und sensibilisiert, ist das ja noch sinnvoll», kommentiert Gisela Brunner – und zieht gleichzeitig eine klare persönliche Grenze: «Aber sicher nicht die Anordnung, bestehende Pflanzen zu entfernen. Rumschnüffeln auf fremden Grundstücken geht gar nicht!»
«Im Wald sehe ich Neophyten am Laufmeter»
Auch andere sehen die Sache eher kritisch: «In meiner Gemeinde spielen die Behörden auch den Lehrmeister und kontrollieren die privaten Gärten», kommentiert Roland Hohler und sieht hier Willkür in der Bekämpfung invasiver Pflanzenarten. «Aber wenn ich im Wald spazieren gehe, dann sehe ich Neophyten am Laufmeter und die Forstverwaltung kümmert sich einen Dreck darum.»
In der Leserschaft gibt es darüber hinaus Stimmen, die Neophyten nicht negativ beurteilen und daher wenig Verständnis für die getroffenen Massnahmen haben. Wie andere aus dieser Fraktion kann auch Walo Besch den Neophyten durchaus positive Seiten abgewinnen: «Würde man in der Schweiz alle Pflanzen entfernen, die hier früher noch nicht vorkamen, sähen Gärten, Parks und selbst die Landschaft trostlos aus.»
Weitere Kommentatoren bringen zudem Argumente auf, man könne die Invasion sowieso nicht mehr stoppen und heimische Arten würden es wegen des sich verändernden Klimas sowieso immer schwerer haben.