Leser zu Leerkündigungen
«Einer Immo-Firma sind die Leute egal»

Wieder Leerkündigungen, wieder in Zürich. Dieses Mal im Quartier Witikon: 200 Mieter verlieren ihre Wohnung wegen Neubauten. Bei der Community macht sich nicht nur Empörung breit. Manche zeigen auch Verständnis.
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Die Bauprofile an der Buchholzstrasse in Zürich-Witikon stehen bereits: Hier kommt ein Neubau hin.
Foto: Raphaël Dupain

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • 200 Menschen verlieren ihre Wohnungen in Zürich-Witikon bis März 2027
  • Abriss günstiger Wohnsiedlungen sorgt für Verdrängung einkommensschwacher Mieter
  • Über 400 Kommentare zeigen grosse Empörung über Politik und Immobilienfirmen
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Eva KunzSenior Community Editorin

Zürich leidet ohnehin schon unter massiver Wohnungsknappheit. Und jetzt das: Erneut verlieren rund 200 Menschen ihre Wohnung. Gleich zwei Siedlungen mit 100 Wohnungen in Zürich-Witikon aus den 1950er-Jahren werden dem Boden gleich gemacht und durch neue Bauten ersetzt. Betroffen sind Bewohnerinnen und Bewohner vom Kindesalter bis weit ins Rentenalter. Sie alle müssen ihr Zuhause bis Ende März 2027 verlassen.

Leerkündigungen sind im hart umkämpften Zürcher Wohnungsmarkt längst keine Ausnahme mehr. Totalsanierungen oder Abriss und Neubau führen zunehmend dazu, dass langjährige Mieter verdrängt werden – und Wohnungen danach meist zu deutlich höheren Marktmieten neu vermietet werden.

«Man kann nicht den Fünfer und das Weggli haben»

Entsprechend emotional wird das Thema in der Blick-Community diskutiert. Über 400 Leserinnen und Leser haben ihre Meinung in der Kommentarspalte platziert.

Für die eine Seite der Leserschaft sind Leerkündigungen – ob wegen Totalsanierung oder Abriss – irgendwann unausweichlich. «Man kann nicht den Fünfer und das Weggli haben», kommentiert etwa Holger Chowanetz. Ihm sei sowas vor sieben Jahren selber passiert. Er habe günstig in einer alten Liegenschaft gewohnt. «Aber im Hinterkopf war klar, dass das nicht ewig geht, wenn man sich ehrlich die Schwächen von solch alten Häusern anschaut.»

«Unterste Schichten trifft es wie immer am stärksten»

Als absehbar schätzt die Lage auch Noldi Schwarz ein. «Nach so vielen Jahren sind die Häuser für angemessene Kosten nicht mehr sanft renovierbar», meint er. Gebäudehülle, Dach, Fenster schlecht isoliert – für ihn «alles Energiefresser». Hinzu kämen Küche, Bad, Heizung ... «Wie soll das gehen, wenn die Mieter weiterhin darin wohnen? Glaubt jemand, dass so die Mieten nicht steigen?»

Urs Müller kommt zudem auf den steigenden Bedarf an Wohnraum aufgrund des Bevölkerungswachstums zu sprechen. Solche Massnahmen seien die Konsequenz: Wenn die Bevölkerung wachse, ohne dass neue Bauzonen entstünden, bleibe nur die Verdichtung. «Wie immer trifft es die untersten Schichten am stärksten, während die oberen davon profitieren.»

«Kümmert sich die Politik um die Gekündigten? Nein!»

Andere aus der Community sind indes vor allem eines: empört. «Einer Immo-Firma sind die Leute egal», schreibt Patrick Fluri. «Wenn danach das Doppelte verlangt werden kann, umso besser für sie.»

«Und es wird nichts unternommen ...», empört sich Leserin Anna-Maria Locher. «Bald tagtäglich liest man, dass noch bezahlbare Wohnungen einfach abgerissen oder total saniert werden und natürlich für Leute mit kleinem Budget unbezahlbar werden. Warum schauen da Regierung und Politiker einfach weg? Unfassbar!»

«Kümmern sich Bund und Kantone und die vom Volk gewählten Regierungen um jene, die ihr Daheim verlassen müssen, ohne wirklich eine Perspektive zu haben? Nein!», brüskiert sich auch Prisca Dousse. Es sei an der Zeit, «die Strategie des Wegschauens aufzugeben und ins Handeln zu kommen.»


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