Darum gehts
- SP-Nationalrätin Bea Heim reicht Petition gegen Altersdiskriminierung in Bern ein
- Leserumfrage: 52 Prozent der 5500 Teilnehmer erlebten Altersdiskriminierung
- Einzelne berichten von Benachteiligung im Arbeitsmarkt, Wohnungsmarkt und Gesundheitswesen
Sei es in der Medizin, im Berufsalltag oder im öffentlichen Verkehr: Immer mehr Schweizerinnen und Schweizer fühlen sich im Alltag auf ihre Lebensjahre reduziert. Gemäss einem Bericht der World Health Organization (WHO) hegt jeder zweite Erwachsene Vorurteile gegenüber älteren Menschen. Nationalrätin Bea Heim (SP, 80) hat davon endgültig genug.
Heim kommuniziert klar: «Niemand soll in der Schweiz wegen seines Alters diskriminiert werden – weder jung noch alt.» Als Präsidentin der Vereinigung aktiver Seniorinnen- und Seniorenorganisationen der Schweiz (Vasos) hat sie in Bundesbern eine Petition eingereicht. Konkret fordert sie Bestimmungen und Massnahmen zum Schutz vor Altersdiskriminierung, inklusive Aktionsplan und Fachstelle auf Bundesebene. In der Community unterstützt eine Mehrheit ihr Vorhaben. Viele Leserinnen und Leser haben bereits ähnliche Erfahrungen gemacht.
So nimmt die Community Altersdiskriminierung wahr
Gemäss einer Leserumfrage mit knapp 5500 Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurden 52 Prozent schon wegen ihres Alters diskriminiert. Im Detail wurden 28 Prozent vereinzelt mit solchen Situationen konfrontiert. 24 Prozent gaben gar an, dass sie schon öfter diskriminiert wurden.
Auf der Gegenseite haben 48 Prozent noch nie Altersdiskriminierung im Alltag wahrgenommen. In den Kommentaren geraten die beiden Sichtweisen aneinander.
Je älter man ist, desto weniger wert hat man
Viele ältere Leserinnen und Leser teilen ihre negativen Erfahrungen. Sonja Rossier berichtet von Ungleichheiten auf dem Wohnungsmarkt: «Wir suchten lange ein neues Heim. Ein Vermieter fragte, wie alt wir sind. Als er hörte, wir seien 79, sagte er, wir sollten gleich ins Altersheim.» Verena Ludwig (75) nimmt solche Situationen vermehrt in der Medizin wahr: «Ärzte nehmen mich nicht mehr ernst. Während sie mir einfach irgendwelche Medikamente verschreiben, werde ich teilweise wie ein Kind behandelt.»
Für Margrit Hard (60) ist der Arbeitsmarkt eine Quelle der Sorge: «Bei der Stellensuche hat man ab einem bestimmten Jahrgang keine Chance mehr und wird aussortiert. Da spielen auch die sehr gute Ausbildung und die Erfahrung keine Rolle.» Markus Alder geht es ähnlich: «In der Arbeitswelt werden Menschen über 45 häufig diskriminiert. Erfahrung, Leistungsfähigkeit und Loyalität werden unterschätzt.»
Anne Balmer nimmt zudem wahr, dass «alte Menschen nur noch als ein Problem und eine Last» wahrgenommen werden. «Dass alle Alten mal jung und produktiv waren und die Schweiz zum Wohlstand geführt haben, wird von vielen ausgeblendet. Je älter man ist, desto weniger wert hat man in der heutigen Gesellschaft.»
«Viele Alte fordern Respekt ein und geben selbst keinen»
Doch nicht alle aus der Leserschaft nehmen die Schweiz als altenfeindlich wahr. Pascal Lieser erlebt gar das Gegenteil: «Viele Alte fordern Respekt ein und geben selbst keinen. Respekt ist keine Einbahnstrasse und sollte unabhängig vom Alter sein.» René Widmer kann nur zustimmen: «Die Alten sollten die Jungen und deren Anliegen endlich ernst nehmen. Respekt muss man sich verdienen.»
Serge Schmid ist überzeugt: «Das ist selbst verschuldet. Schaut die Welt an, die den Jungen hinterlassen wird. Und jetzt sollen sie noch Danke sagen?» Walter Enders (80) teilt mit: «Nach oben habe ich noch nie irgendwelche Altersdiskriminierung erlebt. Wir Alten müssen uns auch mal anpassen und Fehler eingestehen. Nur so können wir friedlich zusammenleben.»