Petition gegen Altersdiskriminierung
«Wir feiern lange Leben – und diskriminieren, wer es erreicht»

Altersdiskriminierung ist ein Problem – für Jung und Alt. Das soll sich ändern. Jetzt hat eine Seniorenvereinigung in Bundesbern eine entsprechende Petition übergeben. Damit soll der Bund zum Handeln aufgefordert werden – auch gegen Fehlmedikationen.
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Am 15. Juni hat die Vereinigung aktiver Seniorinnen und Senioren (Vasos) eine Petition gegen Altersdiskriminierung übergeben.
Foto: zVg

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Die Vasos reicht Petition gegen Altersdiskriminierung ein
  • Altersdiskriminierung kann in der Medizin, im Berufsalltag oder auch im öffentlichen Verkehr auftreten
  • Die Vasos fordert mehr Aufmerksamkeit für das Thema und konkrete Massnahmen
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Patrick GerberRedaktor Politik

Altersdiskriminierung ist für alt Nationalrätin Bea Heim (80) kein neues Phänomen. Neu ist für die Präsidentin der Vereinigung aktiver Seniorinnen- und Seniorenorganisationen der Schweiz (Vasos) jedoch die «zunehmende Respektlosigkeit, mit der heute über das Alter gesprochen wird». Immer wieder werde die Alterung der Gesellschaft für Probleme verantwortlich gemacht, die eigentlich andere Ursachen habe, sagt Heim zu Blick. Dies sei etwa bei den Gesundheitskosten oder beim Fachkräftemangel in der Pflege der Fall. «Die Politik hat gewisse Probleme über Jahre aufgeschoben».

Das wollen Heim und ihre Kolleginnen und Kollegen bei der Vasos nicht auf sich sitzen lassen. Sie haben deshalb nun eine Petition eingereicht – und wollen die Politik zum Handeln bewegen. Für SP-Politikerin Heim ist klar: «Niemand soll in der Schweiz wegen seines Alters diskriminiert werden – weder Jung noch Alt.» 

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Altersdiskriminierung entstehe dort, wo Menschen auf ihr Alter reduziert würden, erklärt Heim. Das ist eine globale Herausforderung. Gemäss einem Bericht der World Health Organization (WHO) sei jeder zweite Erwachsene weltweit voreingenommen gegenüber älteren Menschen. Auch in einer Studie der Schweizer Outplacementfirma Rundstedt beobachteten laut SRF 77 Prozent der befragten Personalverantwortlichen – die allermeisten davon in der Schweiz – eine Benachteiligung von Mitarbeitern über 55 Jahren. 

Nicht nur am Arbeitsplatz kann Altersdiskriminierung auftreten, sondern auch in der Medizin, bei der Wohnungssuche, im Verein oder im öffentlichen Verkehr. Grundsätzlich scheint das Problem bereits wahrgenommen zu werden. So haben die 194 WHO-Mitgliedstaaten – zu denen auch die Schweiz gehört – vor 10 Jahren eine Kampagne gegen Altersdiskriminierung gestartet. 

«Zunehmende Respektlosigkeit» gegenüber dem Alter

Das Bewusstsein für die Folgen der Altersdiskriminierung wachse zwar bereits, sagt auch Bea Heim zu Blick. Doch man müsse das Thema noch ernster nehmen – und vermehrt handeln. «Altersdiskriminierung verursacht nicht nur persönliches Leid, sondern auch volkswirtschaftliche Krisen.» Wer Menschen aufgrund ihres Alters ausschliesse oder benachteilige, verschwende Potenzial, Erfahrungen und Ressourcen, sagt sie. 

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Zudem sei Altersdiskriminierung keine Frage einzelner Generationen. Auch Junge können davon betroffen sein, so Heim. Sie würden als unerfahren abgetan und teilweise weniger ernst genommen. Deswegen hätten auch Jugendverbände bei der Petition mitgewirkt. «Das ist besonders wichtig». Einen eigentlichen Generationenkonflikt sieht Heim aber nicht. «Was wir beobachten, ist viel mehr eine zunehmende Tendenz, Generationen gegeneinander auszuspielen.» 

«Konkrete Massnahmen ergreifen»

Ein Erfolg sei die Petition bereits jetzt, sagt Heim. Etliche Organisationen und Persönlichkeiten aus der Wissenschaft und der Praxis sowie mehr als 25'000 Unterzeichnende haben sich hinter das Anliegen gestellt. «Der eigentliche Erfolg wird daran zu messen sein, ob Politik und Gesellschaft das Problem künftig ernster nehmen und konkrete Massnahmen ergreifen», so Heim. Sie sei diesbezüglich zuversichtlich. 

Konkret sieht die Vasos die Petition als «Impuls für die Diskussion über ein allgemeines Gleichbehandlungsgesetz». Der Bund solle spezifische Bestimmungen und konkrete Massnahmen zum Schutz vor Altersdiskriminierung einführen. Ferner fordert sie einen nationalen Aktionsplan und die Einrichtung einer Fachstelle auf Bundesebene. Noch in diesem Jahr will die Vasos zudem einen Leitfaden gegen sprachliche Altersdiskriminierung veröffentlichen. 

«Potenziell schädliche Arzneimitteltherapien»

Altersdiskriminierung kann nicht nur verletzend sein und Chancen verbauen, sondern auch konkrete gesundheitliche Folgen haben. Davor warnt auch Max Giger, Arzt und ehemaliger Präsident des Schweizer Instituts für ärztliche Weiter- und Fortbildung (SIWF). 

«Viele ältere und hochbetagte Menschen in der Schweiz sind unnötigen und potenziell schädlichen Arzneimitteltherapien ausgesetzt», schreibt er in der Pressemappe. «Zu viele potenziell ungeeignete Medikamente» gefährdeten die Gesundheit, Autonomie und Lebensqualität. 

Doch Giger übt nicht nur Kritik, sondern hat auch klare Forderungen: «Die Kantone müssen Pflegeheime verpflichten, bei Eintritt und mindestens halbjährlich interprofessionelle Medikationsreviews durchzuführen.» Zudem sei es notwendig, ein «einheitliches elektronisches Informations- und Kommunikationssystem einzusetzen, um die Patientensicherheit nachhaltig zu verbessern», so Giger. 

Die Situation sei nicht länger hinnehmbar. In den Worten von Bea Heim: «Wir feiern ein langes Leben – und diskriminieren die Menschen, die es erreicht haben.» Das sei kein Fortschritt, sondern ein Widerspruch. 

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