Debatte ums bargeldlose Kino
«Wie lernen Kinder so mit Geld umzugehen?»

Bargeld adé im Arena Cinemas in Netstal GL: Seit September sind nur noch Karten- oder Twint-Zahlungen möglich. Viele Leser sehen darin ein Problem für die Geldkompetenz von Kindern, wie eine Blick-Umfrage zeigt.
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Gäste können im Arena Cinemas Netstal Popcorn und Getränk seit September nur noch digital bezahlen.
Foto: PD

Darum gehts

  • Arena Cinemas in Netstal GL akzeptiert seit September kein Bargeld mehr
  • 91 Prozent der Kino-Gäste zahlten bereits vorab digital, laut Geschäftsführer
  • Blick-Community äussert sich kritisch
Die künstliche Intelligenz von Blick lernt noch und macht vielleicht Fehler.
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Sarah RiberzaniRedaktorin Community

Zuerst Restaurants, Weihnachtsmärkte und Bäckereien, jetzt trifft es auch noch das Kino: Seit September akzeptiert das Arena Cinemas in Netstal GL kein Bargeld mehr. Tickets, Getränke und Popcorn können nur noch mit Karte oder Twint bezahlt werden. Ein entsprechender Hinweis prangt gut sichtbar auf der Homepage: «Wir sind bargeldlos.» 

Für Geschäftsführer Patrick Tavoli überwiegen die Vorteile klar. Der Aufwand für die Mitarbeitenden sei geringer, die Abläufe effizienter und die Wartezeiten an der Kasse kürzer. Bereits vor der Umstellung hätten 91 Prozent der Gäste digital bezahlt.

Kinder und der Umgang mit Geld

Doch die Umstellung sorgt für Kritik. Besonders Eltern stören sich daran, dass sie ihren Kindern nicht mehr einfach ein Nötli in die Hand drücken können, um alleine ins Kino zu gehen. Dass viele genau hier ein Problem sehen, zeigt eine aktuelle Blick-Umfrage deutlich.

Auf die Frage, ob Kinder besser mit Geld umgehen lernen, wenn sie Bargeld benutzen, antworteten 92 Prozent mit Ja. Nur 8 Prozent vertreten die Gegenposition und finden, digitales Zahlen sei heute wichtiger. Für diese Minderheit steht im Vordergrund, dass Kinder früh mit den Zahlungsmitteln vertraut werden sollten, die im Alltag zunehmend dominieren.

«Für Familien einfach unfair»

In der Kommentarspalte machen sich verschiedene Meinungen breit. Marcel Bertsch etwa versteht nicht, warum die Annahme von Bargeld als umständlich gilt. «Bei Kreditkarten nehmen die Banken Kommissionen, und die Kinder verlieren vielfach den Überblick über ihre eigenen Finanzen!» Besonders stören ihn die Debatten um eine Nulltoleranz gegenüber Bargeld. «Ich bin mit Bargeld aufgewachsen und habe als Kind gelernt, mit Geld umzugehen. Das können viele Kinder heute nicht mehr, weil man es ihnen genommen hat! Geld in der Hand gibt man weniger schnell aus als mit Karten. Man überlegt sich vorher, ob man sich das wirklich leisten kann!»

Leserin Anna Gerber sieht dies ähnlich. «Ich finde das absolut frustrierend. Meine Tochter ist zwölf, bekommt ihr Taschengeld bar und lernt so, Verantwortung für ihr Geld zu übernehmen. Ein Nötli fürs Kino hat immer gereicht und sie wusste genau, wie viel sie ausgeben kann. Mit Karte oder Twint geht das gar nicht. Bargeld wegzunehmen, ist bequem für den Betrieb, aber für Familien einfach unfair.»

Auch Userin Elisabeth Barbara Zürcher meint: «Dann soll jedes Kind mit bereits neun Jahren eine Karte bekommen und Twint? Ach stimmt, dafür braucht es dann auch noch ein passendes Handy. Wie lernen Kinder so mit Geld umzugehen? Sie haben keinen Bezug, wenn es dieses nur noch digital ist. Man kann es nicht anfassen!» 

«Mein Kind bezahlt via Debitkarte»

Doch es gibt auch Stimmen mit anderer Sichtweise in der Kommentarspalte. Ein Nutzer schreibt: «Mein Kind bezahlt via Debitkarte in Apple Pay. Man kann die Kinder in zukünftige, oder auch in vergangene Medien und Verfahren einlernen – ganz wie man möchte. Schuld sind dann im Zweifelsfall natürlich die anderen.» 

Auch Michael Schnegg zeigt sich gelassen gegenüber der Debatte ums bargeldlose Zahlen. Für ihn überwiegt der praktische Nutzen: «Ich kann den Aufruhr nicht nachvollziehen. Tickets können sogar online gekauft werden. In welchem Jahrhundert leben denn die Eltern?»

Abschliessend äussert sich Christoph Sägesser zu den Diskussionen:«91 Prozent zahlen in diesem Kino digital und wegen der neun Prozent Bargeld gibt es wieder so ein Geschrei? Passt euch endlich der Realität an, sagt ein über 70-Jähriger, der seit Jahren nur noch digital zahlt und zur Sicherheit etwas Bargeld dabei hat. Bis jetzt musste er aber nie darauf zurückgreifen!»

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