Darum gehts
- Streit im Frauen-FKK-Bereich in Bern führte zu Polizeieinsatz am Sonntag
- Polizistin leicht verletzt, Stadt Bern entschuldigt sich für überhastetes Vorgehen
- Auch in der Leserschaft wird die Debatte kontrovers geführt.
Der Eklat im Frauen-FKK-Bereich «Paradiesli» ist zum Gesprächsthema weit über Bern hinaus geworden. Soll sich eine trans Frau gleichberechtigt in einer für Frauen reservierten Nacktzone aufhalten können? Zumal sie gemäss Zeuginnen klare männliche Merkmale aufweist? Eine Blick-Leserin, die vor Ort war, beschreibt die Person mit den Worten: «Keine Brüste, am ganzen Körper stark behaart, Penis.»
Während sich einige Besucherinnen gestört fühlten, stellten sich andere solidarisch hinter die Person. Die angespannte Situation führte dazu, dass die Mitarbeitenden des Bads die trans Frau zunächst aufforderten, den Bereich zu verlassen. Da sich die Lage nicht beruhigte, kam es zu einer polizeilichen Wegweisung. Die Stadt Bern spricht inzwischen von einer überhasteten Reaktion und entschuldigt sich für das Vorgehen. Gleichzeitig sorgt der Fall weiterhin für Diskussionen über die Zutrittsregeln in Frauenbereichen und den Umgang mit trans Personen in geschützten Zonen.
Forderungen nach klaren Zutrittsregeln
Auch in der Blick-Community wird die Debatte kontrovers geführt. Leserin Katharina Huser hält einen Besuch einer trans Person im Frauen-FKK erst nach abgeschlossener Geschlechtsangleichung für angemessen: «Nur weil man sich als Frau fühlt, heisst das noch lange nichts. Deshalb verstehe ich es absolut, dass diese Person aus der Badi entfernt wurde.» Auch Leserin Christine Liechti fordert: «Bei allem Verständnis für die sicher nicht einfache Phase der Anpassung braucht es auch von trans Frauen, bis die Transition abgeschlossen ist, Rücksichtnahme.»
Dominik Bühler findet ähnliche Worte: «Warum setzt sich eine trans Frau vor Beginn ihrer Geschlechtsangleichung einer solchen Situation aus? Die resultierende Provokation war absehbar und untergräbt die Bemühungen um gesellschaftliche Akzeptanz.» Hier zeige sich ein Paradoxon: Es werde höchste Sensibilität von der Allgemeinheit verlangt, während es dem eigenen Auftreten an ebendiesem Feingefühl mangle. «Dass die Präsenz von Personen mit rein männlichen Primärmerkmalen in Schutzräumen für Frauen zu Unbehagen führt, ist eine legitime und nachvollziehbare Reaktion», doppelt er nach.
Auch Jürgen Schalk meint: «Die Debatte um Frauenräume muss biologische Fakten anerkennen.» Wenn im Frauen-FKK männliche Genitalien sichtbar seien, verletze dies die berechtigte Intimsphäre von Frauen. «Um Konflikte zu vermeiden, braucht es entweder eine strikte Orientierung am biologischen Geschlecht oder separate Zonen.»
Ruf nach mehr Offenheit
Demgegenüber gibt es Stimmen, die mehr Toleranz verlangen. So schreibt Leser Alex Berger: «In der Schweiz gilt seit 2022 die freie Geschlechtswahl. Jeder kann seitdem selber entscheiden, als was er sich fühlt, und dies in seinen Personaldaten eintragen lassen. Wenn man sich als Frau fühlt und es auch so eingetragen ist, dann ist man eine Frau. So will es das Gesetz!»
Emilio Pérez zeigt ebenfalls Verständnis für die betroffene Person: «Ich konnte mir nicht vorstellen, dass darüber so viel Wind entstehen kann. Ich verstehe jetzt, weshalb sich trans Menschen so oft diskriminiert fühlen. Sind wir nun eine freiheitliche Gesellschaft oder nicht? Leben und leben lassen!»
Andere Stimmen stellen die Existenz geschlechtsspezifischer Zonen grundsätzlich infrage. So fragt Rudolf Wymann: «Weshalb haben tolerante und weltoffene Menschen überhaupt extra abgetrennte Bereiche?» Ein weiterer User fordert: «Schafft diese Spezialzonen ab! Bern ist doch tolerant und weltoffen. Da haben Sperrzonen nichts zu suchen.»