Debatte um Arbeitsmoral
«In unserem Unternehmen misten wir gezielt Leute bis 30 Jahre aus»

Der Entscheid eines jungen Metzgers sorgt für Diskussionen: Rafael Kehl schliesst seinen Betrieb in Volketswil ZH nach vier Jahren und kritisiert die Arbeitseinstellung junger Mitarbeitender. Die Debatte über die Generation Z flammt in unserer Community erneut auf.
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Die Metzgerei Kehl in Volketswil ist geschlossen.
Foto: Instagram/metzgereikehl

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Metzger Rafael Kehl schloss im Mai seine Metzgerei in Volketswil
  • Grund: Frust über Personalprobleme, besonders mit junger Generation
  • Arbeitsmoral der Jungen sorgt immer wieder für hitzige Diskussionen
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Sarah RiberzaniRedaktorin Community

Vor vier Jahren erfüllte sich Rafael Kehl den Traum von der eigenen Metzgerei und übernahm einen Traditionsbetrieb in Volketswil ZH. Anfang Mai war jedoch Schluss: Der 36-Jährige schloss sein Geschäft per sofort. Als Grund nennt er die anhaltenden Probleme bei der Personalsuche und die Belastung durch den ständigen Wechsel von Mitarbeitenden.

Besonders die Arbeitseinstellung vieler junger Angestellter kritisiert Kehl scharf. Mit Aussagen wie «Viele haben keinen Bock» oder «Sie wollen 80 Prozent arbeiten und 100 Prozent verdienen» stösst er eine Debatte an, die seit Jahren geführt wird.

Leserumfrage zeigt Stimmungsbild

Die Arbeitsmoral der jüngeren Generation wird regelmässig kontrovers diskutiert. Während einige Arbeitgeber fehlenden Einsatz und zu hohe Ansprüche beklagen, halten andere dagegen: Pauschale Vorwürfe werden der Generation Z nicht gerecht werden. 

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Wir wollten von unseren Leserinnen und Lesern wissen, wie sie die Arbeitseinstellung der jungen Generation einschätzen. Das Ergebnis fällt deutlich aus: 47 Prozent der über 20'500 Teilnehmenden sind der Meinung, dass die Jungen nicht mehr richtig «chrampfen» wollen. Weitere 43 Prozent sehen zwar Probleme bei der Arbeitsmoral, betonen jedoch, dass dies nicht auf die gesamte Generation Z zutreffe.

Nur eine Minderheit widerspricht den Vorwürfen grundsätzlich. Sechs Prozent sind der Ansicht, dass lediglich einige wenige negative Beispiele das Bild prägen. Vier Prozent halten die Kritik an der jungen Generation gar für ein falsches Vorurteil.

Kritik und klare Ansagen

In den Kommentaren gehen die Meinungen auseinander. So schreibt Leserin Yvonne Abt: «In unserem Unternehmen beginnen wir wegen der Wirtschaftskrise und der damit weniger eingehenden Aufträge bewusst und gezielt vermehrt Leute bis 30 Jahre auszumisten. Das hat tatsächlich einen sehr positiven Effekt. Das verbleibende Personal weiss jetzt, woran es ist. Ich kann dieses Vorgehen nur empfehlen.»

Ähnlich äussert sich Peter Fischer: «Aus meiner persönlichen Erfahrung kann ich die Kritik durchaus nachvollziehen.» In vielen Bereichen habe sich die Haltung zur Arbeit spürbar verändert. «Früher galt es als selbstverständlich, auch einmal Überstunden zu leisten oder sich durchzubeissen. Heute steht für viele verständlicherweise die Work-Life-Balance stärker im Vordergrund.»

Und Carina König meint: «Es gibt genügend ältere Menschen, die sehr gerne in der Metzgerei arbeiten würden, aber aufgrund ihres Alters diskriminiert werden. Bei der Gen Z höre ich immer nur Work-Life-Balance, nicht so lange Arbeitszeiten, nicht zu früh beginnen, nicht jeden Tag arbeiten.»

Stimmen fordern differenzierteren Blick

Für Martin Rutz greift die pauschale Schelte gegen die junge Generation hingegen zu kurz. «Ja, gewisse Betriebe brauchen Verlässlichkeit, frühes Aufstehen, körperliche Arbeit und Einsatz – sonst funktionieren Metzgerei, Pflege, Gastro oder Handwerk nicht. Aber man sollte auch fragen, warum sich voller Einsatz für viele Junge nicht mehr selbstverständlich lohnt: hohe Mieten, Krankenkassen, wenig Aussicht auf Wohneigentum, unsichere Vorsorge, steigende Belastung. Früher hiess es: ‹Chrampfen, dann kommst du vorwärts.›» Dieses Versprechen wirke heute brüchiger. «Das Problem ist ein Arbeits- und Wirtschaftssystem, dessen Gegenleistung immer weniger überzeugt», argumentiert er. 

Dario Mario verweist ebenfalls auf strukturelle Probleme. «Wenn man sieht, wie es in der Realität läuft, passt das einfach nicht zusammen.» Es gebe kein Budget für Weiterbildungen und keine Lohnanpassungen, gleichzeitig werde aber «die eierlegende Wollmilchsau für 4200 Franken brutto» erwartet. Es sei zu einfach, den Jungen die Schuld in die Schuhe zu schieben. «Wenn ich mich daran erinnere: Wir waren für unsere Eltern damals angeblich auch unmöglich und eine Katastrophe. Heute ist es nicht anders», doppelt er nach. 

Und auch Mark Krähenbühl meint: «Bei uns im Betrieb erlebe ich viele Junge, die motiviert sind und vollen Einsatz leisten – hat sicher auch mit der grossen Wertschätzung zu tun. Also bitte nicht alle in den gleichen Topf werfen, wie immer im Leben!»


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