Ärger über SBB-Automaten
«Es ist buchstäblich als Diskriminierung anzusehen!»

Die SBB haben bei rund 100 Billettautomaten die Bargeldfunktion vorübergehend deaktiviert. Das sorgt in der Community für heftige Reaktionen. Viele kritisieren den Schritt scharf und sehen darin eine Benachteiligung.
Kommentieren
1/6
An zahlreichen SBB-Billettautomaten kann man derzeit nur mit Karte oder Twint ein Ticket lösen.
Foto: Sven Thomann

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • SBB testen seit Sommer bargeldlosen Ticketkauf an fünf Bahnhöfen in der Schweiz
  • 15'781 Unterschriften gegen Bargeld-Abbau bei öffentlichen Dienstleistungen eingereicht
  • 50 % von 7400 Befragten zahlen Zugbillette weiterhin mit Bargeld

Bei den SBB wird das Bargeld schrittweise aus dem Ticketverkauf gedrängt. Seit diesem Sommer testen die Bundesbahnen an den Bahnhöfen Baden AG, Brugg AG, Freiburg, Olten SO und Turgi AG den komplett bargeldlosen Betrieb. Wer dort ein Billett am Automaten kaufen will, kann Münzen und Noten nur noch an jeweils einem Gerät verwenden. An zahlreichen weiteren Automaten wurde die Bargeldfunktion bereits im Mai vorübergehend deaktiviert – betroffen sind laut SBB rund hundert Geräte.

Als Grund nennen die SBB vermehrte Vandalenakte und Aufbrüche an Billettautomaten. Gleichzeitig sorgt der Abbau von Bargeldmöglichkeiten bei Fahrgästen für Kritik. Besonders in Graubünden regt sich Widerstand: Eine Volksinitiative für die Möglichkeit zur Barzahlung bei öffentlichen Dienstleistungen wurde mit 15'781 Unterschriften eingereicht. Auch das Bundesamt für Verkehr hat die ÖV-Branche inzwischen aufgefordert, weiterhin analoge und anonyme Möglichkeiten für den Ticketkauf anzubieten.

Leser kritisieren Bargeld-Aus

Dass Bargeld für viele Fahrgäste noch immer wichtig ist, zeigt auch unsere Leserumfrage. Von über 7400 Teilnehmenden gaben 50 Prozent an, ihr Zugbillett meist mit Münz und Nötli zu bezahlen. 28 Prozent nutzen dafür das Handy, 12 Prozent eine physische Debit- oder Kreditkarte. 11 Prozent besitzen ein SBB-Abo und müssen deshalb kein Billett kaufen.

In den Kommentaren fällt die Kritik deutlich aus. So bezeichnet Mia Weiss das Vorgehen der SBB als «Frechheit» und kündigt an, künftig nicht mehr Zug fahren zu wollen. «So bringt man gewiss nicht mehr Fahrgäste zum ÖV. Das Gegenteil wird der Fall sein!», kommentiert sie.

Auch Stefan Treier kritisiert den Entscheid scharf. «Es ist buchstäblich als Diskriminierung anzusehen, wenn Fahrgäste, vor allem Senioren, nicht mehr mit Bargeld bezahlen können», schreibt er. Für viele ältere Menschen sei es «unzumutbar», auf Twint oder QR-Code ausweichen zu müssen, da sie mit diesen Methoden nicht vertraut seien.

Leserin Hildegard Reinhardt argumentiert mit dem öffentlichen Auftrag der SBB. «Staatsbetriebe werden vom Steuerzahler und vom Bund subventioniert. Somit sollten sie für alle Personengruppen zugänglich sein», schreibt sie. Solche Massnahmen seien «einfach nur egoistisch gegenüber diversen Menschengruppen». Ihr Fazit fällt entsprechend deutlich aus: «Schäme mich für die SBB!»

«Probieren geht über Jammern»

Doch es gibt auch Stimmen, die den digitalen Wandel begrüssen. Christoph Sägesser, der nach eigenen Angaben über 70 ist, schreibt: «Ich nutze seit Jahren die SBB-App. Funktioniert bestens.» Bargeld brauche er kaum noch. Zudem sei es «oft mühsam, wenn einige im Bus Bargeld zusammenkratzen und es nicht vorwärtsgeht». Sein Appell an die Kritiker: «Wacht endlich auf und geniesst den Fortschritt.»

Ähnlich sieht es Ryan Kand. Auch er sei «schon über 70» und könne die Kritik vieler älterer Menschen nicht nachvollziehen. «Billettautomaten sind kein Menschenrecht. Wo ist Ihre Courage, hinauszugehen und die Welt so zu akzeptieren, wie sie ist?», fragt er.

Peter Zulauf ist ebenfalls überzeugt, dass die Skepsis gegenüber bargeldlosem Bezahlen unbegründet sei. «Wenn die Bürger zumindest zwei Monate probieren würden, mit Karte zu bezahlen, und sehen, wie praktisch dies ist, bin ich überzeugt, dass nur noch ein Bruchteil zurück zu Münz und Nötli möchte», schreibt er. Als Alternative nennt er eine aufladbare Prepaid-Karte. Sein Fazit: «Probieren geht über Jammern. Ich bin seit vielen Jahren ohne Münz und Nötli unterwegs, und es funktioniert einwandfrei!»

Was sagst du dazu?
Heiss diskutiert
    Meistgelesen