Darum gehts
- Die EU plant verbindliche E-Auto-Quoten für Firmen
- 60 Prozent der zugelassenen Autos in Europa sind Firmenfahrzeuge
- Gewerbe beklagt Technologiezwang
Kommt das Verbrennerverbot durch die Hintertür? Die EU will Firmen mit festen Quoten zwingen, mehr E-Autos anzuschaffen. Doch das Gewerbe läuft Sturm gegen das Vorhaben.
In einem Positionspapier fordert die Lobbygruppe Business Europe, dass Brüssel auf Anreize statt auf Zwang setzen solle. Insbesondere verbindliche Quoten sind den Unternehmen ein Dorn im Auge. Für die Elektrowende brauche es stattdessen mehr Ladesäulen und tiefere Strompreise.
Riesige Auswirkungen
Hintergrund für die Panik: Am Montag beraten die EU-Minister über die Dienstwagen-Quote. Beschlossen wird aber noch nichts.
Klar ist aber, dass eine solche Massnahme weit über die Firmenflotten hinaus wirken würde: 60 Prozent der in Europa zugelassenen Autos sind Firmenfahrzeuge, berichtet die «Bild»-Zeitung. Die Folge wäre deshalb, dass viel mehr E-Autos auf dem Gebrauchtwagenmarkt landen würden.
Für die EU-Kommission sind Firmenwagen also ein neuer Ansatz zur Elektrowende. Die Idee: Das harte Verbrenner-Aus ab 2035 wird zugunsten weniger umstrittener Vorgaben aufgegeben. Dazu gehören beispielsweise auch strenge Elektrovorgaben für Mietwagen.
Wen trifft es?
Offiziell gilt der Zwang nur für grosse Firmen ab 250 Mitarbeitern. Doch die Chefs zittern: Die Verbände befürchten, dass am Ende auch kleine KMUs bluten müssen.
Leasing- und Mietwagen-Anbieter müssten von der Regelung ausgenommen werden, schreibt Business Europe. «Die Verordnung sollte sich auf grosse Unternehmensflotten konzentrieren, um unbeabsichtigte Auswirkungen auf KMUs und private Nutzer zu vermeiden.»
Kampf um Ausgestaltung
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Verknüpfung der Elektroquote mit der Wirtschaftsleistung der Länder. Nach dem Willen der EU-Kommission müsste zum Beispiel Deutschland viel strengere Elektroziele erfüllen als Kroatien oder Griechenland.
Die Wirtschaft fordert andere Regeln statt nur den Blick auf die Wirtschaftskraft (BIP). Entscheidend sei, ob es im Land überhaupt genug Ladestationen gibt. Die Firmen wollen zudem ein Recht auf Alternativen – wie E-Fuels oder Wasserstoff.
Es droht ein neuer Brüsseler Autokrieg zwischen den Elektroturbos um Frankreich und den Bremsern um Deutschland. Das Ergebnis spüren am Ende auch die Schweizer Autofahrer.