Darum gehts
- Geely E5: Elektro-SUV mit 450 km Reichweite kommt in die Schweiz
- Stromverbrauch 15,8 kWh/100 km im Test, kleiner als Prospektangabe
- Startpreis in Deutschland bei 37’990 Euro, Schweizer Preis noch unbekannt
Geely und VW haben einiges gemeinsam. Beide sind Vielmarken-Konzerne, und beide gehören nicht unbedingt zu den Vorreitern. Zumindest in Europa beziehungsweise in der Schweiz nicht, wo Geely als Marke erst jetzt angreift, während sich Konkurrenten wie BYD, MG oder Leapmotor schon lange breitmachen. Im Geely-Kosmos (mit Marken wie Volvo, Polestar, Zeekr, Lynk & Co, Lotus und zur Hälfte Smart), steht die Kernmarke für solide und moderne Technik, gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und Sicherheit. Also ein Destillat aus allen anderen Marken. Oder mit den Worten des chinesischen Autobauers: «richtungsweisend».
Richtungsweisend ist das Design des E5 jedenfalls nicht. Schnabelfront und schmale LED-Striche kennen wir bereits von anderen chinesischen Modellen. Auch das Interieur mit dem 15,4-Zoll-Touchscreen und einem 10,2-Zoll-Digitalinstrument ist keine Weltsensation. Das Platzangebot dagegen ist grosszügig. Geely positioniert seinen E5 als vollelektrischen Kompakt-SUV. Mit 4,62 Metern Länge, 1,90 Metern Breite und 1,67 Metern Höhe deckt er allerdings ziemlich genau den Übergang zwischen Kompakt- und Mittelklasse-SUV ab. Und zielt so auf Konkurrenten wie VW ID.4, Skoda Enyaq, Kia EV5 oder BYD Seal U. Allein diese Aufzählung zeigt, dass die Luft in diesem Segment recht dünn ist. Folglich muss man schon einiges bieten – zum Beispiel ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Mit dem Startpreis in Deutschland von 37’990 Euro (für die Schweiz wurden die Preise noch nicht fixiert) und einer vernünftigen Ausstattung unterstreicht Geely genau diese Ambitionen.
Viel Platz, aber störende Lenkkräfte
Die technische Basis für den E5 bildet Geelys Global Intelligent New Energy Architecture (GEA). Dabei handelt es sich nicht um eine reine E-Plattform, sondern um eine flexible New-Energy-Architektur für Batterieautos und Plug-in-Hybride. Im E5 kommt eine Lithium-Eisenphosphat-Batterie zum Einsatz. Also ist der Akku ein strukturelles Element des Fahrzeugrohbaus. Zudem bündelt Geely Motor, Leistungselektronik und Nebenaggregate. Das führt zu einem flachen Boden und viel Platz. Selbst hinten sitzen ausgewachsene Mitteleuropäer komfortabel. Und der Kofferraum ist mit 461 bis 1877 Litern Volumen eine Ansage. Auch wenn beim Umlegen der Rücksitzlehnen der Ladeboden leicht ansteigt. Das zusätzliche 108-Liter-Fach darunter ist praktisch, genauso wie die beiden Schubladen unter der Rücksitzbank (14 Liter Stauraum).
Der Geely-SUV hat Vorderradantrieb, leistet 218 PS (160 kW) und 320 Nm Drehmoment. Damit sprintet der E5 in der Max+-Top-Konfiguration in 7,6 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Das ist nicht spektakulär, aber ausreichend. Im Test zeigt der E5 aber auch Schwächen. Der Spurhalteassistent nervt gewaltig und zerrt permanent am Lenkrad – man muss ihn mühsam in den Untermenüs ausschalten. Auch der Vorderradantrieb reisst spürbar am Steuer, während die Lenkung selbst schwammig wirkt und kaum Rückmeldung von der Strasse gibt. So gesehen passt das komfortabel abgestimmte Fahrwerk ins Konzept.
Günstig im Verbrauch, lahm am Schnelllader
Sehr positiv ist der Stromverbrauch: Nach unserer Testfahrt, bei der es auch flotter über die Autobahn ging, zeigte der Bordcomputer einen Verbrauchsschnitt von 15,8 kWh/100 km an. Das sind gar 1,1 kWh/100 km weniger als im offiziellen Prospekt angegeben. Das bringt uns zur Reichweite. Es gibt den E5 mit zwei Akku-Grössen (60,2 und 68,4 kWh). Die Einstiegsversion Pro schafft mit der kleineren Batterie bis zu 430 WLTP-Kilometer Reichweite, die Versionen Pro+ und Max+ 450 Kilometer. Am Schnelllader ist der E5 höchstens Durchschnitt. Während die Konkurrenz mit bis zu 175 kW vorbeizieht, schafft der Geely maximal 135 kW. Das Laden von 30 auf 80 Prozent dauert deshalb rund 20 Minuten – das können andere schneller.
Wie bei vielen China-Stromern gefällt auch der Innenraum des E5. Die Materialanmutung ist gut, und Kunstlederflächen, perforierte Sitze, elektrische Verstellung, Sitzheizung und -lüftung vorn sowie Online-Navi (allerdings nicht Google, sondern eines aus dem eigenen Konzern) gibts bereits beim Einstiegsmodell. Bei den höheren Ausstattungslinien kommen Massagefunktion, Panoramadach, Head-up-Display, beheiztes Lenkrad, Frontscheibenheizung, elektrische Heckklappe und ein 16-Lautsprecher-System mit 1000 Watt dazu.
Ob man in der Schweiz auf den Geely E5 gewartet hat, wird sich zeigen. Er hebt sich optisch kaum von der Konkurrenz ab, bietet aber zweifellos ein interessantes Preis-Leistungs-Verhältnis.
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