20 Sekunden pro Auto
So jagt der Dellen-Scanner Hagelschäden

Der schwere Hagelsturm vom 28. August fordert jetzt die Versicherer. In speziellen Drive-ins scannt die AXA täglich Dutzende Autos auf Dellen. Blick hat das Hagel-Zentrum in Bülach ZH besucht.
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Der quer über die Schweiz gezogene Hagelsturm vom 28. August hat Tausende Autos beschädigt. Die Versicherungen arbeiten jetzt für die Schadensschätzung und -behebung auf Hochtouren.
Foto: Juan Thomas

Darum gehts

KI-generiert, redaktionell geprüft
  • Hagelsturm am 28. August verwüstete Tausende Fahrzeuge von Solothurn bis Ostschweiz
  • AXA-Drive-ins scannen Hagelschäden digital: 50 Autos täglich in Bülach, knapp 100 in Winterthur
  • Scanner erkennt Dellen mit 95 Prozent Genauigkeit, 3D-Scan erfolgt innerhalb von 5 Minuten
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Juan ThomasRedaktor Auto & Mobilität

Der Hagelsturm vom 28. August hinterliess gewaltige Schäden von Solothurn und Aargau durchs Zürcher Unterland bis in die Ostschweiz. Neben Häusern traf es Tausende Autos. Nach wenigen Minuten war der Spuk vorbei – doch für die Autoversicherungen beginnt die Arbeit jetzt erst.

Natürlich ist die AXA auf solche Ereignisse vorbereitet. Jedes Jahr richtet der Versicherer in besonders stark betroffenen Gebieten sogenannte Hagel-Drive-ins ein. Dort werden die beschädigten Fahrzeuge begutachtet und mit moderner Technik innert weniger Minuten digital erfasst. Aktuell stehen solche Drive-ins in Olten SO, Bülach ZH, Winterthur ZH und Hinwil ZH. Mitte Oktober soll ein weiterer Standort in Weinfelden TG dazukommen.

Bis zu 50 Autos täglich in Bülach

In Bülach herrscht derzeit reger Betrieb. Zwischen 40 und 50 Fahrzeuge kommen hier täglich zur Untersuchung. Rund zehn bis zwölf Mitarbeitende kümmern sich um die Autos, beurteilen die Schäden und stehen gleichzeitig im Austausch mit den Kundinnen und Kunden. In Winterthur ist der Andrang noch grösser: Dort scannt die AXA täglich knapp 100 Fahrzeuge. Vor Ort begutachtet der Fahrzeugsachverständige René Büchler die Autos. Der Ablauf ist deutlich schneller als bei einer normalen Schadenaufnahme.

Das durch den Hagelsturm lädierte Auto fährt langsam durch einen Scanner. Die eigentliche Erfassung dauert gerade einmal 10 bis 20 Sekunden. Dabei wird das Fahrzeug rundum digital vermessen. Rund fünf Minuten später ist ein detaillierter 3D-Scan erstellt, auf dem die Hageldellen sichtbar sind.

«Früher brauchte es mehrere Personen, um jede einzelne Delle zu zählen. Das war mit einem grossen Zeitaufwand verbunden», so Büchler. «Heute ist das dank des Scanners innerhalb weniger Minuten schnell und genau erledigt.» Der Scanner erkennt die Schäden mit einer Genauigkeit von rund 95 Prozent und liefert eine Übersicht darüber, wo und wie viele Dellen sich auf dem Fahrzeug befinden. Danach ist aber weiterhin der Mensch gefragt. Ein Experte kontrolliert die erfassten Schäden und beurteilt sie genauer. Grösse, Anzahl und Einschlagstelle der Dellen spielen dabei eine wichtige Rolle. Auch die betroffenen Fahrzeugteile sind entscheidend für die spätere Schadensumme.

Wenn die Delle zum Totalschaden führt

Nicht jede Beule lässt sich gleich einfach reparieren. Sind beispielsweise Bereiche der Fahrgastzelle oder der Dachrahmen betroffen, kann die Instandsetzung schnell aufwendiger und teurer werden. Besonders ins Geld gehen können zudem beschädigte LED-Scheinwerfer. Gleichzeitig wird vor Ort auch der Zeitwert des Fahrzeugs ermittelt.

Übersteigt die voraussichtliche Reparatursumme den Zeitwert, liegt ein wirtschaftlicher Totalschaden vor. Für die Kundinnen und Kunden bedeutet das: Sie erfahren direkt, welche Möglichkeiten ihnen offenstehen – etwa eine Reparatur, eine Auszahlung oder die Abwicklung als Totalschaden.

Bei besonders stark beschädigten Fahrzeugen kann zudem die Fahrtauglichkeit beeinträchtigt sein. Ist beispielsweise die Windschutzscheibe durch den Hagel stark beschädigt oder sogar durchschlagen, darf das Fahrzeug vorerst nicht zurück auf die Strasse.

Bülach bis Ende Oktober ausgebucht

Für AXA-Kunden sind die Schadensmeldung und die Erfassung der ersten Angaben online schnell erledigt. Beim anschliessenden Termin im Hagel-Drive-in braucht es derzeit allerdings etwas Geduld. Der Standort Bülach ist bis Ende Oktober vollständig ausgelastet. Weitere Termine sollen noch freigeschaltet werden.

Der Hagelsturm vom 28. August ist längst Geschichte. Für die Betroffenen ist es aber noch lange nicht vorbei: Die AXA rechnet in den kommenden Monaten mit Dauerbetrieb. René Büchler geht gar davon aus, dass sich Kunden noch in den nächsten sechs Monaten melden werden, um einen Schaden des ausserordentlichen Hagelsturms erfassen zu lassen.

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