Darum gehts
- Chinesische Billigreifen schneiden in TCS- und ADAC-Tests oft schlecht ab
- Die Unterschiede zwischen Billigreifen und teuren Pneus sind riesig
- Im TCS-Test war der Bremsweg bei schlechten Reifen auf nasser Strasse 15 Meter länger
Reifen sind ein relativ teures Verschleissteil am Auto. Da ist es kein Wunder, dass Billigreifen immer beliebter werden. Und nicht selten stammen die Pneus mit den tiefsten Preisen aus China.
Diese haben jedoch nicht den besten Ruf, wie die «Automobilwoche» berichtet. So erntete VW in Deutschland viel Kritik, weil der Autobauer den Tiguan seit 2024 mit Reifen des chinesischen Pneuherstellers Linglong ausliefert. VW würde am falschen Ort sparen, lautete der Tenor.
Hersteller bedienen Billig-Segment
Doch stimmt das überhaupt? Sind chinesische Reifen wirklich schlechter als die etablierten Gummis von Michelin, Pirelli, Continental und Co.? Fakt ist: In den Tests des TCS und des deutschen ADAC schneiden die Pneus aus dem Reich der Mitte regelmässig schwach ab. Jüngstes Beispiel: Beim aktuellen Winterreifentest des ADAC belegen in China hergestellte Reifen gleich die letzten fünf Plätze.
Allerdings bedeute dies nicht, dass chinesische Reifen generell schlecht seien, betonte ein ADAC-Sprecher gegenüber der Fachzeitschrift. Dass China-Reifen oft auf den letzten Plätzen landeten, habe nichts mit der Herkunft zu tun, sondern damit, dass die Hersteller das Billig-Segment bedienen.
Teilweise katastrophale Resultate
Auch die Testergebnisse des TCS zeigen, dass es sich lohnt, etwas mehr Geld in neue Reifen zu investieren. Alle Winterpneus, die im letzten TCS-Test durchfielen, gehören ins Budget-Segment.
Die drei schlechtesten Modelle, der Syron Everest 2, der CST Medallion Winter WCP1 und der Evergreen EW66 werden alle in China produziert. Im TCS-Test wiesen sie katastrophale Resultate bezüglich Fahrsicherheit – etwa beim Bremsen auf nasser Strasse – auf.
Bei einer Vollbremsung aus 80 km/h auf nassem Belag kam der schlechteste Reifen 15 Meter später zu stehen als der beste im Test! Das kann unter Umständen über Leben und Tod entscheiden.
VW betont Sicherheit der Linglong-Reifen
Klar ist: Nicht jeder chinesische Reifen ist ein Sicherheitsrisiko. «Wir stellen sehr hohe Anforderungen an Sicherheit und Qualität von Reifen», betont VW gegenüber Blick. «Jeder Reifen muss klar definierte technische und regulatorische Anforderungen erfüllen, unter anderem in den Bereichen Rollwiderstand, Nass- und Trockenhandling, Bremsleistung, Haltbarkeit, Komfort und Geräuschentwicklung.»
Linglong liefere aktuell rund 10'000 19-Zoll-Sommerreifen an VW. Bei weltweit rund 900‘000 produzierten Tiguan im Jahr ist die Chance, dass ein solches Fahrzeug in der Schweiz ausgeliefert wird, statistisch also klein.
Europa und Japan auf den Spitzenplätzen
Bisher belegen in den Tests ausschliesslich Reifen aus Europa und Japan die Spitzenplätze. Nur diese schaffen die perfekte Balance über die verschiedenen Anforderungsprofile.
Es ist aber gut möglich, dass die chinesischen Reifenhersteller diesen Rückstand aufholen können. Das gleiche haben schliesslich auch einige Autohersteller aus China bereits geschafft.